WolfratshausenVom Knollennasenmännchen bis zur Polizeicrew

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Im Goldenen Buch der Gemeinde Münsing stehen nun auch die Unterschriften der Schauspieler Michael Brandner, Katharina Müller-Elmau und Christian Tramitz (v.li.) aus der TV-Serie "Hubert ohne Staller".
Im Goldenen Buch der Gemeinde Münsing stehen nun auch die Unterschriften der Schauspieler Michael Brandner, Katharina Müller-Elmau und Christian Tramitz (v.li.) aus der TV-Serie "Hubert ohne Staller". (Foto: Florian Peljak)

Im Gästebuch der See-Gemeinde stehen viele Prominente. Loriot hat darin ebenso signiert wie jetzt die Filmcrew von "Hubert ohne Staller".

Von Benjamin Engel, Münsing

Loriot hat eines seiner berühmten Knollennasenmännchen ins Goldene Buch gezeichnet.
Loriot hat eines seiner berühmten Knollennasenmännchen ins Goldene Buch gezeichnet. (Foto: Manfred Neubauer)

Unter Autogrammjägern dürfte dies Seltenheitswert haben: Auf zwei Seiten hat sich Mitte Juli das Filmteam der TV-Serie "Hubert ohne Staller" im Goldenen Buch der Gemeinde Münsing eingetragen - vom Regisseur und den Hauptdarstellern bis zur Setaufnahmeleiterin und der Garderobiere. 150 Folgen hat die Crew inzwischen in und rund um Wolfratshausen gedreht und damit auch Münsing für die Zuschauer populär gemacht. Denn zentrale Schauplätze liegen in der Gemeinde am Ostufer des Starnberger Sees, Dazu gehört beispielsweise die Bäckerei Graf in Ammerland, in der Serie nur als "Café Rattlinger" bekannt ist.

In der Region ermitteln "Hubert und Staller" schon seit 2011. Nachdem Schauspieler Helmfried von Lüttichau vor zwei Jahren ausgestiegen ist, klärt das Polizistenteam seine Fälle unter dem Namen "Hubert ohne Staller" weiterhin auf schusselig-humorvolle Weise. Von Anfang an wirken Christian Tramitz, der in Münsing lebt, oder Michael Brandner - der inzwischen zum Polizeiobermeister degradierte einstige Revierleiter - mit. Beide haben im Goldenen Buch von Münsing genauso unterschrieben wie die Darsteller Hannes Ringlstetter, Susu Padotzke, Katharina Müller-Elmau und Paul Sedlmeir oder auch der Komponist der Serien-Melodie, Gerd Ekken-Gerdes.

Für das Team griff Bürgermeister Michael Grasl im Quartett der Bachofa Musi zur Tuba und spielte unter anderem die Erkennungsmelodie der ARD-Krimikomödienreihe. Mit Münsings Kulturreferent Georg Sebald besuchte er die Crew bei einer internen Feier.

Womöglich sind währenddessen sogar mehr Unterschriften auf einmal zusammengekommen, als bisher im Goldenen Buch stehen. Denn das ledergebundene Exemplar führt die Kommune erst seit etwas mehr als zehn Jahren. Gästebuch steht auf dem braunen Einband. Das klingt nüchterner, als der Inhalt verspricht. Wer es aufklappt, begegnet auf einer der Innenseiten einem der typischen Knollennasenmännchen des Humoristen Vicco von Bülow alias Loriot. "Mooment...!", ruft ein Herr mit Schreibfeder und Tintenfass in den gespreizten Händen, ein Haufen schwarz gefleckter Papiere vor sich auf dem Tisch. Der vor neun Jahren gestorbene Ehrenbürger Münsings hat eines seiner Markensignets 2008 gezeichnet.

Als "alten Wimpasinger" (ein Ortsteil von Münsing bei Ammerland) bezeichnet sich Regisseur Pery Adlon, der mit Filmen wie "Out of Rosenheim" auch international bekannt wurde.

Als Wohn- und Rückzugsort vor allem von prominenten Künstlern ist Münsing gefragt. Im Ehrenbuch der Gemeinde wird der Leser aber nur wenige Namen finden. Denn dafür gilt die Devise "Leben und leben lassen" - und bloß nicht aufdringlich sein. Nur zu besonderen Gelegenheiten wie etwa der 1250-Jahr-Feier Ammerlands macht die Kommune eine Ausnahme: Im Quartett haben sich der Schauspieler und Autor Josef Bierbichler sowie seine Künstlerkollegen Anatol Regnier, Tilman Spengler und Ray Müller im Jahr 2015 eingetragen.

Das Wort am Anfang des Buchs gehört aber einem Kirchenmann. Am 30. Mai 2008 hat Friedrich Kardinal Wetter ein Grußwort geschrieben, als er einen Firmgottesdienst in Münsing leitete. Auch sein Nachfolger im Amt des Erzbischofs der Erzdiözese München und Freising, Reinhard Kardinal Marx, steht im Gästebuch. "Gottes Segen" gewünscht hat die damalige bayerische Wirtschaftsministerin und heutige Landtagspräsidentin Ilse Aigner im Jahr 2017. Bei diesem Anlass ging es für die christsoziale Politikerin nach dem Besuch im Rathaus übrigens direkt ins Bierzelt zur Holzhauser Festwoche.

Dort war der zweite Ehrenbürger der Gemeinde, Silvester Pölt, bis zur Gebietsreform in den 1970er Jahren Bürgermeister, ehe er das Amt in der Großgemeinde Münsing bis 1996 ausübte. 2009 ist er gestorben, weswegen sein jetziger Amtsnachfolger Grasl froh ist, dass er noch ein Grußwort für das Gästebuch notieren konnte. Das wird im Tresor des Rathauses verwahrt und nur zu besonderen Gelegenheiten hervorgeholt.

© SZ vom 31.07.2020 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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