WolfratshausenTrübe Rechtslage

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Die beteiligten Behörden diskutieren intern darüber, ob der Golfplatz Bergkramerhof mit dem Wasserschutzgebiet vereinbar ist. Nach außen halten sich die Ämter bedeckt.

Von Matthias Köpf

Das Wolfratshauser Trinkwasser ist in aller Munde - und zumindest im buchstäblichen Sinn gibt es dagegen laut übereinstimmenden Beteuerungen mehrerer Behörden auch nicht die geringsten Bedenken. Was die von Gesundheitsamtsleiter Franz Hartmann aufgeworfenen Fragen zur Genehmigung des Golfplatzes und zum Einsatz vom Pflanzenschutzmitteln im Wasserschutzgebiet betrifft, halten sich die beteiligten Ämter derzeit lieber bedeckt. Umso dringender versuchen sie hinter den Kulissen, die Zuständigkeiten und die Rechtslage zu entwirren.

Das Wasserschutzgebiet des Stadt Wolfratshausen erstreckt sich seit 2008 auf große Teile des Golfplatzes Bergkramerhof. Für den Einsatz der dort üblichen Dünge- und Planzenschutzmittel liegt laut Landratsamt keine Genehmigung vor.
Das Wasserschutzgebiet des Stadt Wolfratshausen erstreckt sich seit 2008 auf große Teile des Golfplatzes Bergkramerhof. Für den Einsatz der dort üblichen Dünge- und Planzenschutzmittel liegt laut Landratsamt keine Genehmigung vor. (Foto: Hartmut Pöstges)

Hartmann hat nach eigenen Angaben erst im April dieses Jahres erfahren, dass sich die Kernzone des Wolfratshauser Wasserschutzgebiets seit 2008 auf nahezu den gesamten Golfplatz erstreckt. Als Leiter des Gesundheitsamts halte er einen Golfplatz und ein Wasserschutzgebiet aber für unvereinbar, betont Hartmann und begründet dies mit dem auf Golfplätzen üblichen Einsatz von Düngern und Pflanzenschutzmitteln. Und für diesen Einsatz lägen im Landratsamt keine Genehmigungen vor, sagt Hartmann. Immerhin dies betätigt auch Christine Bonnet, deren Abteilung im Landratsamt für den Umweltschutz- und Gewässerschutz zuständig ist. Ansonsten versuche man derzeit, die Vorgänge behördenintern zu sortieren und gebe so lange keine öffentlichen Auskünfte.

Für den Vorwurf fehlender Genehmigungen zum Einsatz von Pflanzenschutzmitteln hat man unterdessen am Bergkramerhof kein Verständnis. Betreiber Josef Hingerl und Anlagenleiter Marko Dresp verweisen auf Papiere vom Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten in Rosenheim, die einige erlaubte Mittel auflisten. Außerdem gälten seit kurzem neue Regelungen, an die man sich ebenfalls halte. "Auf eine Genehmigung von uns können die sich nicht mehr berufen, weil so eine Genehmigung gar nicht mehr notwendig ist", sagt dazu Mathias Mitterreiter vom Rosenheimer Landwirtschaftsamt. Schutzgebietsauflagen gälten aus seiner Sicht "natürlich trotzdem", federführend dafür sei wohl das Landratsamt (siehe Kasten).

Das Landratsamt hat auch das Verfahren geführt, mit dem die Kernzone des Wasserschutzgebiets 2008 auf den seit 1993 bestehenden Golfplatz ausgeweitet wurde. Das Landratsamt hatte damit eine Gesetzänderung umgesetzt und die einschlägigen Behörden wie das Wasserwirtschaftsamt zurate gezogen. Das bestätigt dessen Leiter Roland Kriegsch, der selbst erst seit Februar 2012 im Amt ist. Das Wasserwirtschaftsamt jedenfalls genehmige grundsätzlich nichts, sondern stelle lediglich den Genehmigungsbehörden seine Fachkompetenz zur Verfügung. Für etwaige Ausnahmen von der Schutzgebietsverordnung für den Bergkramerhof ist auch Kriegsch zufolge das Landratsamt in Bad Tölz zuständig.

Teil dieses Landratsamts ist als "Abteilung Humanmedizin" auch das Gesundheitsamt, dessen Leiter Hartmann von der Schutzgebiets-Problematik nach eigenen Angaben eben erst im April erfahren und deswegen so spät Alarm geschlagen hat. Was das Wolfratshauser Trinkwasser und die Verunsicherung der Bürger betrifft, versichern alle Behörden mit Nachdruck, dass seit dem einmaligen Fund coliformer Keime im Tiefbrunnen vor einigen Wochen trotz intensiver Untersuchungen keinerlei weitere Belastung mehr zu verzeichnen sei.

Von den nun diskutierten Pflanzenschutzmitteln sei noch nie auch nur eine Spur im Trinkwasser nachgewiesen worden - wobei auch hier Hartmann Zweifel sät und darauf verweist, dass man seiner Kenntnis nach auch noch nie allzu spezifisch danach gesucht habe. Nach Aussagen von Bürgermeister Helmut Forster (BVW) und Umweltreferentin Gaby Reith (Grüne) im Wolfratshauser Stadtrat waren jedenfalls die Bodenproben stets unbelastet, die am Golfplatz regelmäßig gezogen werden.

Die Spuren von Abwasser, die in alten Schächten am Bergkramerhof gefunden wurden, werden laut Wasserwirtschaftsamt noch analysiert. Die dazu vom Landratsamt eingeschaltete Staatsanwaltschaft München II ist nach eigenen Angaben noch nicht zu Erkenntnissen gelangt.

© SZ vom 11.05.2013 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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