WolfratshausenLetzte Chance für die Bergwaldbühne

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Ein Bild aus vergangenen Zeiten: Das Philharmonische Orchester Isartal mit Ballett beim "Schwanensee Open Air" auf der Bergwaldbühne im Sommer 2007.
Ein Bild aus vergangenen Zeiten: Das Philharmonische Orchester Isartal mit Ballett beim "Schwanensee Open Air" auf der Bergwaldbühne im Sommer 2007. Hartmut Pöstges

Stadträte vertagen Entscheidung über Sanierung der Spielstätte, um mögliche Förderungen auszuloten.

Von Konstantin Kaip, Wolfratshausen

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Die Bergwaldbühne in Wolfratshausen ist vielen als ganz besonderer Ort in Erinnerung. Wer im Halbrund der Zuschauertribüne in lauen Sommernächten ein Konzert, Ballett oder Theaterstück unter den grünen Wipfeln der Bäume erlebt hat, vergisst das nicht so schnell. Die glorreichen Zeiten des Spielorts im Wald über der Stadt sind allerdings schon länger vorbei. Die Konstruktion ist seit Jahren marode. Der Stadtrat hätte die einzigartige Spielstätte gerne saniert und hatte deshalb im September 2022 beschlossen, die Kosten dafür ermitteln zu lassen. Fast zwei Jahre später liegt das Ergebnis nun vor - und ist ziemlich ernüchternd.

Nach Rücksprache mit dem Landratsamt habe sich herausgestellt, dass nur eine Ertüchtigung in Holzbauweise als Erneuerung der bisherigen Konstruktion genehmigungsfähig sei, heißt es in der Vorlage, über die der Kulturausschuss am Donnerstag zu befinden hatte. Laut Schätzung des beauftragten Ingenieurbüros kostet das samt Planung und Hangsicherung etwa 255 000 Euro. Hinzu kämen circa 7500 Euro pro Veranstaltung mit Gage, Werbung, Gema-Gebühren, Toiletten und allem drum und dran. Und die Instandhaltungskosten, die sich in den vergangenen zehn Jahren auf 20 000 Euro summiert hätten.

"Eine der schönsten Open-Air-Bühnen im Landkreis"

Für den Wolfratshauser Stadtrat, der angesichts des Multi-Millionen-Großprojekts Schulsanierung selbst bei Pflichtaufgaben finanziell kaum Spielräume hat, sind diese Fakten eigentlich eine Steilvorlage, um das Projekt zu beerdigen. Doch der Ausschuss hat sich mehrheitlich dazu entschlossen, die Entscheidung über eine Sanierung noch einmal zu vertagen. Zuvor soll eruiert werden, ob nicht mithilfe von Fördermöglichkeiten und alternativen Betreibern eine für die Stadt kostengünstigere Option gefunden werden kann, um die Bergwaldbühne doch noch zu erhalten. Der Kulturreferent des Stadtrats Sepp Schwarzenbach (CSU) soll nun ein Nutzungskonzept entwerfen, das etwa auch Vereine einbezieht.

Dritte Bürgermeisterin Annette Heinoth (Grüne), die die Sitzung leitete, betonte den "Charme und die Einzigartigkeit" der Bühne, aber auch die Tatsache, dass "ihre Lage im Bergwald den Reiz und die Schwierigkeit" der Spielstätte ausmache. Barrierefreiheit lasse sich dort praktisch nicht realisieren. Ihre Fraktionskollegin Jennifer Layton plädierte dennoch leidenschaftlich dafür, nichts unversucht zu lassen, um "eine der schönsten Open-Air-Bühnen im Landkreis" zu retten. Sie forderte, den Beschluss, eine Sanierung zu beauftragen oder nicht, zu vertagen. Bis dahin solle die Verwaltung weitere Fördermöglichkeiten prüfen. Manfred Menke (SPD) fragte sich, ob nicht eine "Bergwaldbühne light" möglich sei, indem etwa der Bauhof lediglich die Oberkonstruktion der Tribüne ersetze. Und Sepp Schwarzenbach (CSU) erklärte, dass eine Sanierung in der derzeitigen Größe für bis zu 120 Personen nur dann einen Mehrwert habe, wenn daraus zudem eine Freizeitfläche entstehe, die auch Vereine und andere Betreiber nutzen könnten.

"Sie hat nie erfüllt, was wir von ihr erwartet haben"

Die Bergwaldbühne sei zwar "wirklich etwas Besonderes", sagte Wirtschaftsreferent Helmut Forster (Wolfratshauser Liste). "Aber sie hat nie erfüllt, was wir von ihr erwartet haben." Seit Jahren habe sie Probleme gemacht, nur sehr wenige Veranstaltungen hätten dort überhaupt stattfinden können. Zudem gebe es inzwischen mit dem Fluss-Festival eine Alternative, die ebenso ein Alleinstellungsmerkmal und überregional beliebt sei. Eine teure Sanierung der Bergwaldbühne sei vor diesem Hintergrund "rausgeschmissenes Geld". Ähnlich sah das auch Wolfgang Weichlein (CSU). "Der Patient Bergwaldbühne ist in unserem Kulturort Wolfratshausen schon lange von der Intensivstation in den Keller verlegt worden", erklärte er.

Die Mehrheit sah aber noch zu viele offene Fragen, um die Entscheidung jetzt zu fällen. Gegen die Stimmen von Forster und Weichlein votierte der Ausschuss daher für eine Vertagung des Beschlusses, der nun im Juli zur Wiedervorlage kommen soll. Zuvor soll die Verwaltung weitere Fördermöglichkeiten eruieren. Stadtmanager Stefan Werner hatte zuvor erklärt, dass bisherige Bemühungen in diese Richtung am Bestandsschutz gescheitert seien. "Ich finde das nicht gut", erklärte Forster. "Wir sollten das jetzt entscheiden. Der Patient siecht schon zwei Jahre", sagte er mit Blick auf die Bergwaldbühne. "Dann", entgegnete Heinloth, "sind zwei weitere Monate auch wurscht." Auf Vorschlag der Bürgermeisterin soll Kulturreferent Schwarzenbach nun ein Nutzungskonzept entwerfen, das die Chancen auf Zuschüsse erhöhen und mit der Verwaltung abgestimmt werden soll.

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