In Deutschland ist eben alles ein bisschen anders. Frauen, die geschlagen werden, gehen ins Frauenhaus; und wenn sie sich scheiden lassen wollen, können sie das in die Wege leiten - ohne jahrelang vor Gericht betteln zu müssen. Denn so sei die Situation in ihrem Heimatland, sagt eine junge Syrerin, die an einer vom Amtsgericht Wolfratshausen initiierten Rechtsschulung teilnimmt. Eine Frau könne sich zwar in der Theorie in Syrien scheiden lassen, das heiße dann nur nicht Ehescheidung wie beim Mann, sondern Ehetrennung. Aber dass die einer Frau bewilligt werde, sei in der Praxis absolut nicht selbstverständlich.
Die Rechtsschulung hat am Mittwoch 16 syrische und deutsche Teilnehmer ins evangelische Gemeindehaus in Wolfratshausen gezogen. Elisabeth Kurzweil, Direktorin des Amtsgerichts, und Katja Pröbst, am Amtsgericht zuständig für das Zivilrecht, informieren über die Prinzipien des Rechtsstaats, ein Dolmetscher übersetzt ins Arabische. So wird der Vormittag nicht nur zum Unterricht für Syrer, auch die Flüchtlingshelfer aus Wolfratshausen lernen noch Neues. Dem Familienrecht wird viel Raum gegeben, das Asylrecht bleibt außen vor, denn dafür ist das Verwaltungsgericht zuständig, und nicht die Zivilrichter. In Syrien, sagt ein Teilnehmer, sei jeder Antrag nach zwei bis drei Tagen behandelt - abhängig von der Summe, die man zu zahlen bereit sei. Das löst verhaltenes Gelächter unter den jungen Leuten aus. In Deutschland gebe es so etwas nur in sehr geringem Maße, sagt Kurzweil: Korruption sei verpönt und verboten.
Mit der Schulung wolle sie verhindern, dass die Flüchtlinge in Deutschland Probleme bekämen, sagt Kurzweil. Sie erklärt, dass das Jugendamt keine Bedrohung darstelle, sondern Unterstützung gebe, und dass ein Elternteil ein Kind nicht einfach mit zurück in die Heimat nehmen dürfe, wenn das andere Elternteil dagegen sei. Sie betont die Eigenständigkeit der Frau in Deutschland, was einen jungen Syrer dazu veranlasst, die Situation in seiner Heimat ins rechte Licht zu rücken. Immerhin hänge in Syrien alles vom Mann ab: Um heiraten zu dürfen, müsse er ein Haus kaufen und Kapital mit in die Ehe bringen. "Er hat mehr Rechte, aber er hat auch mehr in die Ehe investiert", sagt er. Kurzweil stellt klar: Es gehe nicht um eine Verurteilung des syrischen Rechtssystems, sondern darum, Flüchtlingen hierzulande Schwierigkeiten zu ersparen.
Der Wolfratshauser Helferkreis plant, die Rechtsschulung auch in anderen Sprachen anzubieten und so etwa für Afghanen zugänglich zu machen. Einen ehrenamtlich arbeitenden Schulungsleiter hätten sie schon, sagt Ines Lobenstein.
