Der Sozialverband VdK, die Partei Die Linke, der Verein Frauen helfen Frauen, die Friedensinitiative, die Naturfreunde und die Wolfratshauser Initiative Gemeinsam für Demokratie und Vielfalt: Sie alle haben zusammen mit Gewerkschaftsmitgliedern am Vorabend des 1. Mai Solidarität unter Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern demonstriert. In einer Veranstaltung des DGB-Kreisverbands im Foyer der Loisachhalle wurde der Slogan „Mach dich stark mit uns“ unter verschiedenen Aspekten beleuchtet.
DGB-Kreissprecher Raimund Novak sagte in seinem Grußwort, die Ellbogenmentalität in der Arbeitswelt habe zugenommen, die soziale Schere gehe immer weiter auseinander. Nach einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung besäßen die 200 reichsten Familien in Deutschland zusammen 1400 Milliarden Euro; gleichzeitig seien ihnen seit den Neunzigerjahren 35 Prozent ihrer Steuern und Abgaben erlassen worden. Novak erklärte, angesichts des Erstarkens der AfD und des „Heraufziehens einer faschistischen Gefahr“ werde es in den nächsten 20 Jahren zu harten Auseinandersetzungen kommen. Er forderte: „Wir brauchen einen Demokratie-Boost gegen die heraufziehende Oligarchie.“

An konkreten Beispielen aus dem Oberland zeigte Karl Musiol auf, was die Gewerkschaften leisten können und wo es an Unterstützung fehlt. Der Leiter der Geschäftsstelle der IG Metall Weilheim nannte verschiedene Warnstreik-Aktionen, etwa beim Automobilzulieferer Elring-Klinger in Gelting, der sich nicht an den Tarifvertrag gebunden hat, oder beim Dichtungshersteller Eagle-Burgmann, wo kurioserweise der hier ursprünglich einmal geltende Tarif der Textil- und Bekleidungsindustrie angewendet werde. Bei Weber Schraubautomaten sei es der Gewerkschaft gelungen, „eine Streikkultur herzustellen“. Auch Musiol stellte aber fest, der Ton werde rauer und „die Tricks“ der Arbeitgeberseite nähmen zu. Umso mehr betonte er die „unglaubliche Macht von Streiks“.
Die langjährige Verdi-Aktivistin Angelika Dullinger aus Kochel am See moderierte ein Gespräch über die Arbeitswelt. Der Student Quirin Brunner, der vor seinem Studium als Informatiker gearbeitet hat, der Bäcker Sebastian Englich und die Altenpflegerin Elisabeth Osiander erklärten, dass sich die Arbeitsanforderungen enorm verdichtet hätten. Osiander sagte über die Situation in der Pflege: „Nur rödeln und schnell-schnell - das frustriert, und das ist der Grund, warum so viele Leute aufhören.“ Viele wechselten zu Zeitarbeitsfirmen, aber das verbessere die Lage ja nicht: „Das ist der falsche Weg. Man muss sich gemeinsam organisieren“, forderte sie. Auch Brunner sagte auf die Frage Dullingers, was sich ändern müsse, das solidarische Denken müsse zunehmen, gerade in der Informatikbranche sei es nicht sehr verbreitet. Und Englich ergänzte: „Welcher Bäcker streikt denn schon.“

Der Abend wurde musikalisch vom Duo Zeitreise mit Nicoline Pfeiffer und Hans Gärtner begleitet; sie spielten auf den Gitarren und sangen dazu Folksongs und Lieder aus der Demokratie- und Arbeiterbewegung. Drei junge Gewerkschafter - Timo Mairginter, Christopher Licht und Quirin Brunner - gaben einen Sketch über die Wohnungsmisere. Einer schlug ein Zelt auf und erklärte, da er keine bezahlbare Wohnung finde, bleibe ihm nichts anderes übrig. Der Zweite mietete sich aus demselben Grund bei ihm ein. Doch schließlich trat der Dritte als Immobilien-Hai auf, sagte, er habe das Zelt gekauft, und verlangte eine hohe Miete. Den beiden verdutzten Mietern hielt er vor, sie müssten froh sein, dass sie ein Zelt hätten. Anderswo habe er einen zwei Quadratmeter großen Liegeplatz unter einer Brücke vermietet - für 600 Euro.
