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Wolfratshausen:Mahnender Mohn

Am Badehaus in Waldram blühen zum Andenken an die Holocaust-Opfer seit Mittwoch die "Mahnblumen" des Künstlers Walter Kuhn.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Badehaus gedenkt Holocaust mit rotem Blumenmeer

170 rote Mohnblumen blühen um das Badehaus in Waldram. Aufgestellt hat sie der Künstler Walter Kuhn anlässlich des internationalen Holocaust-Gedenktags am Mittwoch. Die Objekte aus Kunstseide, die schon auf dem Münchner Königsplatz und in Penzberg zu sehen waren, sollen "mahnen, dass diese fürchterlichen Verbrechen nie wieder geschehen", sagte er bei einer Gedenkstunde. Zudem hat Kuhn aus originalem Waldramer Bauschutt die Plastik "Neues Leben aus den Trümmern" geschaffen, die durch ein Schaufenster im Badehaus zu sehen ist. Sie symbolisiert die Hoffnung der Holocaust-Überlebenden, die einst im Lager Föhrenwald gestrandet waren.

Die Plastik aus Waldramer Bauschutt soll die Hoffnung der Holocaust-Überlebenden symbolisieren, die einst im Lager Föhrenwald gestrandet sind.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Es ist eine coronakonforme Aktion, wie Sybille Krafft, die Vorsitzende des Badehaus-Vereins, sagte. Die geplante Sonderausstellung mit Porträts von Holocaust-Überlebenden musste verschoben werden. "Aber Gedenken und Erinnerung wollen wir nicht verschieben." Waldram habe einen besonderen Bezug zum Holocaust: Im Lager Föhrenwald habe sich "der Rest der Geretteten getroffen, um wieder ein neues Leben zu beginnen".

Den Ort würdigte auch Ludwig Spaenle, der Beauftragte der bayerischen Staatsregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus. Man müsse sich an diesem Tag in Erinnerung rufen, dass "der Wahnsinn eines Regimes Menschen in den industriellen Massenmord getrieben hat", sagte er. Zudem müsse man daraus etwas für die Zukunft ableiten und das "Nie wieder!" in der alltäglichen Politik umsetzen. Es gebe "keinen Ort, der diesen Spannungsbogen besser widerspiegelt" als Waldram, wo Überlebende Hoffnung gefunden hätten, so Spaenle.

Bei der Gedenkveranstaltung (von links): Walter Kuhn, Sybille Krafft und Ludwig Spaenle.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Die Installation ist noch bis 8. Mai am Badehaus zu sehen. Einen Mitschnitt der Gedenkstunde gibt es von Sonntag, 17 Uhr, an, online auf der Seite www.erinnerungsort-badehaus.de

© SZ vom 28.01.2021 / aip
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