Tour durch die WahlkreiseBerlin auf Rädern

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Das Infomobil des Deutschen Bundestags hat auch in Wolfratshausen Station gemacht. Der Grüne Abgeordnete Karl Bär (rechts) stellte sich den Fragen der Bürger.
Das Infomobil des Deutschen Bundestags hat auch in Wolfratshausen Station gemacht. Der Grüne Abgeordnete Karl Bär (rechts) stellte sich den Fragen der Bürger. (Foto: Hartmut Pöstges)

Am Infomobil des Deutschen Bundestags in Wolfratshausen sucht der Grünen-Abgeordnete Karl Bär das Gespräch mit den Bürgern.

Von Arnold Zimprich, Wolfratshausen

Am frühen Freitagvormittag herrscht noch wenig Betrieb rund um die Loisachhalle in Wolfratshausen: Händler richten ihre Waren her, erste Kunden schlendern umher, Touristen bestaunen das vom Gewitterregen braune Wasser der Loisach. Weiter hinten, an der Alten Floßlände, posiert ein Hochzeitspaar für ein Foto, über allem wölbt sich ein weiß-blauer Himmel. Nur das mächtige Infomobil des Deutschen Bundestags, das für drei Tage auf dem Parkplatz vor der Loisachhalle Halt macht, sticht aus der bayerischen Idylle hervor. Statt des gewohnten Weiß-Blaus wehen die europäischen Sterne an langen Fahnenstangen im Wind, daneben Schwarz-Rot-Gold. Wolfratshausen ist nur eine Station einer großen Tour. "Wir versuchen, in einer Legislaturperiode alle 299 Wahlkreise in Deutschland zu besuchen", erklärt Kleta Grießhaber an der Theke des hell eingerichteten Infomobils.

Grießhaber ist hauptberuflich Rechtsanwältin und arbeitet nebenher als Honorarkraft im Auftrag des Bundestags. "Ich bin nur die drei Tage hier in Wolfratshausen dabei, danach geht es für mich wieder zurück nach Berlin", sagt sie. Das Infomobil, das zuvor schon in Rosenheim war, fährt dann weiter nach Kempten. Aus einem Pool von 70 Honorarkräften werden die jeweiligen Teams zusammengestellt, die der Bevölkerung an den einzelnen Standorten für Fragen zur Verfügung stehen. "Neben dem Ukrainekrieg, der aktuell natürlich das Thema Nummer Eins ist, werden uns viele Fragen zum Bundestag gestellt", berichtet Grießhaber. "Zum Beispiel, warum es so viele Sitze gibt" - 736 sind es in der aktuellen Legislaturperiode - "und noch immer keine Wahlrechtsreform. Wir erklären dann, dass es dazu die nötige Mehrheit bräuchte, und dass das nicht so einfach ist." Zumal viele Abgeordnete am eigenen Sitz sägten, würden sie sich für eine Wahlrechtsreform einsetzen. "Wir versuchen den Leuten zu verstehen zu geben, dass Politik in Deutschland ein hohes Maß an Kompromissbereitschaft bedeutet", sagt Grießhaber. "Sich einfach mal schnell hinzustellen und zu sagen, das machen wir jetzt so und so, geht nicht."

Neben ihr steht Friedrich Anders, der im Hauptberuf für die Stiftung der Deutschen Wirtschaft in der Begabtenförderung arbeitet, auch er ist nur für drei Tage in Wolfratshausen dabei. "Es ist interessant zu sehen, wie sich die Befindlichkeiten der Menschen in den verschiedenen Landesteilen unterscheiden", sagt er. "Hier im Süden Bayerns geht es den Menschen vergleichsweise gut, das merkt man natürlich auch an den Fragen, die gestellt werden."

Hans Schmidt kommt gut gelaunt auf dem Rad vorbei. Der Stadtrat der Wolfratshauser Grünen-Fraktion freut sich über einen besonderen Gast beim Bundestags-Mobil: Karl Bär, der für die Grünen seit Beginn der Legislaturperiode im Bundestag sitzt, als zweiter Bundestagsabgeordneter aus dem Wahlkreis 299, neben Alexander Radwan (CSU). Im Zweiwochen-Rhythmus pendelt der 37-Jährige Holzkirchner zwischen seiner oberbayerischen Heimatgemeinde und Berlin. "An Terminen habe ich hier im Oberland keinen Mangel", erklärt Bär, der gerade erst eine Tour de Force durch die Gemeinderäte im Umkreis hinter sich hat, um über grüne Politik zu diskutieren. "Als letztes war ich in Lenggries", sagt er. Sein Auftritt vor dem Infomobil ist ein Zusatztermin, den er mitnimmt, um mit der Bevölkerung Lokalthemen zu erörtern. Eines der Projekte, auf die er sofort angesprochen wird, ist die geplante S-Bahn-Verlängerung. Nicht jeder erkennt ihn. In Holzkirchen sei das anders, sagt Bär, "da habe ich ja auch mein Wahlkreisbüro, wo ich für Fragen direkt zur Verfügung stehe".

Anfang Juli geht der Bundestag in die Sommerpause. "Ich wäre der erste Abgeordnete, der frisch in den Bundestag gewählt wurde und sich darüber beschwert", sagt Bär und lacht. Bis dahin bleibt aber noch viel zu tun - und zu reden: Schon wartet die nächste Gesprächspartnerin.

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