Ruhender Verkehr:Park and Fight

Ruhender Verkehr: Autos gibt es in Wolfratshausen viele. Ein Parkhaus indes noch nicht. Am Paradiesweg (Bild) wurde kürzlich eines per Gerichtsurteil verhindert.

Autos gibt es in Wolfratshausen viele. Ein Parkhaus indes noch nicht. Am Paradiesweg (Bild) wurde kürzlich eines per Gerichtsurteil verhindert.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Die Frage nach einem Parkhaus in der Wolfratshauser Innenstadt ist uralt, aber noch immer ungelöst und wieder brandaktuell. Nun will die CSU mal wieder einen neuen Standort vorschlagen.

Von Konstantin Kaip, Wolfratshausen

Die Diskussion um ein Parkhaus in der Nähe der Innenstadt in Wolfratshausen ist schon sehr alt. So alt, dass es wohl inzwischen recht wenig gibt, das nicht schon vorgeschlagen, geplant und wieder verworfen wurde. Nun liegt seit Anfang des Monats ein neuer Vorschlag auf dem Tisch, der eine doppelstöckige Tiefgarage mit einem oberirdischen Parkgeschoss am Hatzplatz vorsieht. Der Verein Lebendige Altstadt Wolfratshausen (LAW), von dem die Anregung kam, sieht darin eine Möglichkeit, die Parkplatzprobleme an der sensiblen Stelle "altstadtverträglich" zu lösen, ohne die Anwohner auf die Barrikaden zu bringen.

Im Stadtrat wurde die Variante, deren Mehrkosten sich laut LAW durch Förderungen zumindest teilweise auffangen ließen, noch nicht öffentlich diskutiert. Kritik gab es dafür vor allem aus den Reihen der CSU, weil der Verein die Politik vorher nicht einbezogen habe. Nun will der Wolfratshauser Ortsverband selbst einen Vorstoß machen: mit einem anderen Standort für ein Parkhaus, wie deren Vorsitzende Claudia Drexl-Weile verrät. Näheres werde jedoch erst am Freitag, 15. September, erklärt, wenn sich die Wolfratshauser CSU in ihrer Veranstaltungsreihe "Red' mit" des Themas Parksituation in Wolfratshausen annimmt (Gasthof zum Löwenbräu, 19 Uhr).

Ruhender Verkehr: Die CSU will laut Sprecherin Claudia Drexl-Weile kein großes Parkhaus am Hatzplatz mehr.

Die CSU will laut Sprecherin Claudia Drexl-Weile kein großes Parkhaus am Hatzplatz mehr.

(Foto: Hartmut Pöstges)

"Wir sind eher dafür, das Filetstück am Hatzplatz nicht für ein großes Parkhaus zu nutzen", sagt Drexl-Weile, die auch Sprecherin der Stadtratsfraktion ist, für die CSU. Das Thema müsse nun aber so schnell wie möglich angegangen werden. Schließlich fielen zahlreiche Parkplätze in der Stadt weg, etwa der Lehrerparkplatz an der Sauerlacher Straße während der Bauarbeiten an der Grund- und Mittelschule, sowie mittelfristig auch die Stellplätze in der Marktstraße, die ja umgestaltet wird. Hinzu kommt, dass der Park&Ride-Platz am Bahnhof nun gebührenpflichtig ist. Auch Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) erklärt, dass er das Thema Parken in der Stadt nun wieder angehen wolle - zunächst allerdings nicht öffentlich mit den Fraktionssprechern, um gemeinsame Standpunkte auszuloten, wie er sagt.

Wie leidig ein Wiederaufrollen der Frage für viele ist, konnte man im Frühling im Stadtrat beobachten, als das Ingenieurbüro Drees & Sommer seine Ergebnisse einer achtmonatigen Untersuchung zum Parkraumkonzept in der Stadt vorstellte. Die Stellplätze, die derzeit auf 31 "Parkräume" in der Innenstadt verteilt sind, sollten zentralisiert werden, lautete die Empfehlung - und zwar am besten mit einem Parkhaus am Hatzplatz. Für ein solches gab es ja bereits einen Beschluss und auch einen Investor. Als der seine Pläne vorgelegt hatte, war man jedoch nicht nur in der Anwohnerschaft, sondern auch im Stadtrat über die Massivität des Parkhauses gewaltig erschrocken und hatte den Vertrag mit ihm 2020 gekündigt. Die Ingenieure, die jedoch keinen Planungsauftrag hatten, favorisierten im April einen sieben Meter hohen Bau mit 120 Stellplätzen und Photovoltaikanlage auf begrüntem Flachdach. Der Vorschlag wurde im Stadtrat eher verhalten aufgenommen, auch weil die zusätzlichen Stellplätze - der Hatzplatz verfügt bereits jetzt über 70 ebenerdige - überschaubar seien. Und der LAW ist der Entwurf trotz abgestufter Holzfassade zu massiv für den Platz an der Loisach, der das Entree zur Altstadt markiert.

Ein Parkhaus am Paradiesweg wurde per Gerichtsurteil vereitelt

Brisanz bekommt die Frage auch, weil das vom Stadtrat mit großer Mehrheit geplante Parkhaus am Paradiesweg gestorben ist - zumindest vorerst. Das Verwaltungsgericht hatte im Herbst vergangenen Jahres drei Anwohnern recht gegeben, die gegen die Baugenehmigung geklagt hatten. Diese sei "rechtswidrig und verletzt die Kläger in ihren Rechten", heißt es in der nun vorliegenden Urteilsbegründung. Diesen wird Recht gegeben, dass weder eine Beeinträchtigung der Nachbarn durch Lärmemissionen zweifelsfrei ausgeschlossen werden könne, noch die Widersprüche über den Zweck des Parkhauses ausgeräumt werden könnten. Dieses war im Lärmgutachten und bei der Verhandlung auch von Rathausvertretern als öffentliche Garage zur Entlastung der Altstadt deklariert, in der Baugenehmigung des Landratsamts aber als Quartiersgarage zur Deckung des Bedarfs im angrenzenden Wohngebiet bezeichnet worden. "Diese Unklarheiten gehen zulasten der Behörde", heißt es in der Urteilsbegründung.

Wie es mit dem Projekt für 107 Stellplätze, für das bereits eine hohe Förderung in Aussicht gestellt war, weitergeht, ist mehr als fraglich. Das Ingenieurbüro Drees & Sommer jedenfalls attestierte dem Parkhaus am Paradiesweg wegen seiner Entfernung zum Zentrum kaum Potenzial, um den Suchverkehr in der Innenstadt signifikant zu reduzieren. Angefochten wurde das Urteil seitens des Landratsamts denn auch nicht, die Frist ist längst abgelaufen. "Letztlich liegt das weitere Vorgehen in der Sphäre der Stadt Wolfratshausen", teilt das Kreisbauamt dazu auf Anfrage mit. "Grundsätzlich kann ein neuer Bauantrag gestellt oder das Vorhaben im Rahmen einer Bauleitplanung aufgegriffen werden."

Auch diese Frage wird laut Bürgermeister Heilinglechner Thema der kommenden Gesprächsrunden mit den Stadträten, die irgendwann wieder in eine öffentliche Debatte im Sitzungssaal münden. Ob es dabei dann auch über einen neuen, von der CSU kolportierten Standort geht, wird man sehen. In der Theorie sind Parkhäuser jedenfalls schon fast überall in der Wolfratshauser Innenstadt entstanden. Etwa auf dem Gelände des Sparkassen-Parkplatzes, vor der Loisachhalle und sogar über dem Fluss: als massive geschlossene Park-Brücke, die der ehemalige Stadtrat Alfred Fraas mal ins Gespräch brachte. Man darf also gespannt sein.

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