Die Debatte über mehr Parkplätze in der Altstadt von Wolfratshausen hat sich über viele Jahre hingezogen. Nun aber könnte sie abgeschlossen sein: Auf dem Hatzplatz am westlichen Loisachufer soll die Rathausverwaltung ein Parkdeck auf zwei Ebenen und mit Platz für 112 Fahrzeuge planen. Für diese Lösung votierte der Stadtrat in der letzten Sitzung vor der Kommunalwahl mit 16 zu neun Stimmen. Zwei andere Varianten auf drei Ebenen mit oder ohne Dach und 144 Stellplätzen fanden keine Mehrheit.
Seit Mitte der 1970er-Jahre beschäftigte sich die Wolfratshauser Kommunalpolitik mit wechselnden Ideen zur Parkraumerweiterung. Weder Gutachten, Machbarkeitsstudien noch Sondersitzungen des Stadtrats führten jedoch zu einer Lösung. Der Hatzplatz stand schließlich als Standort fest. Ein Erbpachtvertrag mit einem Investor kam vor Jahren nicht zustande, weil das zehn Meter hoch geplante Parkhaus dem Gremium deutlich zu massiv war.
An diese jahrzehntelange Diskussion erinnerte Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) in der Sitzung und sprach von der „historischen Chance“, aus Plänen endlich Realität machen zu können. Dies sei der Moment, in dem das Gremium Klarheit schaffen und ein Signal der Handlungsfähigkeit setzen könne, sagte er.
Das Parkdeck soll ein zentraler Baustein zur Aufwertung der Wolfratshauser Innenstadt sein. Denn wenn die Rathausverwaltung die Pläne für mehr Aufenthaltsqualität in der Marktstraße und zur Umgestaltung des westlichen Loisachufers umsetzt, fallen dort viele Stellplätze für Autos weg. Den Verlust soll der Bau des Parkhauses am Hatzplatz kompensieren.
SPD-Mitglied Gärtner hat die kleinere Parkdeck-Variante entworfen
SPD-Mitglied Hans Gärtner hatte die kleinere Parkdeck-Version unter Assistenz seines Parteikollegen im Stadtrat, Manfred Menke, ursprünglich entworfen. Das Gremium hatte den Entwurf bereits Ende 2024 grundsätzlich gebilligt. Nachdem das Planungsbüro Scherr+Klimke alle Varianten nochmals überprüft hatte, entzündeten sich jedoch neue Diskussionen.
Denn beim Gärtner-Entwurf ist der Bau 1,50 Meter im Untergrund versenkt. Wie Ingenieur Veit Grün erklärte, könnte dies den Einbau von Ankern erforderlich machen, um einen Auftrieb bei ansteigendem Grundwasser zu verhindern. Das ist kostenintensiv. Das Fundament nur 70 Zentimeter unterhalb der Geländeoberfläche zu planen, ist laut dem Ingenieur auch keine Ideallösung. Denn dann müsse die Zufahrtsrampe bis zu 15 Grad steil werden. Wenn es deshalb zu Unfällen komme, laufe die Stadt Gefahr, verklagt zu werden. Aus Sicherheitsgründen sei es erforderlich, die Rampe bei Eis und Schnee im Winter zu beheizen, sagte Grün. Die Variante, die der Stadtrat nun beschlossen hat, könnte, heruntergerechnet auf die Kosten pro geschaffenem Stellplatz, die teuerste werden.

Für die Alternative eines größeren Parkhauses mit Dach sprach sich Ulrike Krischke aus, die Fraktionssprecherin der Bürgervereinigung Wolfratshausen. Der Gärtner-Entwurf schaffe nicht ausreichend Stellplätze, um den Parkraum kompensieren zu können, der durch die Aufwertung der Innenstadt wegfalle, so die Stadträtin. Am Hatzplatz werde auch mit einer kleineren Variante kein grüner Park entstehen. „Es geht darum, das Bestmögliche zu erreichen.“
Für Patrick Lechner, Stadtrat und Bürgermeisterkandidat der FDP, kommt jedoch nur ein möglichst schlichtes Parkdeck infrage, wenn das Herz von Wolfratshausen aufgewertet werden soll, wie er sagte. Dafür müssten seiner Ansicht nach nicht alle Parkplätze, die wegfielen, kompensiert werden. Er rechne damit, dass es in zehn bis 15 Jahren selbstfahrende Autos gebe. Dann seien so viele Parkplätze nicht mehr nötig. Außerdem gehe es auch darum, den öffentlichen Personennahverkehr auszubauen und mehr Menschen zum Radfahren zu bewegen. Auch deshalb brauche es weniger Parkraum.

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Aus Sicht von Manfred Fleischer, Bürgermeisterkandidat der Wolfratshauser Liste, ist die kleinere Gärtner-Variante die gefälligere für das Stadtbild. Ihm reiche es aus, wenn die Stellplätze, die anderswo wegfielen, ersetzt würden, erklärte er. Es brauche nicht noch mehr.
Bürgermeister Heilinglechner stimmte zweimal für die größere Parkhaus-Variante mit und ohne Dach, wurde aber überstimmt. Die städtische Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft (Stäwo), eine Tochter der Kommune, soll den Bau des Parkdecks am Hatzplatz umsetzen. Eine Kostenberechnung wird erstellt und dem Stadtrat präsentiert.

