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Wolfratshausen:Genug Unterschriften für Hallenbad-Bürgerentscheid

Auf der Zielgeraden: Für das Bürgerbegehren zum Hallenbad sind die nötigen Unterschriften schon gesammelt worden, sagt Fritz Schnaller.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Der Weg zur Abstimmung über die Schwimmhalle ist frei. Außerdem gibt es einen weiteren prominenten Unterstützer.

Die Wolfratshauser sind gut informiert über die Angelegenheit, und sehr viele wollen offenbar, dass das interkommunale Hallenbad in Geretsried gebaut wird. Diesen Schluss ziehen jedenfalls die Leute, die für das Hallenbad-Bürgerbegehren Unterschriften sammeln, wie Ingrid Schnaller. Beim Stadtgespräch der SPD am Donnerstag berichtete sie von der positiven Resonanz, die über die Generationen hinweg von sehr vielen Menschen komme. "Das Quorum haben wir mit Sicherheit schon erreicht", sagte ihr Mann Fritz Schnaller (SPD), Wolfratshausens Zweiter Bürgermeister.

Mindestens 1258 wahlberechtigte Wolfratshauser müssen unterschreiben, damit aus dem Bürgerbegehren ein Bürgerentscheid werden kann. Die Abstimmung allerdings wollen Bürgermeister Klaus Heilinglechner und die BVW offenbar vermeiden. Sie wollen sich nicht gegen den Bürgerwillen stellen, wie sie vorige Woche bei einem Pressegespräch sagten.

Auch die Initiatoren des Bürgerbegehrens hoffen darauf, dass die Stadtratsmehrheit ihre Ablehnung revidiert, und ein Bürgerentscheid dann nicht mehr nötig ist. Deshalb wollen sie weitersammeln, noch bis Ende Oktober. "Je mehr unterschreiben, umso eindrucksvoller wird es", erklärte Ingrid Schnaller. "Wir brauchen ein großes, feuriges Signal", sagte ihr Mann. "Ich hoffe, dass es nicht zum Bürgerentscheid kommt." Der stellvertretende SPD-Ortsvorsitzende Peter Fasching ist sich ohnehin sicher, dass die BVW, die eine Beteiligung am Hallenbadbetrieb im Stadtrat geschlossen ablehnte, nun einen Weg suche, "wie sie aus der Misere rauskommt".

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Wie viele Unterschriften bisher gesammelt wurden, wisse man nicht, denn die Listen lägen an vielen Stellen aus, und viele Unterstützer seien mit ihnen unterwegs. Viele hätten beim Wolfratshauser Kirchweihmarkt am vorigen Sonntag unterschrieben. SPD-Vorstandsmitglied Manfred Menke berichtete, in Waldram kämen pro Tag 80 bis 90 Stimmen zusammen. Zur Übergabe werde man jedenfalls "zwei bis drei starke Leute" brauchen, sagte Ingrid Schnaller, die am Donnerstag auch die Unterschriften des Ehepaars Stoiber dabei hatte. Allerdings finden auf jeder Liste nur zehn Unterschriften Platz. Im großen Zuspruch zum Bürgerbegehren sieht Fritz Schnaller auch ein Zeichen: "Ein Großteil unserer Bürger will die interkommunale Zusammenarbeit." Die sei für Wolfratshausen mit seinen räumlich begrenzten Entwicklungsmöglichkeiten noch wichtiger als für Geretsried.

Innerhalb der SPD herrscht Einigkeit darüber, dass man die Zusammenarbeit beider Städte will. Das betonte auch Geretsrieds Zweiter Bürgermeister Hans Hopfner (SPD), der als Gast gekommen war. Er nannte das interkommunale Hallenbad ein "Leuchtturmprojekt", das auch überregionale Resonanz erfahren habe. Dem gemeinsamen Bad müssten weitere interkommunale Projekte folgen, im Verkehr, Sport und bei den Schulen. "Wenn man beim ersten Projekt scheitert, wäre das schade", sagte Hopfner. Deshalb finde er es gut, dass sich die Initiatoren des Bürgerbegehrens so ins Zeug legten und so viel Unterstützung gefunden hätten. Fritz Schnaller wiederum bedankte sich beim Geretsrieder Stadtrat und dem Bürgermeister für die Chance, das Bürgerbegehren anzustoßen, was er als "Zeichen für positive Zusammenarbeit" wertete.

Unterstützung vom Weltmeister

Mit Edmund Stoiber und seiner Frau Karin haben die Initiatoren des Bürgerbegehrens für eine Beteiligung am interkommunalen Hallenbad schon die prominentesten Unterstützer in Wolfratshausen gewonnen. Nun haben sie auch noch Beistand aus der Welt des Profi-Sports bekommen: Christian Tröger, zweifacher Weltmeister und dreifacher Olympiamedaillengewinner im Schwimmen sowie Inhaber der Schwimmschule "Aquatics", hat den Wolfratshauser Initiatoren seine Unterstützung zugesagt.

Nach einer langen Karriere als Leistungssportler gebe er "seit über 14 Jahren meine Begeisterung für das Schwimmen an die Kleinen und Kleinsten weiter", schreibt Tröger - "auch in der Hoffnung, einen kleinen Beitrag dazu leisten zu können, um die erschreckend hohen Todeszahlen durch Ertrinken zu reduzieren." Schwimmen zu können sei " kein Luxus", so Tröger. "Nicht schwimmen zu können mitunter ein tödliches Risiko." Deshalb unterstütze er das Bürgerbegehren für den interkommunalen Betrieb des "diskutierten Hallenbades in Geretsried aus voller Überzeugung." Anders als die Stoibers kann Tröger das Bürgerbegehren als Sauerlacher jedoch nicht unterschreiben. aip

Der Wolfratshauser SPD-Fraktionsvorsitzende Fritz Meixner sieht den Ruf der Stadt durch die Hallenbad-Diskussion beschädigt. Er konstatierte: "Das hat einen enormen Flurschaden angerichtet." Nun müsse Schluss sein mit Wortklaubereien und Bedenken. Dem Bürgermeister und der BVW rate er, "den Ball flach zu halten und zu einem neuen Bekenntnis zu kommen." Hans Gärtner forderte ein Ende der Peinlichkeiten und sagte: "Über die Bürger wird nun einiges gerade gerückt." Und Werner Grimmeiß berichtete, sogar in Freising habe man über die Wolfratshauser Posse gelacht.