Wolfratshausen:Strom für 2000 Haushalte

Wolfratshausen: Sprudelnde Stromquelle: Bei Informationsgespräch auf dem Wehr über dem Kanal erklärt Projektleiter Basche (2. v. li.) das geplante Wasserkraftwerk.

Sprudelnde Stromquelle: Bei Informationsgespräch auf dem Wehr über dem Kanal erklärt Projektleiter Basche (2. v. li.) das geplante Wasserkraftwerk.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Das Wasserkraftwerk am Isar-Loisach-Kanal in Wolfratshausen könnte schon 2017 in Betrieb gehen.

Von Konstantin Kaip, Wolfratshausen

Das Wasserkraftwerk am Isar-Loisach-Kanal, das die Wasserkraftwerk Farchet GmbH an dem bestehenden Wehr zwischen Farchet und Waldram errichten will, ist im Wolfratshauser Bauausschuss und im Stadtrat auf Zustimmung gestoßen. Es hat aber auch Bedenken hervorgerufen: Der Stadtrat fordert, dass der Wasserstand der Loisach nicht sinken und den Flößereibetrieb gefährden dürfe, dass das FFH-Gebiet geschützt bleiben müsse und dass die Baustellenzufahrt nicht über das nördliche, sondern über das südliche Ufer erfolgen solle, damit der Fuß- und Radweg weiter nutzbar bleibt.

Am Montag haben die künftigen Betreiber und Gesellschafter der GmbH, Bayernwerk Natur und Stadtwerke Bad Tölz, ihre Pläne an Ort und Stelle vorgestellt. Sie hoffen, schon 2017 in Betrieb gehen zu können. Unterstützt wurden sie von der Bürgerstiftung Energiewende Oberland. In Sachen FFH-Gebiet konnte das Informationsgespräch die Bedenken der Stadt zerstreuen - nicht aber, was die Zufahrt zur Baustelle betrifft.

Das Kraftwerk würde 3600 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr einsparen

"Wir sind seit längerer Zeit der Meinung, dass hier ein sehr guter Standort für die Stromerzeugung aus Wasserkraft ist", sagte der Bayernwerk-Projektleiter Peter Basche auf der schmalen Brücke über dem Wehr. Denn erstens sei die Wasserkrafterzeugung nur noch an bestehenden Querbauwerken zulässig, und zweitens sei der Isar-Loisach-Kanal ein künstliches Gewässer. Er wurde zeitgleich mit dem Walchenseekraftwerk geschaffen, um die Stadt Wolfratshausen vom Werkswasser des Kraftwerks zu entlasten, das über den Kochelsee in die Loisach gelangt und ein Hochwasserrisiko bergen würde. Der Bau des Kraftwerks dort sei also "mit relativ geringen Eingriffen in die Natur verbunden". Wie Basche erklärte, läuft derzeit das wasserrechtliche Genehmigungsverfahren beim Landratsamt, in dem die ökologischen Belange "zentraler Bestandteil" seien. Diese nehme man sehr ernst, sagte der Projektleiter. So soll es einen Durchlass geben, der den Fischabstieg in der Staustufe gewährleistet. Das angrenzende FFH-Gebiet werde von den Bauarbeiten im Wasser und an Land nicht berührt, sagte Basche.

Am Wehr soll eine Kaplan-Turbine eingebaut werden, ein Generator mit vertikalem, verstellbarem Laufrad. Die Fallhöhe des Wassers muss dazu 4,50 Meter betragen, weshalb der Kanal vertieft werden muss. Dies erreiche man dadurch, das man die bestehenden Zwischenstufen nach dem Wehr abtrage, erklärte Basche. Das Wasser ströme dann gleich auf das Isar-Niveau, in "voller Fallhöhe". Etwa 6500 Megawattstunden pro Jahr soll das Kraftwerk so erzeugen - Strom für etwa 2000 Durchschnittshaushalte. Das seien 25 Prozent der Haushalte in Wolfratshausen, sagte der Vorstandsvorsitzende der EWO, Josef Kellner. Er sicherte den Betreibern Unterstützung für das Projekt zu: "Wir stehen voll und ganz dahinter." Das Kraftwerk am Kanal könne mehr als 3600 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr einsparen, rechnete sein Vorstandskollege Stefan Draxlmeier vor. Wolfratshausens Zweiter Bürgermeister Fritz Schnaller (SPD) betonte, sowohl Bauausschuss als auch Stadtrat hätten einstimmig für das Wasserkraftwerk votiert. Er wiederholte aber auch die Bedenken.

Der Bau soll dann "im engen Dialog mit der Stadt" gestaltet werden

Die konnte Basche nur zum Teil ausräumen: Der Wasserstand der Loisach werde vom Beuerberger Wehr beeinflusst, die Wasserteilung dort habe mit dem geplanten Kraftwerk nichts zu tun. Dafür sei der Betreiber des Walchenseekraftwerks, die aus der Eon hervorgegangene Uniper, zuständig. Eine Zufahrt zur Baustelle am Südufer, die auch Erich Rühmer vom Isartalverein forderte, sei deutlich aufwendiger und bedeute auch mehr bauliche Maßnahmen direkt am Kanal, erklärte Basche. Deshalb zögen die Planer eine Erschließung über die Mehrzweckhalle und den Fahrradweg am nördlichen Ufer vor, das während der etwa einjährigen Bauzeit "sehr stark beeinträchtigt" würde, wie er einräumte.

"Wir hoffen, dass die Genehmigung noch in diesem Jahr erteilt wird", sagte Basche. Sobald das absehbar sei, wolle man den Bauantrag stellen und das Kraftwerk dann "im engen Dialog mit der Stadt" gestalten.

© SZ vom 26.04.2016/aip
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB