Es ist kein Schulhaus von der Stange. Darin waren sich die Wolfratshauser Stadtratsmitglieder einig. Ehe am kommenden Montag, 6. Juli, die Grundschülerinnen und Grundschüler sowie einige Kinder aus der Mittelschule den ersten fertigen Abschnitt beziehen, machten sie sich bei einem Rundgang ein Bild vom Neubau. Was sie sahen, fand großen Anklang. Immerhin investiert die Stadt mehr als 63 Millionen Euro in die Generalsanierung und Erweiterung der Grund- und Mittelschule am Hammerschmiedweg.
„Schüler sind anders als früher“, sagt Schulleiter Frank Schwesig. Diesem Umstand habe man mit einem neuen Konzept Rechnung getragen: Das neue Schulgebäude, der „Grundschulsatellit“, bietet auf vier Etagen ausreichend Platz für zeitgemäßes Lernen. Dies beinhalte, dass es mehrere Räume gebe, in denen die Schülerinnen und Schüler je nach ihren Bedürfnissen gefördert werden können, so Schwesig.
So gebe es Buben und Mädchen, die ohne die Aufsicht einer Lehrkraft in einem „Lernatelier“ ihre Aufgaben erledigen könnten. Andere wiederum bräuchten durchaus Betreuung. Zentral im Flur gibt es daher sogenannte Marktplätze mit Lernlandschaften, wo die Kinder in der Gruppe arbeiten können. „Alles ist flexibel, individuell gestaltbar und durchdacht“, betont der Schulleiter. Er sei dankbar, dass die Architekten die Vorschläge für die Gestaltung aufgenommen und umgesetzt hätten. „Wir müssen Schule anders denken.“ Der Unterricht lediglich in einem Klassenzimmer sei nicht mehr zeitgemäß.

Auf jedem Stockwerk ist eine Grundschul-Jahrgangsstufe in fünf Klassenzimmern untergebracht. Die Zimmer sind circa 60 Quadratmeter groß und modern ausgestattet, etwa mit interaktiven Tafeln mit Touchscreen. Die gesamte Maßnahme am Hammerschmiedweg ist in mehrere Bauabschnitte unterteilt. Nach dem Bereich für die Grundschüler soll der Trakt für die Mittelschule fertiggestellt werden, in der auch die Ganztagsbetreuung Platz finden wird. Es folgt die Aula. Im Kellergeschoss befindet sich das Schulschwimmbad, das voraussichtlich von Herbst an genutzt werden kann. Die räumliche Trennung von Grund- und Mittelschule sei ein großer Wunsch gewesen, sagte Schwesig. Das Durcheinander vorher nennt er eine „Katastrophe“.

Ein wichtiger Aspekt sei die Barrierefreiheit im neuen Schulhaus, berichtet Architektin Katrin Kratzenberg vom Büro Karl und P. Um Altes und Neues entsprechend zu verbinden, gebe es Rampen und Aufzüge. Die Verbindung von Grund- und Mittelschule ist der in der Mitte angeordnete Bereich der Verwaltung.
2029 soll die gesamte Baumaßnahme, die 2023 begonnen wurde, fertiggestellt sein. Die Grund- und Mittelschule am Hammerschmiedweg bietet dann Platz für 750 bis 800 Schülerinnen und Schüler. Nach dem Umzug der Grundschüler und einem Teil der Mittelschüler im Juli sollen die Arbeiten am zweiten Bauabschnitt beginnen, sagte Tom Wenig vom Rathaus-Referat „Bauen und Liegenschaften“. Dafür müssen zuerst die alte Mädchenschule und die Hausmeisterwohnung abgerissen werden.
Beim Einrichten packen Schüler mit an und bauen unter anderem Regale auf
Damit die Kinder und Jugendlichen das neue Schulhaus und vor allem die Innenausstattung wertschätzen, griff Schwesig zu einem besonderen pädagogischen Kniff: 25 Mittelschüler der achten Klasse bauten gemeinsam mit 15 Lehrkräften 64 Regale eines schwedischen Möbelhauses auf. Ehe der Unterricht aufgenommen wird, werden die Klassensprecher über die Regeln im neuen Gebäude informiert. Der Umzug am Montag sei durchorganisiert, kündigt Schwesig an.
Besonderes Highlight wird das Schwimmbad mit einem acht auf 16 Meter großen Becken. Dieses soll nicht nur für den Schulsport genutzt werden. Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), eine Reha-Schwimmgruppe und andere können dort künftig ihre Bahnen ziehen. Sogar aus der Nachbarstadt Geretsried gebe es Anfragen, obschon es dort ein Hallenbad gebe, wie Bürgermeister Klaus Heilinglechner sagt.

