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Wolfratshausen:Neue Rätsel um Golfplatz

Die Stadt Wolfratshausen sieht in einem Grundbucheintrag ein faktisches Verbot von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln am Bergkramer Hof. Landrat Niedermaier spricht vom "Aus" für die Anlage

Der Umgang mit Düngern und Pflanzenschutzmitteln am Golfplatz Bergkramerhof und damit auch im Wolfratshauser Wasserschutzgebiet gibt neue Rätsel auf. So ist im Grundbuch schon seit dem Jahr 1993 eine "Düngemittel- und Düngemittelmengenbeschränkung" für den damals gerade entstehenden Golfplatz eingetragen, die nach Angaben der Stadt Wolfratshausen einem faktischen Verbot aller Dünger und Pflanzenschutzmittel gleichkommt. Diese Grunddienstbarkeit bedeutet nach den Worten von Landrat Josef Niedermaier (FW) "eigentlich das Aus für den Golfplatz".

Platz-Betreiber Josef Hingerl sieht die Sache anders. Er will von der Grundbuch-Klausel erst im April erfahren haben und verweist auf Grundeigentümer Helmut Danhuber. Dieser hatte die "persönlich beschränkte Dienstbarkeit" im Zuge der Golfplatz-Genehmigung vor mehr als 20 Jahren eintragen lassen - und zwar zu Gunsten der Stadt. Nur sie kann die Einhaltung des Spritzverbots durchsetzen, und das auch nur gegenüber Danhuber. Dennoch hat sie dessen Pächter Hingerl im Frühjahr in einem Schreiben auf die Klausel hingewiesen, nachdem dieser vor dem Verwaltungsgericht München eine Klage gegen das Landratsamt eingereicht hatte. Mit dieser Klage wollte Hingerl eine Ausnahmegenehmigung für den Einsatz bestimmter Substanzen erstreiten, den ihm die Behörden verweigert hatte, nachdem im Wasserschutzgebiet spätestens seit Anfang 2013 wiederholt mit Fäkalkeimen und Pflanzenschutzmitteln belastete Proben gezogen worden waren. Inzwischen hat Hingerl angekündigt, diese Klage zurückzuziehen. Stattdessen steht nun die Möglichkeit eines Zivilprozesses im Raum, mit dem Hingerl versuchen könnte, sich an Danhuber oder womöglich an der Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen schadlos zu halten, die nach der Insolvenz der ersten Betreibergesellschaft die Golfanlage zwischenzeitlich selbst übernehmen musste.

Ein Golfrasen muss intensiv gepflegt werden: Ohne den Einsatz von Pestiziden breitet sich der Löwenzahn leicht aus.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Hingerl hat nach der Hiobsbotschaft vom April nach eigenen Angaben inzwischen seine Zuversicht wiedergefunden und glaubt, die Anlage weiter betreiben zu können, obwohl das ohne Dünger und Pflanzenschutzmittel zunächst fast unmöglich scheine. Die Dienstbarkeit aus dem Grundbuch erstreckt sich auf nahezu den gesamten Platz und nicht nur auf den Teil, der in zwei unterschiedlich streng geschützten Zonen des Wasserschutzgebiets liegt, seit dieses 2008 erweitert wurde.

Die Frage, warum der Jurist und Insolvenzverwalter Hingerl und auch das spätestens seit Anfang 2013 sehr intensiv mit dem Wasserschutz am Bergkramerhof befasste Landratsamt erst vor wenigen Monaten von dem Grundbucheintrag erfahren haben, konnte am Donnerstag keiner der Beteiligten beantworten. Der Eintrag sei eine privatrechtliche Vereinbarung, von der man zwar sehr gern gewusst hätte, aber rein rechtlich nicht zwingend habe wissen müssen, heißt es dazu aus dem Landratsamt. Dabei gehören Grundbucheinträge mit Naturschutzauflagen etwa zum Einsatz von Düngern und Pestiziden, zu bestimmten Mäh-Zyklen oder zu garantierten Brachflächen praktisch zum landesweiten Standard bei jeder Golfplatz-Genehmigung. Üblicherweise werden diese Dienstbarkeiten aber nicht zu Gunsten einzelner Gemeinden wie der Stadt Wolfratshausen eingetragen, sondern zu Gunsten der Landratsämter, an denen die Unteren Naturschutzbehörden angesiedelt sind. Im aktuellen Fall ist der Eintrag im Grundbuchamt des Wolfratshauser Amtsgerichts öffentlich einsehbar, nicht jedoch die zugehörige Liste mit den Details, die nach Angaben der Stadt als Negativ-Liste den Einsatz genau bestimmter Substanzen am Bergkramerhof ausschließt, dabei aber den Effekt eines Total-Verbots habe. Gespritzt werde am Bergkramerhof derzeit überhaupt nichts, sagt Hingerl. Der Löwenzahn, der allen Greenkeepern als eine Art natürlicher Feind gilt, breite sich aus.

© SZ vom 08.08.2014

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