Wolfratshausen:Stadtrat muss sich mit Archiv-Streit befassen

Der geplante Neubau am Loisachufer bleibt in der Kritik: Gegen den Willen von Bürgermeister Forster verweist der Bauausschuss die Standortdebatte an das Plenum. Das ehemalige jüdische Badehaus in Waldram und das Alte Krankenhaus sind nach wie vor Optionen.

Matthias Köpf

Die Standortfrage für ein neues Stadtarchiv wird die Wolfratshauser Stadträte weiterhin beschäftigen.

Der Bauausschuss des Stadtrats hat dazu am Mittwochabend keine Entscheidung gefällt und das Thema gegen den Widerstand von Bürgermeister Helmut Forster und dessen Bürgervereinigung an das Plenum überwiesen. Der komplette Stadtrat soll laut Forsters Ankündigung nun am kommenden Dienstag über die umstrittenen Archivpläne sprechen.

Forster und die BVW beharren auf einem Mehrheitsbeschluss des Bauausschusses vom Februar, wonach das neue Archiv neben das bisherige an das Altstadtufer der Loisach gebaut werden soll. Allerdings hatte ein Bürgerantrag mit 455 Unterschriften von Wolfratshauser Wahlberechtigten den Bürgermeister dazu gezwungen, das Thema noch einmal auf die Tagesordnung des Ausschusses zu setzen. Außerdem hat die SPD ihre Zustimmung zum Neubau am Ufer mittlerweile revidiert und per Antrag verlangt, zuvor nicht diskutierte Alternativen in der Nähe des Rathauses sowie das Alte Krankenhaus an der Sauerlacher Straße und das frühere jüdische Badehaus in Waldram zu prüfen.

Diesen Antrag nahm der Ausschuss auf Wunsch von Reiner Berchtold (SPD) schon zu Beginn der Sitzung von der Tagesordnung, um ihn angesichts der Bedeutung des Themas und der Vielzahl von eingegangenen Stellungnahmen stattdessen vom gesamten Stadtrat diskutieren zu lassen. Für dieses Vorgehen stimmten die zwei Räte der SPD, die drei der CSU und die Grüne Gaby Reith. Forster und die drei weiteren BVW-Mitglieder wollten den SPD-Antrag dagegen gleich im Ausschuss behandeln.

Die gleiche 6:4-Mehrheit gegen die BVW fand sich auch für den Teil des Bürgerantrags, wonach der gesamte Stadtrat noch einmal über das Archiv-Thema debattieren solle. Nicht folgen mochten die meisten Räte dagegen der zweiten der beiden Forderungen, in die die Stadtverwaltung den Bürgerantrag zusammengefasst hatte und über die der Ausschuss - ebenfalls gegen den Widerstand der BVW - separat abstimmte: Das Loisachufer vor jeder weiteren Prüfung als Archivstandort ausschließen mochte im Ausschuss allein Richard Kugler (CSU).

Kugler kritisierte nach der Sitzung auch die Ankündigung des Bürgermeisters, den Stadtrat schon in seiner nächsten Sitzung am kommenden Dienstag mit dem Thema befassen zu wollen. Er wolle nicht in solcher Eile über den endgültigen Archiv-Standort befinden, weil dazu nach wie vor die nötigen Informationen und Unterlagen fehlten, sagte Kugler.

SPD-Fraktionssprecher Renato Wittstadt schloss sich an und quittierte mit Befremden, dass Forster in der Sitzung das Waldramer Badehaus und auch das Alte Krankenhaus als Archiv-Standorte ausgeschlossen hatte. Die SPD verlange, dass der Stadtrat eine Prüfung der Alternativen nach eigenen Kriterien erst in Auftrag gebe, während Forster das Ergebnis offenbar nach eigenem Dafürhalten vorwegnehmen wolle.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB