KulturförderungChina finanziert Wolfratshauser Projektorchester

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Die chinesische Pianistin Jingyi Zou ist mit der Neuen Philharmonie München bereits in Shenzhen aufgetreten. Das Foto entstand im Januar bei einer Probe. Nun kommt sie nach Wolfratshausen und München.
Die chinesische Pianistin Jingyi Zou ist mit der Neuen Philharmonie München bereits in Shenzhen aufgetreten. Das Foto entstand im Januar bei einer Probe. Nun kommt sie nach Wolfratshausen und München. (Foto: Privat/oh)

Überraschenderweise wird es in der Loisachhalle und im Münchner Herkulessaal weitere Jubiläumskonzerte der Musikwerkstatt Jugend geben. Das Geld dafür stellt einmal mehr die Volksrepublik zur Verfügung – und die Solistin ebenfalls.

Von Stephanie Schwaderer, Wolfratshausen

Mit der packenden Aufführung von Mahlers zweiter Sinfonie im März sollte das Jubiläumsjahr der Musikwerkstatt Jugend und ihrer Orchester eigentlich abgeschlossen sein. Doch nun steht überraschend ein weiteres Jubiläumskonzert mit der „Neuen Philharmonie München“ auf dem Programm. Am Sonntag, 28. September, präsentiert sich die Solistin Jingyi Zou mit dem ersten Klavierkonzert von Ludwig van Beethoven in der Loisachhalle Wolfratshausen und tags darauf im Münchner Herkulessaal. Zudem erklingen Werke von Prokofieff (Symphonie Classique) und Brahms (vierte Sinfonie). Möglich macht das einmal mehr eine Finanzspritze aus China.

Um wie viel Geld es geht, möchte Franz Deutsch, Leiter der Musikwerkstatt Jugend mit Sitz in Wolfratshausen, nicht öffentlich sagen. Zugleich macht er keinen Hehl daraus, dass ohne die Unterstützung aus China das Jubiläumsprogramm einige Nummern kleiner hätte ausfallen müssen. Zum Jahreswechsel war die Neue Philharmonie zu ihrer dritten Asien-Tournee nach Shenzhen geflogen. Gastgeber waren eine chinesische Veranstaltungsfirma und das staatliche Institut für Kulturaustausch. „Die Gage hat uns das Jubiläumskonzert mit Mahler ermöglicht“, sagt Deutsch. Mit öffentlichen Mitteln wären die nötigen 120 000 Euro nie zusammengekommen.

Für die Geldgeber aus Fernost dürfte die Zusammenarbeit mit dem international besetzten Projektorchester, das es in den vergangenen Jahren zu großem Ansehen gebracht hat, vor allem gut fürs Image sein. Sie haben Deutsch bereits eine weitere China-Reise in eineinhalb Jahren in Aussicht gestellt. Vorab jedoch, das haben sie ihn über einen Musikagenten wissen lassen, würden sie gerne die chinesische Pianistin Jingyi Zou bei einem Konzert in Bayern sehen. Zou war in Shenzen mit der Neuen Philharmonie München als Solistin bei Edvard Griegs Klavierkonzert aufgetreten.

Seine Anfragen bei den Münchner Symphonikern und dem Münchener Kammerorchester seien abschlägig beschieden worden, sagt Deutsch. „Zu kurzfristig.“ Da sei wie „ein Wink des Himmels“ ein Anruf der Kolibri-Stiftung aus München gekommen. Die Stiftung, die sich für Geflüchtete und interkulturellen Austausch einsetzt, veranstaltet seit Jahren zusammen mit der Musikwerkstatt Jugend die Konzerte des Orchesters im Münchner Herkulessaal. Kolibri habe Interesse an einem Programm mit Jingyi Zou bekundet. „Das hat uns ermutigt, das Konzert nun selbst aus dem Boden zu stampfen.“ Die finanzielle Unterstützung aus China sei so hoch, „dass wir es riskieren“.

Franz Deutsch sieht in der Kooperation mit China derzeit nur Vorteile.
Franz Deutsch sieht in der Kooperation mit China derzeit nur Vorteile. (Foto: Hartmut Pöstges)

Im Vergleich zum Mahler-Projekt fällt das Herbstkonzert bescheidener aus. Statt 200 Mitwirkenden werden es 50 sein. Die Leitung wird wieder Chefdirigent Fuad Ibrahimov übernehmen. „Das war der Wunsch aus China“, sagt Deutsch.

„Das ist so weit alles proper“, heißt es zu der Kooperation

Hat er keine Angst, in Abhängigkeit eines Landes zu geraten, in dem die Menschenrechte eingeschränkt oder außer Kraft gesetzt werden – durch Folter und Todesstrafe, Umerziehungslager, die Beschneidung der Meinungsfreiheit und Internetzensur oder die Unterdrückung ethnischer Minderheiten? „Meine persönlichen Triebfedern sind Völker verbindende Aspekte“, sagt Deutsch. Dieser Gedanke trage das gesamte Orchester. In ihm spielten junge Musikerinnen und Musiker aus aller Welt Seite an Seite, auch aus Taiwan, Südkorea oder China. „Es geht darum, Brücken zu bauen.“

Fuad Ibrahimov leitet auch das Jubilämuskonzert im September.
Fuad Ibrahimov leitet auch das Jubilämuskonzert im September. (Foto: Harry Wolfsbauer)

Bei den bisherigen drei China-Reisen habe „Politik keine Rolle gespielt“.  Die Vorstandsmitglieder der Musikwerkstatt hätten darüber diskutiert und seien sich einig: „Das ist so weit alles proper.“ Natürlich könne man fragen, warum man nicht etwa mit Italien oder Frankreich kooperiere. Die Antwort sei ganz einfach: „Auch dort fehlt überall das Geld.“

Die Stiftung Kolibri erklärt auf Anfrage, dass die Organisation des Benefizkonzerts wie immer in der Verantwortung der Musikwerkstatt Jugend liege. Seit vielen Jahren gebe es mit ihr einen vertrauensvollen und konstruktiven Austausch. „Die Neue Philharmonie München hat uns informiert, dass der Kontakt mit der chinesischen Musikagentur, die die Pianistin präsentiert, schon seit einigen Jahren bestehe und auf gegenseitigem Vertrauen basiere. Deshalb hat Kolibri das Angebot angenommen.“

Sonntag, 28. September, 19.30 Uhr, Loisachhalle, Wolfratshausen; Montag, 29. September, 19.30 Uhr, Herkulessaal, München; Karten über München Ticket.

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