Wolfratshausen: Kreisklinik Geburtsabteilung macht Werbung

Die kleine Geburtsabteilung der Kreisklinik möchte die Zahl der Geburten erhöhen - und setzt auf ungewöhnliche Methoden.

Von Benjamin Engel

Die Geburtsabteilung der Kreisklinik steht unter Druck. Das wollte Belegarzt Manfred Stumpfe bei der Besichtigung des Kreißsaals nicht verschweigen. Es gebe eine schwierige Konkurrenzsituation mit großen Kliniken wie Harlaching und Starnberg oder auch dem Tölzer Krankenhaus, räumte er vor den Besuchern ein. Gleichzeitig gab er sich optimistisch. "Ich bin seit 19 Jahren Belegarzt, da gab es immer wieder magere Zeiten, aber es ist trotzdem gut weitergegangen."

Die Geburtshilfeabteilung der Wolfratshauser Kreisklinik ist klein, und genau das ist ihr Vorteil, meint Belegarzt Manfred Stumpfe: "Wir kennen unsere Patientinnen und wissen, ob jemand persönlich eher forsch oder ängstlich ist."

(Foto: Hartmut Pöstges)

Erst im vergangenen November hatte Landrat Josef Niedermaier sogar eine Schließung der Geburtshilfeabteilung ins Spiel gebracht hatte, sollten dort nicht wieder mehr Mütter entbinden wollen. Die Geburtshilfeabteilung reagiert darauf. Sie will sich künftig etwa mit Themen- und Filmabenden mehr nach außen darstellen und "aus dem Schattendasein in den Vordergrund treten", wie Stumpfe betonte. Unter anderem solle auch ein Stilltreff aufgebaut werden.

Stumpfe war sichtlich darum bemüht, die Vorzüge einer kleinen "hebammengeführten Geburtshilfeabteilung" herauszustreichen. "Wir kennen unsere Patientinnen und wissen, ob jemand persönlich eher forsch oder ängstlich ist." So könnten die Ärzte an der Wolfratshauser Kreisklinik mit den Eltern ganz individuell besprechen, wie eine Geburt ablaufen könne. "Von Homöopathie, Naturheilkunde über Entspannung in der Badewanne bis zur Peridural-Anästhesie können wir alles anbieten."

Die Vorzüge einer kleinen Abteilung schienen die Besucher zu überzeugen. "Wir wollen nicht als Nummer abgehandelt werden", erklärte ein junger Mann, der mit seiner schwangeren Freundin zum Besichtigungstermin gekommen war. Dass das Klinikum Starnberg bei Geburten so stark frequentiert werde, spreche aus seiner Sicht eher gegen dieses Krankenhaus. "Und sollte wirklich etwas passieren, sind es ja nur 15 Minuten bis Starnberg."

Ähnlich argumentierte auch eine schwangere Wolfratshauserin, die von ihrer Mutter begleitet wurde. Es stelle sich die Frage, ob man in kleinem familiärem Rahmen oder in großem Rahmen als Nummer 98 gebären wolle. Entscheidend sei, dass eine Entbindung ohne Probleme zu erwarten sei, betonte ihre Mutter. "Wenn ich weiß, ich habe eine Risikogeburt, muss ich woanders hin."

Zwei Kreißsäle und ein Wehenzimmer hat die Wolfratshauser Geburtshilfeabteilung. Seit neuestem verfügt die Abteilung auch über ein sogenanntes Familienzimmer. "Dort können Vater und Mutter gemeinsam in einem Doppelbett übernachten", sagte Stumpfe. Zwischen zwei und fünf Nächten blieben die Paare dort. Gerade für Väter könne es sinnvoll sein, von Anfang an miteingebunden zu sein und so Ängste vor einem neuen Familienmitglied zu verlieren. Allerdings gab Stumpfe auch zu, dass Visiten bei einem Pärchen für ihn noch ungewohnt seien.

Anwesend waren der ärztliche Direktor und Chef der Chirurgie, Stefan Schmidbauer, sowie Anästhesist und Oberarzt Josef Orthuber. Grünen-Kreisrätin Lucia Schmidt, Mitglied des Aufsichtsrats, gab eine Einführung. Die Zukunft der Geburtshilfeabteilung beurteilt Stumpfe positiv. "Ich bin derzeit sehr optimistisch." Die Unterstützung des Hauses und des Aufsichtsrats sei da, mit Themenabenden wolle die Geburtsabteilung auf sich aufmerksam machen.