Wolfratshausen:Lüftung statt Filter

Schulen in Waldram und Weidach werden umgerüstet

Von Konstantin Kaip, Wolfratshausen

Über die Ausstattung der Klassenzimmer mit mobilen Luftfiltergeräten wird derzeit im Zuge der Corona-Pandemie und des Förderprogramms der Staatsregierung viel diskutiert. In Wolfratshausen werden diese Geräte jedoch nicht angeschafft. Darauf hat man sich nach einem Gespräch mit den Schulleitern und aufgrund eines Rundschreibens des Deutschen Städtetags geeinigt, das die Geräte nur bedingt empfiehlt und betont, dass sie ein regelmäßiges Stoßlüften nicht ersetzen. Stattdessen aber soll es eine dezentrale Lüftung in allen Klassenzimmern geben. An der Grund- und Mittelschule am Hammerschmiedweg soll diese im Zuge des geplanten Umbaus realisiert werden. Für Waldram und Weidach hat der Bauausschuss am Mittwoch die Nachrüstung der Klassenräume beschlossen.

Anders als die Luftfilter, denen er nur einen "Placebo-Effekt" attestierte, sei eine dezentrale Lüftung, die in die Fenster eingebaut werde, eine langfristige Lösung, die einer Keimbelastung entgegenwirke, gleichzeitig einen Großteil der Raumwärme zurückgewinne und daher "sinnvoller" sei, erläuterte Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) die Einschätzung eines zu Rate gezogenen Ingenieurbüros. Gefördert werde diese mit bis zu 80 Prozent der Kosten, allerdings mit maximal 500 000 Euro pro Objekt. In der Hammerschmiedschule soll dies im Zuge der ohnehin anstehenden Sanierung mit Umbau geschehen, ein vorheriger Einbau ergebe dort keinen Sinn, so der Bürgermeister. Anders sei dies bei den Schulen in Waldram und Weidach.

Grünen-Stadtrat Hans Schmidt konnte die Logik indes nicht nachvollziehen. Schließlich sollten die Lüftungsanlagen die Schüler vor Corona schützen, sagte er. "Wir haben jetzt die Pandemie und den Bedarf." In der Hammerschmiedschule dauere es vermutlich vier bis fünf Jahre bis zum Einbau, das sei "unverantwortlich". Heilinglechner entgegnete darauf, dass auch die Lüftungsanlagen das nötige Stoßlüften nicht ersetzen könnten. Allerdings könnten sie einem Temperaturabfall in den Klassenräumen im Winter entgegenwirken. Die Stadträte beschlossen schließlich einstimmig, die dezentralen Lüftungen in allen 33 Klassen- und Fachklassenzimmern, in den Horträumen und in der Mensa in Waldram einbauen zu lassen, sowie in den vier Klassenzimmern in Weidach. Laut Schätzung kostet der Einbau 27 500 Euro pro Klassenzimmer. In Waldram fallen demnach Kosten von 1,2 Millionen Euro an, nach Abzug der Fördersumme bleibt eine Eigenbeteiligung von 700 000 Euro. Die Umrüstung in Weidach kostet 200 000 Euro, von denen die Stadt 40 000 Euro selbst tragen muss.

Bis wann der Einbau realisiert werden kann, lasse sich derzeit nicht sicher sagen, erklärte der zuständige Verwaltungsmitarbeiter Thomas Wenig. Das hänge auch von der Lieferzeit ab und davon, wie hoch der Bedarf in anderen Kommunen sei. Eingebaut würden die Lüftungen wohl schrittweise von Zimmer zu Zimmer, wenn die jeweiligen Klassen dafür ausweichen könnten. Pro Klasse nehme der Einbau eines dezentralen Lüftungsgerätes etwa zwei Wochen in Anspruch. "Das heißt, es dauert mindestens ein Jahr", rechnete Schmidt die Zeit vor, bis alle Klassen an beiden Schulen umgerüstet wären. Das Stoßlüften bleibt also vorerst überall an den Wolfratshauser Schulen das einzige Mittel, um die Infektionsgefahr im Klassenzimmer zu minimieren.

© SZ vom 17.09.2021
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