Vereine in WolfratshausenKritik an Wolfratshauser Förderrichtlinie

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Vier Vertreter von Sportgruppierungen in der Loisachstadt fordern in einem offenen Brief Beteiligung und Mitsprache bei etwaigen Ausnahmeregelungen.

Von Claudia Koestler, Wolfratshausen

Die Stadt Wolfratshausen hat in ihrer Juli-Sitzung beschlossen, zukünftig nur noch dann Fördergelder zur Verfügung zu stellen, wenn keine anderen öffentlichen Mittel abgerufen werden können. Hintergrund der Restriktion ist eine Empfehlung des Landratsamts. Denn Wolfratshausens Haushaltslage ist angespannt, und mit der Vermeidung von Doppel- oder Mehrfachförderungen will die Stadt einerseits sparen, andererseits aber auch sogenannte Mitnahmeeffekte minimieren. Doch Vertreter von Wolfratshauser Sportvereinen kritisieren den Beschluss nun scharf und fordern Beteiligung und Mitsprache bei etwaigen Ausnahmeregelungen.

"Da läuft etwas schief", wird Erich Wille, Abteilungsleiter Badminton im BCF Wolfratshausen, in einem offenen Brief zitiert, den neben Wille auch Alfred Barth vom TSV Wolfratshausen, Stefan Meyer vom 1. FC Weidach und Renato Wittstadt vom Schachclub Wolfratshausen und BLSV-Sportkreis unterschrieben haben. "Die Zuschüsse der Stadt für den TSV für die Kinder und Jugendförderung gehen alleine schon für die Mietkosten hier drauf", erklärt Barth darin und fragt: "Sollen die ehrenamtlichen Jugendleiter jetzt zusätzlich zu Ihrer Freizeit auch noch das Geld für die städtischen Hallenmieten spenden?"

Stefan Meyer findet, dass es nicht weniger, sondern mehr an Zuwendungen geben sollte: Vereine haben ihm zufolge einen wichtigen Stellenwert. "Ohne die Feuerwehren, die caritativen Einrichtungen, die Sportvereine und allen anderen würde unsere Gesellschaft nicht mehr funktionieren." Doch seit vielen Jahren nehme das Arbeitspensum der Vereine stetig zu. Gleichzeitig werde es immer schwieriger, ehrenamtlich Tätige zu finden. "Wenn dann noch finanzielle Zuschüsse gestrichen werden, werden kleinere Vereine nicht mehr existieren können", befürchtet er und fordert ein Mehr der Unterstützung.

Sportkreisvorsitzender Wittstadt unterstreicht das mit einigen Zahlen: Allein die 16 im Bayerischen Landessportverband (BLSV) organisierten Wolfratshauser Vereine haben ihm zufolge zusammen 5680 Mitglieder und betreuen 1818 Kinder und Jugendliche. Hinzu kommen noch mindestens sechs Schützenvereine und alle anderen gemeinnützigen Vereine, die nicht im BLSV organisiert sind. "Bürgermeister und Stadtrat sollten nicht hinter verschlossenen Türen über diese große Bürgerbewegung sprechen und verfügen - sondern den Sachverstand unserer ehrenamtlichen Vereinsvorstände nutzen, um gemeinsam zu intelligenten Entscheidungen zu kommen", sagt er. "Unseren gemeinnützigen Vereinen 'Mitnahmeeffekte' zu unterstellen und sie damit in die Kategorie der internationalen Mineralölkonzerne einzureihen, ist völlig daneben", heißt es in dem Brief.

In Einzelfällen kann das städtische Gremium allerdings Ausnahmen vom Verbot der Mehrfachförderung zulassen. Die Voraussetzung: Wenn trotz Inanspruchnahme externer Fördermittel eine Finanzierungslücke verbleibt, die eine besondere Belastung für den Antragsteller darstellt. Dieser Umstand muss im Antrag begründet beziehungsweise nachgewiesen werden. Die vier Unterzeichner des offenen Briefes fordern deshalb von der Stadt Wolfratshausen eine Informationsveranstaltung zu diesem Thema. "Noch besser wäre eine Beteiligung und Mitsprache der Vereinsvertreter bei der Umsetzung dieser Ausnahmeregelung", schließen sie ihren Brief.

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