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Wolfratshausen:Unwidersprochen

Beim Politischen Herbst der JU sollte es um Flüchtlinge gehen. Doch das größte Thema war Angst.

Bei der Sitzung zum Politischen Herbst der Jungen Union (JU) Wolfratshausen vom Mittwochabend lautete das Thema "Fluchtursachenbekämpfung". Es ging aber vor allem um eines: Angst. Um die Angst vor einem möglichen Zerfall Europas an der Flüchtlingskrise, Angst vor unablässigen "Strömen" Schutzsuchender, Angst vor einem zu großen Anteil junger Männern oder Angst vor "anders gepolten Kindern", wie es eine Teilnehmerin ausdrückte.

Bei der Podiumsdiskussion war als Referent der CSU-Wahlkreisabgeordnete im Bundestag, Alexander Radwan, geladen. Auf Europa werden laut Radwan unangenehme Entscheidungen zukommen, die auch eine militärische Beteiligung in den Krisenregionen wie Syrien mit einschließen könnten.

Zur Flüchtlingssituation in Deutschland erklärte er, die Menschen aus anderen Kulturkreisen und anderen Religionen müssten das Wertesystem und Grundgesetz respektieren. Ihm als Sohn eines Ägypters sei die arabische Welt nicht fremd.

Der Ortsvorsitzende der Jungen Union, Andreas Ofenbeck, hatte bereits in seiner Begrüßung erklärt: Es sei nicht ausreichend, "Refugees welcome" zu rufen. Derzeit sei von weiteren 920 000 Flüchtlingen auszugehen.

Sabine Lorenz (CSU), die Kreisvorsitzende der Frauen-Union, warnte vor einem signifikanten Zustrom junger Männer: "Die Asylbewerberzahlen haben sich so geändert, dass derzeit 70 bis 75 Prozent junge Männer ankommen, die anders sozialisiert sind. Als emanzipierte Frau frage ich mich, wo das hinführt." Welche konkrete Gefahr von den jungen Männern ausgehen soll, blieb jedoch unerwähnt.

Lorenz bezeichnete zudem Männer aus Ländern wie dem Senegal als problematisch, die Frauen und Kinder in der Heimat zurückließen und nur sich selbst in Sicherheit brächten. Und sie sagte, sie werde von Bürgern gefragt, ob diese ihre Töchter noch auf die Straße gehen lassen könnten, wenn ihnen dort womöglich "zwanzig Schwarze nachts entgegenkommen". Was sie darauf antwortet, erwähnte sie nicht.

Eine Mutter sagte, ihre Kinder fürchteten sich vor den "anders gepolten Flüchtlingskindern". Sie stellte die Frage, ob Verfolgung durch Krieg ein ausreichender Grund für einen Asylantrag sei. Radwan erwiderte, dass zu "politisch Verfolgten" Kriegsflüchtlinge zählten.

Der Abgeordnete machte aber sein Verständnis für die Sorgen der Bürger deutlich: "Jeder Bürger, der heute Fragen hat, soll fragen dürfen. Es kann nicht sein, dass man gleich in eine bestimmte Ecke gestellt wird." In dem Vortrag ging es vor allem um mögliche Lösungen der Flüchtlingsursachen. Das Thema Abbau von Vorurteilen blieb am Mittwochabend außen vor.