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Wolfratshausen:Nach tödlichem Unfall auf der B 11

Am Amtsgericht beginnt eine Verhandlung wegen Fahrerflucht

Dieser Fall hat Wolfratshausen und die Region wochenlang tief erschüttert: Ein paar Tage vor Weihnachten 2019 wurde ein 21-jähriger Flüchtling aus Afghanistan auf der Bundesstraße 11 überfahren und tödlich verletzt am Fahrbahnrand liegengelassen. Mit Hilfe von Zeugenaussagen konnte die Polizei vier Tage später den mutmaßlichen Unfallfahrer ausfindig machen. In der Garage eines Rentners aus Wolfratshausen fand sie einen Wagen, bei dem der Schaden an der Fahrzeugfront exakt zum geschilderten Unfallhergang passte. Ein knappes Jahr nach dem schockierenden Vorfall findet diesen Mittwoch, 2. Dezember, nun die Verhandlung vor dem Amtsgericht Wolfratshausen statt.

Von neun Uhr an wird der Fall noch einmal minutiös aufgerollt. Geplant ist laut Gericht eine umfangreiche Beweisaufnahme. Angeklagt ist ein "unerlaubtes Entfernen vom Unfallort". Angesetzt ist vorläufig nur ein einziger Verhandlungstag. Geladen sind sechs Zeugen, darunter auch drei Beamte der Polizeiinspektion Wolfratshausen, und drei Sachverständige, die unter anderem die Obduktion des Opfers vorgenommen oder das unfallanalytische Gutachten erstellt haben.

Der Unfall ist auch deshalb so dramatisch, weil danach eine Debatte darüber entbrannte, ob sich die tödliche Kollision vom 17. Dezember nicht recht einfach hätte verhindern lassen. So gab eine Autofahrerin aus Wolfratshausen an, das spätere Opfer schon gegen 21 Uhr an der Bundesstraße gesehen zu haben, knieend und offenbar recht orientierungslos. Weil andere Autofahrer sie anhupten, hatte sie ihre Fahrt dann aber doch fortgesetzt und erst zu Hause die Polizei verständigt. Bis dahin war der junge Mann aber bereits überfahren worden.

Eine Ermittlungsgruppe legte sich in den Tagen darauf an der Unfallstelle auf die Lauer. Oft kehren reumütige Unfallverursacher wieder an den Tatort zurück. Es wurden Fahrzeugteile untersucht und Videoaufnahmen ausgewertet. Letztlich war es aber ein Zeugenhinweis, der die Polizei auf die richtige Fährte brachte.

© SZ vom 30.11.2020 / ZIF
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