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Wolfratshausen:Streit um Schlittenberg

Die CSU möchte einen Rodelhügel in Waldram aufschütten lassen. Doch einige Mütter wollen das nicht - und sammeln sogar Unterschriften dagegen.

Während sich die Zielgruppe frühsommerlichen Ferienvergnügungen hingibt, erhitzt der zwischen der Pommern- und der Lüßbachstraße geplante Schlittenberg der Wolfratshauser CSU die Gemüter in Waldram. Zu Beginn der Stadtratssitzung am Dienstagabend wandten sich mehrere Mütter gegen das bereits vor vielen Monaten beschlossene Aufschütten des Bergs, weil sie die Sicherheit ihrer Kinder nicht gewährleistet sehen. Bürgermeister Helmut Forster (BVW) verwies dagegen auf die rechtsgültige Baugenehmigung seitens des Tölzer Landratsamts, das auch alle Sicherheitsfragen überprüft habe.

Auf der Wiese an der Pommernstraße in Waldram soll der 64 Meter lange und sechs Meter hohe Schlittenberg entstehen.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Der Schlittenberg am Spielplatz in der Pommernstraße soll nach den bisherigen Plänen eine Art 64 Meter langer Bergrücken in Form einer extrem gestreckten Niere werden und zwei sechs Meter hohe Gipfel erhalten, von denen zwei unterschiedlich steile Schlittentrassen ins ebene Gelände führen. Die beiden steilen Flanken sollen mit Sträuchern bepflanzt werden, um allzu waghalsige Abfahrten zu verhindern.

Dennoch fürchten vor allem viele Mütter die Gefahren, die der Hügel für ihre rodelnden Kinder berge. Einige Anwohner sorgen sich dagegen um ihre Ruhe und erwarten, dass die Anhöhe im Sommer von Heranwachsenden als Radparcours genutzt wird. Insgesamt haben die Schlittenberg-Kritiker über mehrere Wochen hinweg 268 Unterschriften gegen den Hügel gesammelt und schon in der Vorwoche im Rathaus deponiert. Zugleich reichten die Berg-Freunde als Reaktion eilig gesammelte 133 Unterschriften ein, die in nur einer Woche zusammengekommen seien.

Während im Bauausschuss des Stadtrats in der vergangenen Woche noch einige SPD-Vertreter vorgeschlagen hatten, den Berg etwas niedriger zu gestalten, äußerte sich auf die Vorhaltungen der Mütter in der Ratssitzung am Dienstag nur der Bürgermeister, der bei der Gelegenheit seine Freude bekundete, dass in Wolfratshausen zumindest auch einmal für etwas, statt immer nur gegen etwas unterschrieben werde. Die Genehmigung für den Schlittenberg, der amtlich ein Bauwerk ist, sei rechtsgültig, die Sicherheitsfragen seien geprüft, der Berg könne also aufgeschüttet werden.

Ein Wahlkampf-Versprechen der CSU

Die aufgebrachten Fragestellerinnen entgegneten dem, dass das Landratsamt die Sicherheit des Bergs nur vom Schreibtisch aus überprüft habe und die Schlitten-Trasse in der Nähe einiger Bäume und eines Radwegs münde. Forster wiederum beschied darauf, dass für die Sicherheit auf dem Berg an vorderster Stelle der Bauherr verantwortlich sei, also die Wolfratshauser CSU.

Die hatte den Schlittenberg im Kommunalwahlkampf 2008 versprochen und im vergangenen Jahr nach mancherlei Widrigkeiten schließlich auch gegen das Landratsamt durchgesetzt. Das verlangt seither nur noch, dass der Berg nicht wie einst geplant aus gratis angeliefertem Bauschutt, sondern nur aus völlig unbelastetem Erdreich besteht.

Der Stadtrat hat sich den Bau des Bergs nicht selbst zu eigen gemacht, sondern nur den entsprechenden Antrag des Bauherrn CSU genehmigt, damit der Stadt keine Kosten entstehen. Zuletzt hat Richard Kugler namens der CSU angedeutet, angesichts der Proteste die Dimensionen des Berg eventuell noch einmal zu überdenken.

© SZ vom 16.06.2011
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