Wolfratshausen:Aus eigener Kraft zu großen Sprüngen

Dass Kinder, Jugendliche und Junggebliebene den Skatepark Waldram unbeschwert nutzen können, dafür sorgt die "Roll Active Initiative" - ehrenamtlich und mit besonderen Aktionen.

Von Veronica Bezold

Geschützt mit bunten Helmen und Knieschonern saust ein halbes Dutzend Kinder laut lachend ein letztes Mal vor dem traumhaften Bergpanorama im Skatepark Waldram die Rampen hinunter. Bald werden die Eltern ihre erschöpften Sprösslinge vom Skatekurs abholen. Geleitet hat ihn Maxi Becker. Der junge Mann um die 30 ist Vorsitzender der "Roll Active Initiative", kurz RAI, deren Mitglieder sich um die Instandhaltung der Anlage kümmern - und dies ehrenamtlich und schon seit Jahren. Nun geht ihre Eigeninitiative einen Schritt weiter: Der Boden des Parks muss erneuert werden, weshalb die RAI eine Spendenaktion gestartet hat und innerhalb weniger Wochen das Ziel von 15 000 Euro sogar überschreiten konnte.

2004 musste der alte Skatepark, in dem Becker als Jugendlicher täglich trainiert hatte, einem Discounter weichen. "Wir wollten, dass so etwas nie wieder passiert", sagt der Skater. Deshalb habe er zusammen mit anderen Rollsportlern und mit Unterstützung durch den Kinder- und Jugendförderverein (KJFV) Wolfratshausen eine lose Gruppe gegründet, die sich für einen neuen Skateplatz starkmachte - mit Erfolg. In Kooperation mit der Stadt Geretsried entstand zwei Jahre später der Park in Waldram. Im Jahr darauf wurde aus der Gruppe Jugendlicher offiziell die RAI.

Heute hat die Initiative rund 50 Mitglieder, die den Platz kontinuierlich pflegen. "Der Park ist wirklich super aufgestellt und total sauber - viel besser als andere Skateparks", stellt der 17-jährige Silas fest, der mit seinem Kumpel Nils zum Skaten vorbeigekommen ist. Außerdem veranstaltet die RAI Skate-Contests, macht mit den jungen Skatern Ausflüge an den Gardasee und bietet nun in Kooperation mit dem KJFV auch Kurse an - eine wichtige Aufgaben, denn an einem schönen Sommerwochenende kommen gerne um die 100 Besucher an den Skatepark. "Alle sind im Park willkommen", betont Maxi Becker.

Die Kurse werden allerdings nicht nach Altersstufen unterteilt, sondern nach Können. "Du lernst Skateboardfahren nicht innerhalb von ein paar Stunden, sondern das dauert Jahre", erklärt Becker. "Jeder entwickelt seine Fähigkeiten unterschiedlich schnell." Zurzeit gebe es einen regelrechten Run auf Skatekurse und er weiß von einigen, für die 50 Euro und mehr pro Stunde verlangt werden. "Viele Eltern können sich das aber nicht leisten und dann hören ihre Kinder vielleicht einfach auf zu skaten. Das wollen wir auf jeden Fall vermeiden", kritisiert der Vorsitzende der Initiative. Für ihre Kurse in Waldram berechnen die Skater deshalb nur eine Teilnahmegebühr von fünf Euro - mehr nicht. Ausrüstung stellen sie zur Verfügung, nur der obligatorische Helm muss selbst mitgebracht werden.

Unterstützt wird die Initiative weiterhin vom KJFV und der Stadt Wolfratshausen. "Man hat hier immer ein offenes Ohr für uns, weil unsere Arbeit mit den Jugendlichen sehr geschätzt wird", sagt Becker. Trotzdem habe sich die "Roll Active Initiative" bei ihrem neuesten Projekt für eine eigene Spendenaktion entschieden. Der raue Boden des Skateparks mache schon seit Jahren Probleme. Die Lösung wäre es, den Boden abzuschleifen - ein kostspieliges Vorhaben. Doch innerhalb weniger Wochen war das Spendenziel von 15 000 Euro erreicht und sogar überschritten, sodass die Arbeiten schon bald beginnen können. "Es haben viele Privatleute, Vereine und Unternehmen gespendet. Die ersten 1000 Euro kamen jedoch fast ausschließlich von den Kids, die ihre übrigen fünf oder zehn Euro in ihren Skatepark stecken wollten. Das war wirklich rührend", erzählt Becker.

Er liebt die ehrenamtliche Arbeit mit den Jugendlichen: "Man sieht jeden Tag, was für tolle Entwicklungen sie auf ihren Skateboards machen. Das macht mich jedes Mal stolz." Er freut sich darauf, endlich all die aufgrund von Corona abgesagten Ausflüge und Contests nachholen zu können. Im Skatepark hätten viele der Skater ein zweites Zuhause gefunden. So auch der zehnjährige Ben und der elf Jahre alte Niklas: "Wir sind fast jeden Tag hier", sagt Ben. Sie treffen sich zum Skateboardfahren oder einfach nur zum Abhängen. "Dabei ist es ganz egal, woher man kommt", so Maxi Becker.

© SZ vom 24.08.2021/kml
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB