Wer einen früheren Rathauschef automatisch Altbürgermeister nennt, sollte keinem Juristen über den Weg laufen. Für die meisten dürfte zwar Helmut Forster, der zwischen 2008 und 2014 an der Spitze der Wolfratshauser Stadtverwaltung stand, im landläufigen Gebrauch längst Altbürgermeister sein. Doch formell wird der inzwischen 78-jährige ausgebildete Sparkassen-Betriebswirt dies erst am 28. April 2026 während der letzten Stadtratssitzung der laufenden Amtsperiode. Mit dieser scheidet Forster auch als Stadtrat aus dem Gremium aus.
Beim Begriff Altbürgermeister handelt es sich formaljuristisch um eine Ehrenbezeichnung. Das regelt Artikel 29, Absatz 4 des Gesetzes über kommunale Wahlbeamte und Wahlbeamtinnen (KWBG). Demnach kann die Vorsilbe „Alt“ dem früheren Amt entsprechend verliehen werden. Explizit sind Altbürgermeister und Altbürgermeisterin aufgeführt. Gleichermaßen gilt das für Oberbürgermeister, Landräte und Bezirkstagspräsidenten. Ausdrücklich kann die Erlaubnis, das Präfix Alt vor der früheren Amtsbezeichnung führen zu dürfen, laut dem Gesetz wieder entzogen werden. Das ist dann der Fall, wenn der frühere Beamte „sich der Ehrenbezeichnung nicht würdig erweist“.
Im Fall von Helmut Forster, der offiziell bislang ein Bürgermeister außer Dienst (a. D.) ist, entschied der Wolfratshauser Stadtrat in der März-Sitzung, seine besonderen Verdienste um das Wohl der Stadt zu würdigen. 1995 zählte der damalige Leiter der Immobiliensparte der Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen zu den Mitgründern der Bürgervereinigung Wolfratshausen (BVW). Mit dieser Gruppierung wollten Einwohner der Stadt ein Gegengewicht zum im Stadtrat vorherrschenden Parteienzwist etablieren.
Zur Kommunalwahl von 1996 zog Walther Ebner als erster Stadtrat für die BVW ins Gremium ein. Anfang 1999 rückte Forster nach. 2002 wählten die Wolfratshauser mit Josef Praller ein zweites BVW-Mitglied in den Stadtrat. Forster wurde Dritter Bürgermeister und schließlich 2008 Bürgermeister. Die Stichwahl gegen den damaligen CSU-Kandidaten Richard Kugler gewann er deutlich mit 62,9 Prozent der Stimmen. Seine Gruppierung erreichte acht Mandate.
Aus Altersgründen durfte Forster 2014 nicht mehr antreten
Dass es bei einer Legislaturperiode als Bürgermeister blieb, liegt an der damaligen Gesetzeslage: Aus Altersgründen – damals galt eine inzwischen abgeschaffte Altersgrenze von 67 Jahren für Bürgermeister und Landräte – durfte Forster 2014 nicht mehr kandidieren. Er blieb aber für die BVW im Stadtrat und baute erfolgreich seinen Nachfolger Klaus Heilinglechner auf, der gerade zum dritten Mal in Folge für die Gruppierung zum Bürgermeister gewählt wurde. Forster aber entzweite sich mit der BVW und begründete 2019 die Wolfratshauser Liste mit, für die er 2020 in den Stadtrat einzog. Dort ist er seitdem Wirtschaftsreferent. Bei der Kommunalwahl im März 2026 erreichte Forster nicht mehr genügend Stimmen für ein Stadtratsmandat.
Bürgermeister Heilinglechner würdigte in der Märzsitzung, dass sein Amtsvorgänger Forster die Kommune nach schwieriger Haushaltslage wieder auf eine finanziell solide Basis gestellt habe und dass der Walsersteg als wichtige Radverbindung zwischen Altstadt und Gewerbegebiet in seiner Amtszeit fertiggestellt wurde. BVW-Stadtrat Josef Praller hob das lange Zeit „sehr fruchtbare Miteinander“ hervor. Forster habe es geschafft, dass im Stadtrat wieder konstruktiv gearbeitet werde, sagte er.
„Ich sage herzlichen Dank für die Ehre, die mir zuteilwird“, so Forster. „Im Moment fällt mir nicht mehr ein.“ Bei der Verleihung des Titels Ende April dürfte er sich ausgiebiger äußern.

