Man muss Wolfratshausen einmal auch ganz ehrlich und ganz dezidiert ein Lob aussprechen: In den vergangenen Monaten ist ein merklicher Ruck durch die Stadt gegangen. Langjährige Baustellen sind endlich fertig geworden, neue Geschäfte haben eröffnet, die zum Publikumsmagneten werden, und eines führt zum anderen: Menschen nutzen wieder Synergien der Läden und Angebote und das Flanieren entlang von Entdeckenswertem geht nun auch bis abends.
Umso mehr tut es weh, dass man bei all dem Schönen, Guten, Positiven über etwas stolpert. Über einen Slogan, eine sogenannte Kollektivmarke, die in einem langwierigen Prozess seit 2019 für die Loisachstadt entwickelt wurde. Vier Jahre und 30 000 Euro später steht der neue Spruch für Wolfratshausen, der den Wiedererkennungswert erhöhen und die Besonderheit des Ortes herausstellen soll: "Mächtig im Fluss".
Echt jetzt? Schon klar, dass das Dynamik transportieren soll. Hier ist was im Fluss, in Bewegung also. Aber wer mit Sprache spielt, spielt mit Doppeldeutigkeiten, und hier lässt die andere Seite des Bildes die Stirn runzeln.
Denn eine Stadt, die AN einem Fluss liegt, dürfte in Zeiten des Klimawandels hoffentlich darauf setzen und daran arbeiten, nicht irgendwann konkret IM Fluss zu sein, gegebenenfalls von Fluten mitgerissen zu werden und unterzugehen. Und dann auch noch das Wort "mächtig". Wolfratshausen und Macht, für wen geht das zusammen? Da hat man doch gleich Christiane Hörbiger als Freya von Hepp im Ohr, wie sie im Film "Schtonk" auf dem Yacht-Wrack "Carin II" dem größenwahnsinnigen Knüller-Reporter Hermann Willié (Götz George) zuraunt, "mächtig und männlich" zu sein. Dessen innerer Antrieb "Fake it till you make it", zu Deutsch: Solange so tun, als ob, bis man da angelangt ist, wo man hin will, wäre natürlich kein alternativer Slogan für eine Stadt, die nun ja tatsächlich schon einiges vorzuweisen hat.
Schiefe Bilder und Megalomanie auf morschem Boden hin oder her - was man aus der ganzen Sache offenbar mitnehmen muss: Wolfratshausen lässt es sich was kosten, damit es uns lieb und teuer bleibt. Mitreißend aber ist der neue Slogan nicht, nicht im übertragenen Sinne, und hoffentlich niemals im realen. Aber vielleicht verhält es sich mit ihm wie mit Steinen in der Strömung: Sie gehören dazu und sie werden irgendwann rund geschliffen. Die Zeit wird's zeigen - und die Dynamik.