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Wolfratshausen:Stadt will an Varieté und Theater in der Loisachhalle sparen

Wegen massiver Verluste muss Veranstaltungsmanagerin Marion Clement das Programm abspecken. Auf der Kippe steht auch das Open-Air-Kino an der Floßlände.

Von Konstantin Kaip

Die Streichliste, mit der CSU, SPD und Grüne im vergangenen Jahr Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) in den Haushaltsberatungen überraschten, betraf auch die Kultur: Die Ausgaben für das Veranstaltungsmanagement sollten um 100 000 Euro reduziert werden. Dieses Ziel habe trotz großer Bemühungen nicht erreicht werden können, heißt es im Budgetbericht von Veranstaltungsmanagerin Marion Klement. Das Kulturprogramm sei bereits zum Ende des Vorjahres komplett geplant und vertraglich abgesichert gewesen. Nun allerdings werden sich die Einsparungen bei den Wolfratshausern bemerkbar machen - in einem abgespeckten Programm in der Loisachhalle.

Erstes Opfer ist die laut Klement "sehr hochpreisige", beim Publikum beliebte Varieté-Veranstaltung "Imagine" des Waldramer Choreografen und Tänzers Dominik Halamek. Sie wurde für 2017 aus dem Programm genommen. Ziel sei es, dass sie künftig alle zwei Jahre stattfinde. Halamek sei schließlich auch mit seiner "African Night" beim diesjährigen Flussfestival vertreten, erklärt Klement. "Er soll sich nicht selbst Konkurrenz machen."

Von 2018 an soll dann die Zahl der teuren Theaterproduktionen auf drei reduziert werden. Bislang waren es mindestens sechs im Jahr. Gemeint seien etwa Produktionen mit bekannten Schauspielern oder Orchestern, erläutert Klement. Zudem soll dann auch das Theater-Abonnement durch ein Wahl-Abonnement ersetzt werden: Aus dem kompletten städtischen Jahresprogramm an allen Veranstaltungsorten, so der Plan, sollen Abonnenten dann vier oder sechs Veranstaltungen wählen können - und entsprechend Rabatt erhalten. So soll ein Anreiz für Buchungen geschaffen werden, um den oft schleppenden Vorverkauf anzukurbeln und das Veranstaltungsmanagement planbarer zu machen, sagt die städtische Kulturmanagerin. Ein solches Modell existiere beispielsweise in Germering. In Wolfratshausen gebe es derzeit etwa 80 bis 90 Theaterabonnenten - zu wenige, um sich den Ausgaben zumindest anzunähern. "Wenn eine Stadt den staatlichen Kulturauftrag annimmt, ist das immer ein Defizitbudget", sagt Klement und versichert, dass Wolfratshausen diesen Auftrag auch in Zukunft erfüllen werde. "Aber man kann das Geld auch mit einer statt mit zwei Händen ausgeben." Auf der Kippe steht laut Klement zufolge auch das Kino-Open-Air an der Alten Floßlände. Die Kosten für die Technik sind laut Budgetbericht sehr hoch und lassen sich wegen der schwimmenden Großleinwand in der Loisach auch nicht reduzieren.

Nach wie vor werde die Stadt jedoch darauf achten, dass das gemeinsam mit den Betreibern Hofbräuhaus Traunstein und Flößerei-Pächter Dominik Tabak angebotene Programm in der Loisachhalle "vielseitig und abwechslungsreich" bleibt, erklärt Klement. "Aufgrund der steigenden Ausgaben ist allerdings künftig mit einer Anpassung der Veranstaltungspreise zu rechnen."

Künftig wolle man auch Vereinen die Möglichkeit geben, aus dem Kontingent von 25 Tagen im Jahr, an denen die Stadt laut Vertrag die Loisachhalle belegt, Termine für Veranstaltungen zu mieten. Kostenlos könne man die Halle nicht zur Verfügung stellen, betont Klement. Angedacht sei jedoch eine finanzielle oder konzeptionelle Unterstützung.

Das Programm in der Loisachhalle war im vergangenen Jahr umfangreicher als 2015, da es ohne das Fluss-Festival weniger Veranstaltungen auf alternativen Bühnen gab. 25 städtische Veranstaltungen gab es 2016 in der Halle, zweimal hat die Stadt sie vermietet - für den Rosenmontagsball der Kolpingsfamilie und das Jubiläum der Kreisklinik. Im Etat für die Loisachhalle schlugen zudem die Sportlergala mit 18 400 Euro, das Senioren-Starkbierfest mit 6300 Euro, die Bürgerversammlung mit knapp 3000 Euro, die Seniorenweihnacht mit 4600 Euro und Musikschulveranstaltungen mit 3500 Euro zu Buche. Alle haben laut Bericht "wenige bis gar keine Einnahmen" generiert. Das gilt auch für die Kinderkulturtage, den Kinderfasching, das Starkbierfest, die Gewerbeschau Iloga und das Adventssingen. Statt der erwarteten Einnahmen von zirka 238 000 Euro konnten laut dem Budgetbericht nur etwa 185 000 Euro erzielt werden. Insgesamt hat die Stadt mit der Loisachhalle im vergangenen Jahr gut 294 000 Euro Verlust gemacht. Das Gesamtdefizit des Budgets für Veranstaltungsmanagement, Tourismus und Wirtschaftsförderung lag im Vorjahr bei etwa 900 000 Euro.

© SZ vom 03.06.2017
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