Bahnhofstoilette in WolfratshausenUms stille Örtchen kehrt Ruhe ein

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Seit Ende 2023 sind die Toiletten im Wolfratshauser Bahnhof außer Betrieb.
Seit Ende 2023 sind die Toiletten im Wolfratshauser Bahnhof außer Betrieb. Harry Wolfsbauer

Die Stadt Wolfratshausen übernimmt die WC-Anlage am Bahnhof. Damit endet ein jahrelanges Gezerre mit der Deutschen Bahn, das auch zu einer Posse im Wahlkampf führte.

Von Benjamin Engel, Wolfratshausen

Geld stinke nicht, soll der römische Kaiser Vespasian auf Kritik an einer neu eingeführten Steuer für öffentliche Toiletten geantwortet haben. In Wolfratshausen lässt die Stadt aktuell Münzzähler an den Türen der zwei Sanitäranlagen am S-Bahnhof installieren. Danach werden die Toiletten geöffnet, nachdem sie vor zweieinhalb Jahre außer Betrieb gesetzt wurden. Damit kommt auch die durch eine Wahlkampfposse symbolisch aufgeladene Örtchen-Frage zu einem Abschluss.

Die Stadt hat den Pachtvertrag für eine vorübergehende Nutzung mit der Deutschen Bahn abgeschlossen. Die Schlüsselübergabe sei bereits erfolgt, sagte Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) auf Nachfrage. „Die Bahn hat die Funktionalität der Toilettenanlage auf Vordermann gebracht.“ Der Mietvertrag laufe zunächst ein Jahr. Es bestehe ein gegenseitiges Sonderkündigungsrecht, so der Rathauschef.

Ursprünglich hatte der Pächter der angrenzenden McDonald’s-Filiale, der Ende 2023 aufgab, die Toiletten betrieben. Mit dem Leerstand der Ladeneinheit blieben die Sanitäranlagen geschlossen. Viele Versuche des Bürgermeisters, mit der Deutschen Bahn eine Wiederöffnung zu erreichen, waren fruchtlos. Anfang 2026 verschickten Ulrike Krischke, Seniorenreferentin des Stadtrats, und Ines Lobenstein von der Caritas ein Protestschreiben an den Bahnvorstand sowie ranghohe Landes- und Bundespolitiker. Daraufhin stellte die Bahn in Aussicht, die Toiletten an die Kommune zu verpachten. Doch erst einmal änderte sich nichts.

Vor der Kommunalwahl ließ die Wolfratshauser Liste ein mobiles Klo aufstellen

Kurz vor der Kommunalwahl am 8. März ließ die Wolfratshauser Liste öffentlichkeitswirksam eine mobile Toilette vor dem Bahnhofsgebäude aufstellen, die nach einigen Tagen wieder verschwand. Hauptinitiator Sepp Schwarzenbach hatte die Sanitäranlage erst einmal nur für zwei Wochen gemietet, dabei allerdings versäumt, rechtzeitig die Verlängerungsoption zu ziehen. So wurde das mobile Klo wieder abtransportiert, was zunächst in der Stadt Rätselraten auslöste. Daraufhin mietete die Wolfratshauser Liste die mobile Toilette erneut an. Der Gruppierung warfen die anderen Parteien und Vereinigungen im Wahlkampf Populismus vor.

Grundsätzlich soll der Pächter der angrenzenden Gewerbeeinheit die Toiletten im S-Bahnhof mitbetreiben. Gespräche mit Mietinteressenten gab und gibt es. Bisher kam es jedoch noch zu keinem Vertragsabschluss. Sollte der zustande kommen, übernimmt der Pächter auch die Verantwortung für die Sanitäranlagen.

Die Nutzung wird künftig ein paar Cent kosten. Vor allem, um Zerstörungswut vorzubeugen, sagt Bürgermeister Heilinglechner.

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