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Wolfratshausen:Veränderungen "unvertretbar"

Initiative verteidigt Raumprogramm für den Wolfratshauser Bürgerladen

Von Matthias Köpf, Wolfratshausen

Der Wolfratshauser Bürgerladen-Arbeitskreis hat sein aktualisiertes Nutzungskonzept für das Erdgeschoss des stadteigenen Eckhauses am Untermarkt 10 veröffentlicht. Die neuen Pläne sehen eine Verkaufsfläche von knapp 200 Quadratmetern plus einige Nebenräume vor. In einem hinteren Verkaufsraum soll anstelle des ursprünglich geplanten Café- und Bistro-Bereichs als Bürgertreff eine Leseecke mit Tauschbücherei und Ausstellungsmöglichkeit für regionale Künstler entstehen. Durch den Verzicht auf das Café und die dazu nötigen aufwendigen Installationen will die Gruppe die zuletzt auf mehr als 820 000 Euro berechneten Umbaukosten auf Seiten der Stadt um etwa 150 000 Euro senken helfen. Der Bauausschuss des Stadtrats hatte sich geweigert, Kosten in dieser Höhe zu akzeptieren. Am 7. Juli soll der gesamte Rat in einer Sondersitzung über die neuen Pläne befinden.

Man vertraue "auf eine Entscheidung im Sinne der Bürger", heißt es dazu von der Bürgerladen-Gruppe, die ihr neues Konzept ausführlich beschreibt und begründet. Damit reagiert sie auch auf eine alternative Planung, welche die Ratsfraktionen von CSU, SPD und Grünen dem bisherigen Konzept aus der Bürgerladen-Gruppe und dem Rathaus entgegenstellen lassen wollen. So spielen die drei Fraktionen etwa mit dem Gedanken, die nach hinten zum Parkplatz am Heimatmuseum hin gelegenen Nebenräume dem Museum zuzuschlagen. Das könnte dessen notorische Raumnot lindern und außerdem eine schon längere Zeit zurückliegende und an Museumszwecke gebundene Erbschaft für das Gesamtprojekt nutzbar machen, lautet die damit verbundene Hoffnung. Laden und Museum könnten sich demnach eventuell auch Toiletten und Nebenräume teilen.

Die Bürgergeladen-Gruppe hingegen verteidigt nicht nur den Standort in dem Haus als praktisch ideal, sondern auch ihre bisher geplante Raumaufteilung. Die gesamte Fläche bildet ein L mit einem sehr dicken kurzen Schenkel an Untermarkt und Bahnhofstraße. Hier würden die Verkaufsräume liegen, die durchgängig als "Historischer Bürgerladen" gestaltet werden sollen. In seinem Winkel umschließt das L den Eingangsbereich des Heimatmuseums, das seine Ausstellungsräume eine Etage höher hat. Der lange Schenkel des L zieht sich schmal am Parkplatz entlang. Dort sollen die vom Bauamt verlangte behindertengerechte Toilette und der Müllraum liegen. Außerdem seien dort die Räumlichkeiten für die Verwaltung des Bürgerladens, die Personalräume und auch ein Betreuungs- und Beratungsraum vorgesehen. Speziell auf diesen Raum könne man nicht verzichten, wenn der Laden auch förderungsbedürftigen Menschen die Integration in den Arbeitsmarkt erleichtern soll. Um den Integrationsgedanken war es nach der Trennung von den ursprünglich als Kooperationspartner und Laden-Betreiber vorgesehenen Isarwinkler Werkstätten still geworden. Die Gruppe hält aber nach wie vor auch an diesen allseits begrüßten Plänen fest, die dem Laden-Projekt zudem laufend öffentliche Fördergelder einbringen würden.

"Sollte uns die Nutzung der hinteren Nebenräume des Ladenlokals nicht wie geplant ermöglicht werden", so gehe das auf Kosten des Integrationskonzepts und der Verkaufsfläche, mache teure Umbauten nötig und gefährde auch die Wirtschaftlichkeit des ganzen Projekts, warnt die Gruppe in ihrer Mitteilung, ohne die Kritiker und Zweifler im Stadtrat direkt anzusprechen oder auch nur zu nennen. "Eine solch drastische Veränderung des Konzeptes würden wir als äußerst bedauerlich und gegenüber den Bürgern und Anteilszeichnern als unvertretbar empfinden."

© SZ vom 26.06.2015

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