
Einige Wolfratshauser Stadträte haben schon angekündigt, im Sommer vor der örtlichen Kfz-Zulassungsstelle Schlange stehen zu wollen, wenn es dort die WOR-Nummernschilder wieder gibt. Doch auch ohne diesen kennzeichnenden Lokalpatriotismus steigt in der Zulassungsstelle seit einigen Monaten die Zahl der An- und Ummeldungen so sehr, dass der Landkreis für seine Wolfratshauser Außenstelle mittlerweile einen neuen Standort sucht.
Der Grund für diesen Anstieg ist gerade kein lokaler, sondern grenzüberschreitend: Seit gut einem Jahr beteiligt sich der Landkreis mit einigen anderen in Südbayern an einem Modell, das den jeweiligen Zulassungsstellen eine "erweiterte Zuständigkeit" über die eigenen Kreisgrenzen hinaus verschafft. Konkret bedeutet dies, dass etwa in Tölz oder Wolfratshausen nicht nur TÖL- oder demnächst WOR-Kennzeichen ausgegeben werden dürfen, sondern etwa auch solche für die Landkreise Miesbach oder Garmisch. Während sich deren Bürger eher nach Tölz wenden, sind für den Anstieg der Zulassungszahlen in Wolfratshausen vor allem die Nachbarn aus dem Landkreis München verantwortlich.
Statt zur eigenen Zulassungsstelle bis nach Grasbrunn zu fahren, können sich etwa die Schäftlarner, Straßlacher und Pullacher ihre Schilder seit 2012 in Wolfratshausen holen. Seit sich dem am 1. April auch der Landkreis Starnberg angeschlossen hat, gilt das auch für die Höhenrainer oder die Berger. Am routiniertesten genutzt wird die Option aber nicht von Privatleuten, sondern von den Autohändlern, die auch für ihre auswärtigen Kunden die Meldeformalitäten gleich an Ort und Stelle erledigen.
Rund 18 000 An- und Ummeldungen hat der Kreis 2012 in Tölz und Wolfratshausen zusammen registriert. 5000 davon betrafen Bürger anderer Kreise - mit steigender Tendenz, wie Sachgebietsleiter Georg Fischhaber erläutert. Zugleich haben die Kreisbürger etwa 2000 Meldeakte anderswo erledigt, was unter dem Strich ein Plus von 3000 Fällen ergibt. Das bringt nicht nur mehr Aufwand, sondern auch zusätzliche Gebühren. Die Zulassungsstelle in Wolfratshausen erwirtschafte so "nicht unerhebliche Erträge", sagt Landrat Josef Niedermaier und vermeidet tunlichst das Wort "Gewinn", denn den darf eine Behörde mit ihren Gebühren nicht machen.
Die Wolfratshauser Zulassungsstelle aufgeben wolle jedenfalls niemand, beteuert Niedermaier. Der Kreis suche schon länger nach gut erreichbaren Räumen im Stadtgebiet mit mindestens zehn Parkplätzen vor der Tür, sagt der Landrat, der sich davon auch eine Linderung des Parkproblems vor der jetzigen Zulassungsstelle erhofft. Bürgermeister Helmut Forster hat dafür zwar keine städtische Immobile im Angebot, dem Landrat aber schon vor Monaten eine private vorgeschlagen. Beschlossen sei noch nichts, sagen beide.
Das gilt laut Georg Fischhaber auch für das genaue Datum zur Einführung der WOR-Kennzeichen. Momentan sei im Ministerium vom 10. Juli die Rede. Ob es die WOR-Schilder dann auch in den Zulassungsstellen jenseits der Kreisgrenzen geben wird, ist offen. Derart bekennenden Lokalpatrioten ist es aus Fischhabers Sicht aber zuzumuten, sie auch in Wolfratshausen abzuholen.