Es ist eine umfangreiche Lösung, die der Wolfratshauser Stadtrat im Zuge der Corona-Schutzmaßnahmen für die Schulen in Waldram und Weidach beschlossen hat: Statt Luftfilter zu beschaffen, entschied der Bauausschuss im September vorigen Jahres, alle Klassenzimmer dort mit dezentralen Lüftungsanlagen auszustatten. Nach Rücksprache mit den Rektoren und aufgrund einer Stellungnahme des bayerischen Städte- und Gemeindetags war das Gremium der Überzeugung, dass diese aufwendigere Maßnahme die bessere sei. Die Projektkosten wurden auf insgesamt 1,4 Millionen Euro geschätzt; weil die Umrüstung vom Staat mit bis zu 80 Prozent und maximal 500 000 Euro pro Objekt gefördert wird, kam man auf einen Eigenanteil von etwa 700 000 Euro.
Ernüchternd fiel allerdings die Ausschreibung aus. Nachdem sich auf eine Vorabfrage kein einziges Ingenieurbüro gemeldet hatte, wurden laut Verwaltung bei drei "als zuverlässig und gut bekannten" Büros Angebote eingefordert. Zwei sagten wegen mangelnder Kapazitäten ab, nur vom Ingenieurbüro Stefan Kinze GmbH aus Grafing kam ein Vorschlag. Dessen Planungskosten von rund 222 000 Euro brutto liegen allerdings deutlich über dem Ansatz von 124 000 Euro, auch die Gesamtkosten dürften die Schätzung überschreiten. Die Stadträte im Bauausschuss haben am Mittwoch dennoch entschieden, den Auftrag zu erteilen. Zuvor aber hatte das Gremium lange mit sich gerungen. Denn unklar ist nicht nur die Entwicklung der pandemischen Lage, sondern auch der Zeitraum, in dem die Lüftungsanlagen eingebaut werden können.
Zweiter Bürgermeister Günther Eibl (CSU) gab zu bedenken, dass der Beschluss für die Lüftungen "überwiegend der Pandemie geschuldet war". Sollte sich die Infektionslage entspannen und sich der Einbau wegen Lieferengpässen oder anderen Gründen in die Länge ziehen, "geben wir 1,7 Millionen aus und nachher können wir's nicht verwenden", warnte Eibl angesichts der angespannten Haushaltslage der Stadt. Wann der Einbau erfolgt, konnte auch Thomas Wenig, der in der Verwaltung für die Maßnahme zuständig ist, nicht beantworten. "Wir haben im Moment überhaupt keinen blassen Schimmer, wie es mit der Liefersituation ausschaut", sagte er. Angedacht sei, noch in diesem Jahr in den Ferienzeiten mehrere Klassenzimmer umzurüsten, im Schulbetrieb könne das nur schrittweise erfolgen. Bis alle Räume eine Lüftung hätten, könnten aber schon eineinhalb Jahre vergehen.
Die Grünen sprachen sich trotz der Unwägbarkeiten für die dezentralen Lüftungsanlagen aus. Diese dienten schließlich auch der Sauerstoffversorgung und CO2-Reduzierung, sagte Rudi Seibt. "Sie verbessern die Luft im Klassenzimmer und damit die Lernsituation." Fachleute gingen zudem davon aus, "dass dies nicht die letzte Pandemie ist, die wir erleben werden", sagte sein Fraktionskollege Hans Schmidt. "Deswegen denke ich, dass das eine gute Investition ist." Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) gab zu bedenken, dass auch für die Grund- und Mittelschule am Hammerschmiedweg im Zuge der geplanten Generalsanierung dezentrale Lüftungsanlagen vorgesehen seien. Die Lage dürfe an den anderen Schulen nicht schlechter sein, er wolle "keine Zwei-Klassen-Gesellschaft aufbauen". Trotz "berechtigter Bedenken", wie Heilinglechner sagte, hielt das Gremium schließlich einstimmig an den Plänen fest.
