NachrufMenschenfreund und Freigeist

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Das Schielein-Komma am Boschhof.
Das Schielein-Komma am Boschhof. Stephanie Schwaderer
  • Gerd Schielein ist am 9. Januar im Alter von 83 Jahren im Kreis seiner Familie am Boschhof gestorben.
  • Als Grafiker und Designer prägte er kulturelle Projekte wie das Eurasburger Inselhaus und das Waldramer Badehaus mit.
  • Gemeinsam mit seiner Frau Monika engagierte er sich jahrzehntelang bei sozialen und kulturellen Initiativen rund um Wolfratshausen.
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Gerd Schielein hat eine Vielzahl kultureller und sozialer Initiativen rund um Wolfratshausen gefördert, als Grafiker hat er das Eurasburger Inselhaus ebenso geprägt wie das Waldramer Badehaus. Nun ist er im Alter von 83 Jahren gestorben.

Von Stephanie Schwaderer, Königsdorf

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Als persönliches Markenzeichen hat Gerd Schielein vor vielen Jahren das Komma gewählt. Kein Fragezeichen, kein Ausrufezeichen, sondern jenes bescheidene kleine Satzzeichen, das trennt und strukturiert und dabei stets auch eines signalisiert: dass es weitergeht, dass das letzte Wort nicht gesagt und immer Platz für einen anderen Gedanken, eine neue Idee ist. Ein goldenes Komma trägt seine Frau Monika um den Hals. Ein drei Meter hohes Komma aus rostigem Stahlblech steht vor dem Schielein-Haus am Boschhof, wo er 50 Jahre gelebt hat. Ein eigenwilliges Symbol.

Eigenwillig im besten Sinne, so kennt man auch „die Schieleins“, Monika und Gerd, die über Jahrzehnte selten getrennt, aber mit großer Gewissheit dort anzutreffen waren, wo es zwischen Wolfratshausen und Bad Tölz sozial oder kulturell etwas anzuschieben oder zu feiern galt. Gemeinsam engagierte sich das Paar ebenso unauffällig wie wirkungsvoll bei verschiedenen Projekten – sei es beim Musiksommer Loisachtal, in der Geltinger Kulturbühne „Hinterhalt“, bei der Inselhaus Kinder- und Jugendhilfe in Eurasburg oder im Waldramer Erinnerungsort Badehaus. Als Grafiker, Werbetexter und Designer brachte Gerd Schielein sich dabei vor allem gestalterisch ein. Als Menschenfreund genoss er den Austausch. Als Intellektueller nährte er seine Neugier auf die Welt.

Gerd Schielein bei seinem letzten Besuch im Kloster Beuerberg.
Gerd Schielein bei seinem letzten Besuch im Kloster Beuerberg. Torsten Bruch

„In der Kunst kann man die Freiheit üben“, war seine Devise. Über Kunst wie über Kinder konnte er voller Begeisterung sprechen – gerne ohne Punkt und Komma. Wissen, Weisheit und Witz griffen dabei stets spielerisch ineinander. Von dieser Mischung zeugten auch seine originellen Jahresgaben, die er an einen großen Freundes- und Bekanntenkreis verschickte. Was das wilde Sammelsurium aus klugem Unfug über die Jahre verband, war das Siegel: „ein echter Schielein“.

Sich selbst nicht allzu wichtig zu nehmen und zugleich für viele Menschen wichtig zu sein: Gerd Schielein ist dieses Kunststück scheinbar mühelos gelungen. Am 9. Januar ist er im Alter von 83 Jahren im Kreis seiner Familie am Boschhof gestorben.

Die Trauerfeier findet Anfang Februar in Beuerberg statt.

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