Noch ist nichts zu sehen von einer Baustelle. Doch schon sind einige Menschen da, denen die Rettung der Bäume an der Loisach so wichtig ist, dass sie eigens früh aufgestanden sind: Am Dienstag um sieben Uhr tummeln sich ein Dutzend Menschen in Wolfratshausen hinterm Rathaus-Café. Sie sind entschlossen, die Pläne des Wasserwirtschaftsamts (WWA) zu durchkreuzen, das hier zum Hochwasserschutz um die fünfzig Bäume fällen möchte. Der 1. September ist freilich nur der Tag, an dem zunächst die Baustelle eingerichtet werden soll, Fällungen sind erst für 1. Oktober angekündigt.
Sieben Uhr erweist sich ohnehin als zu zeitig gewählt, die zuständigen Bauleute vom WWA treffen etwa eine Stunde später ein. Inzwischen haben sich einige mit Picknickdecken, Thermoskannen und Bechern am Ufer niedergelassen. Ein Kleinlaster der Stadtwerke Wolfratshausen fährt vor, um einen kleinen Stapel Paletten zu liefern. Als sich ihm zwei, drei Leute in den Weg stellen, raunzt der Fahrer: „Mia kenna gern d’Polizei hoin, wenn S’ uns behindern“ – was sie dann aber eh nicht tun.
Die Situation bleibt entspannt. Die Gegner der Baumfällungen kommen mit zwei Bauleuten des WWA ins Gespräch, die erklären, wie sie die Zufahrt zum Wasser regeln und dass dafür noch kein einziger Baum fallen werde.
Wie die „umgehende Instandsetzung des Uferschutzes“ ablaufen soll, erklärt eine Tafel, die das Wasserwirtschaftsamt neben dem Sebastianisteg aufgestellt hat. Die Sperrung der Straße und des Parkplatzes Loisachufer sei von 1. September bis Weihnachten vorgesehen. Von September an werde ein neuer Uferschutz aus 4500 Tonnen Wasserbausteinen geschaffen. „Die erforderlichen Gehölzfällungen östlich des Uferwegs sowie Neupflanzungen im südlichen Maßnahmenbereich erfolgen in Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes Wolfratshausen und dem Sachgebiet Naturschutz der Regierung von Oberbayern.“
Die Gegner der Baumfällungen haben einen Fachanwalt eingeschaltet
Ob es dazu tatsächlich kommt, soll eine Klage entscheiden: Die Gegner der Baumfällungen haben, wie der frühere Grünen-Stadtrat Hans Schmidt am Dienstag erklärte, einen Fachanwalt eingeschaltet, der einen Baustopp erwirken soll.

Diese Absicht zeichnete sich bereits bei der Demonstration gegen den „Kahlschlag“ am vergangenen Samstag ab. Dort erklärte Jan Reiners, Sprecher von „WOR for Future“, seine Initiative habe im Bereich zwischen Andreas- und Johannisbrücke 62 Bäume gezählt, von denen einige mehr als achtzig Jahre alt seien. Nach Auskunft der „Lawyers for Future“ sei für die Situation an der Loisach eine entscheidende Frage, ob tatsächlich nur eine Sanierung geplant sei, wie das Wasserwirtschaftsamt es nenne, oder ob es nicht vielmehr ein Gewässerausbau sei. Dann nämlich wären Bürgerbeteiligung und Anhörung der Umweltverbände zwingend geboten.
Und eben dies fordern die Protestierenden. Dann hätten sie und ihre Verbände auch Gelegenheit klarzumachen, dass es Alternativen zu den Baumfällungen gebe: Landshut habe dies mit einem sicheren und ökologisch sinnvollen Hochwasserschutz vorgemacht, erklärte Reiners. Dort wurde ins Ufer eine Spundwand eingerüttelt.
An die Demo erinnern am Loisachufer entlang noch einige bemalte Steine mit Aufschriften wie „Menschen brauchen Bäume!“, „Jeder Baum zählt“ oder „Dankbar für jeden Baum“. Einer davon liegt demonstrativ an der Bronzetafel bei der sogenannten „Finsterwalder-Linde“. Diese trage, so steht dort, den Namen des Bürgermeisters Peter Finsterwalder, weil dieser sich „außerordentlich erfolgreich für den Wolfratshauser Bergwald und die Bäume im Stadtgebiet“ eingesetzt habe. Man könnte den Stein an dieser Stelle als kleine Aufforderung an den amtierenden Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) verstehen.

