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Wolfratshausen:Piraten entdecken Lücken im Netz

Tobias McFadden erklärt bei den Piraten in Wolfratshausen den Freifunk, wie er in Gauting bereits läuft.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Freifunk-Hotspots breiten sich fast überall aus - aber nicht in Wolfratshausen. Ein Gast aus Gauting erklärt, wie's gehen könnte

Von Thekla Krausseneck, Wolfratshausen

Wer im Wolfratshauser Untermarkt nach W-Lan-Netzen sucht, dem tun sich auf einen Schlag bis zu sechs Hotspots auf. Nützlich - wenn man ihre Passwörter kennt. Freies W-Lan hingegen: Fehlanzeige. Die Freifunk-Initiative will diesen Zustand ändern. Wie, darüber hat der Gautinger Piraten-Stadtrat Tobias McFadden am Freitag im Gasthaus Flößerei informiert.

Viel musste er gar nicht mehr sagen, nachdem er den Werbespot der Freifunker abgespielt hatte, der auf YouTube unter dem Suchbegriff "Freifunk verbindet" zu finden ist. Das Video erklärt alles, was man wissen muss, um mitreden zu können: was Freifunker wollen und wie die ganze Sache funktioniert. "Wir bauen gemeinsam ein freies und selbstverwaltetes Funknetzwerk, das von niemandem einfach abgeschaltet werden kann", heißt es in dem Video. Die Router liefen mit einer "freien Software" und verbänden sich "von Fensterbrett zu Fensterbrett". Das Ergebnis: ein dezentrales Maschennetzwerk, gewoben aus vielen kleinen Funkverbindungen. Sollte jemand diesen freien Internetzugang für illegale Aktivitäten nutzen, so sei dies ungefährlich für denjenigen, der einen dieser Funkknoten beisteuere: Die Daten nämlich würden durch einen Tunnel umgeleitet, so dass man sich "um die dumme Störerhaftung keine Gedanken machen muss".

Wegen der Störerhaftung sei die Freifunk-Idee allgemein nur schleppend ins Laufen gekommen. "Viele hatten Angst, abgemahnt zu werden." Das sei jetzt hinfällig. Im Zweifelsfall sei für Kläger die Freifunk-Initiative der Ansprechpartner. Wer also mitmachen wolle, brauche nur einen Router und, wenn er nicht ein fertig konfiguriertes Gerät von der Initiative bekommen, sondern ein eigenes nutzen wolle, möglichst technisches Verständnis.

Viele waren zum Bedauern der Piraten nicht gekommen. Doch unter den sieben Besuchern waren solche, die sich tatsächlich interessierten - wenn auch nicht ausschließlich wohlwollend. Grünen-Stadtrat Hans Schmidt meldete Zweifel an: Immerhin sei Strahlung nach Erkenntnissen der Weltgesundheitsorganisation schädlich; die NSA lege durch das Internet Profile von Nutzern an; und die Internetsucht sei weit verbreitet, Kinder- und Jugendliche würden geradezu "angefixt". McFadden versuchte dies zu entkräften: Ein Router sei strahlungsärmer als ein Handy, die NSA könne sich mit mehr oder weniger Aufwand in jedes Netz hacken und würde beim Freifunk ohnehin nur anonymisierte Daten bekommen - und was die Kinder angehe: "Müssen die in dem Alter schon ein modernes Handy haben?"

In Gauting im Landkreis Starnberg sowie in München und im Rest der Bundesrepublik breitet sich das Freifunk-Netz immer weiter aus, wie McFadden an einer interaktiven Karte zeigte. In Gauting gibt es derzeit rund 30 Router. Gerade für Gewerbetreibende wie Besitzer von Cafés sei der Freifunk "eine tolle Sache": Für kommerzielles W-Lan müssten sie zunächst einen teuren Router kaufen, "um die 100 Euro", und dann noch monatlich Miete entrichten. Der Freifunk-Router hingegen koste fertig konfiguriert von der Initiative 20 Euro.

www.freifunk-muenchen.de

© SZ vom 30.03.2015
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