bedeckt München 25°

Wolfratshausen:"Sehr moderates Wachstum"

Präzisionsdichtungshersteller Eagle Burgmann legt seinen Geschäftsbericht mit einem Umsatz-Plus von knapp einem Prozent vor. Die Fertigung ist jetzt komplett in Eurasburg angesiedelt

Dass das Wolfratshauser Dichtungshersteller Eagle Burgmann weltweit Geschäfte macht, wird schon deutlich, wenn Irmgard Listl von den Talenten "aus Brasilien, China, Middle East" oder den Führungskräften aus "den Amerikas" spricht. Listl leitet bei Burgmann den Bereich "Personalentwicklung und Recht" und zeigt sich stolz auf die "Eagle Burgmann Academy", die das Unternehmen 2014 eingeführt hat, um alle Aus- und Fortbildungen zu bündeln und die mehr als 6000 Mitarbeiter weltweit voneinander lernen zu lassen. Rein wirtschaftlich war 2014 bei Burgmann von einem "sehr moderaten Wachstum" geprägt, wie Geschäftsführer Stefan Sacré am Montag bei der Vorstellung seines Geschäftsberichts resümierte.

Gerade hat Burgmann die letzten Arbeitsplätze in der Fertigung nach Eurasburg verlegt, wo mit einem Neubau die Produktionsfläche verdoppelt wurde.

(Foto: Hartmut Pöstges)

In Zahlen bedeutet das im Vergleich zu 2013 ein Umsatz-Plus von einem knappen Prozent auf 765,8 Millionen Euro. 86 Prozent des Umsatzes hat Burgmann 2014 im Ausland gemacht, denn seine Gleitringdichtungen sind in der Chemie- und vor allem in der in der Öl- und Gasindustrie, also auf Plattformen, in Raffinerien und für Pipelines gefragt. Daher hat dem Unternehmen 2014 auch der Mitte des Jahres stark gefallene Ölpreis zu schaffen gemacht, der viele große Kunden vor schon geplanten Investitionen zurückschrecken ließ. Auch Schwankungen im Wechselkurs etwa des Yen und der indischen Rupie kamen Burgmann laut Sacré nicht gelegen. Die Sanktionen gegen Russland wegen der Ukraine-Krise spüre das Unternehmen ebenfalls, denn sie zielten gerade auf den Energie-Sektor. Allerdings mache das Russland-Geschäft bei Burgmann nur rund ein Prozent des Gesamtumsatzes aus.

Dicht am Produkt: Fertigungsleiter Alois Seigner, Personalentwicklerin Irmgard Listl, Sprecherin Ellen Klier und Geschäftsführer Stefan Sacré (v. li.)

(Foto: Hartmut Pöstges)

Dass am Ende trotzdem ein Umsatz-Plus stand, lag laut Sacré an Aufträgen aus Europa, wo etwa Großbritannien und Norwegen neue Ölfelder in der Nordsee erschließen wollten, aus dem nahen Osten und aus Südamerika, wobei aber die staatlichen Ölunternehmen in Brasilien, Mexiko oder Venezuela 2015 in Schwierigkeiten geraten seien. In den USA hat Burgmann 2014 einen Sechs-Millionen-Auftrag ergattert, in Vietnam stemmt das Unternehmen beim Neubau einer Raffinerie sogar den größten Auftrag der Firmengeschichte mit mehr als 1000 einzelnen Dichtungen, die bei Burgmann keine einfachen Gummiringe sind, sondern hoch präzise gefertigte Konstrukte, die zum größten Teil aus Stahl bestehen, sich mit angeschlossenen Leitungen drehen können und auch bei hoher Rotationsgeschwindigkeit dicht halten.

Gefertigt wird international, doch die Standards dafür setzt das Werk in Eurasburg, wohin vor zwei Wochen mit den letzte Werkzeugschleifern nun die gesamte Fertigung umgezogen ist, so dass in Wolfratshausen nur noch verwaltet und entwickelt wird. An dem Doppelstandort arbeiten 1500 Mitarbeiter. In den 2008 krisenbedingt unterbrochenen Neubau der zweiten Fertigungshalle in Eurasburg hat Burgmann rund 40 Millionen Euro gesteckt. Dort steht auch die 650 Quadratmeter große Lehrwerkstatt. Derzeit bildet Burgmann 65 junge Menschen aus. Seit vor genau 50 Jahren die beiden ersten Lehrlinge eingestellt wurden, hat Burgmann nach Angaben von Produktionsleiter Alois Seigner 550 Industriemechaniker und technische Produktdesigner sowie 200 Industriekaufleute ausgebildet. Zuletzt habe man alle Azubis mindestens befristet übernommen, die Bewerberlage sei weiterhin gut.

© SZ vom 13.05.2015

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite