Wolfratshausen:Freispruch im Pizza-Raub

Verhandlung vor dem Amtsgericht endet überraschend schnell

Deutlich früher als geplant hat am Dienstag ein Prozess vor dem Wolfratshauser Amtsgericht geendet. Eigentlich war für die Verhandlung, bei der es um einen angeblichen Raub in einem Holzkirchner Pizza-Lieferservice ging, noch ein Folgetermin am kommenden Freitag angesetzt gewesen. Dieser entfällt nun, nachdem die beiden Angeklagten bereits freigesprochen wurden. "Mir bleibt wenig hinzuzufügen", sagte Richterin Friederike Kirschstein-Freund am Ende der Sitzung sichtlich konsterniert. Die Aussagen des Geschädigten, auf die sich die Anklage ursprünglich stützte, seien zu widersprüchlich und unglaubwürdig gewesen. "Er hat heute eine völlig andere Geschichte erzählt."

Bei dem Geschädigten handelte es sich um einen Fahrer des Lieferdienstes. Er warf den beiden Angeklagten, dem Besitzer des Betriebs und dessen 17-jährigem Sohn vor, ihn nach dem Probearbeiten ausgeraubt zu haben. An einem Abend im Oktober vergangenen Jahres soll der Vater den Fahrer an den Händen festgehalten haben, während der Sohn ihm hundert Euro aus der Hosentasche genommen haben soll. Anschließend soll es zu einer Auseinandersetzung gekommen sein, bei welcher der Sohn den Fahrer mit Pizza beworfen und mit der Faust geschlagen haben soll. So zumindest lautete die Anklage. Zwei Polizeibeamte, die als Zeugen in Wolfratshausen aussagten, bestätigten, dass der Geschädigte mehr oder weniger diese Version noch am selben Abend vor Ort und später auf dem Präsidium erzählt habe.

Auf dem Zeugenstuhl vor Gericht klang auf einmal alles ziemlich anders: Gegenüber der Richterin behauptete der Lieferfahrer, dass ihn der Sohn und nicht der Vater festgehalten habe. Statt des Sohnes soll ihm der Vater das Geld aus der Tasche genommen haben. Auch anders als bei der Polizei erzählte der Geschädigte vor Gericht, dass es sich bei dem entwendeten Geld nicht um sein privates Vermögen gehandelt habe, sondern um die Einnahmen aus seiner Schicht. Er habe das Geld in seine Hosentasche gesteckt, weil ihn Vater und Sohn nicht hätten bezahlen wollen.

"Jetzt kommen wir langsam an einen Punkt, wo ich zornig werde", hielt Richterin Kirschstein-Freund dem Zeugen daraufhin vor. Seine Verteidigung, dass er sich eben nicht mehr so richtig erinnere, ließ sie nicht gelten: "So lange ist das nicht her und Sie werden nicht jeden Tag beraubt." In der Folge entschied die Richterin, die Vernehmung des Zeugen abzubrechen. Man könne auf dessen widersprüchliche Aussagen keine Anklage stützen.

Nach knapp zweieinhalb Stunden Verhandlung verkündete Richterin Kirschstein-Freund schließlich den Freispruch der beiden Angeklagten. Der in der Anklageschrift festgehaltene Sachverhalt habe sich nicht bestätigt. Nach der Beweisaufnahme seien sie und die Schöffen zwar überzeugt, dass es sich bei dem Handeln des Sohnes um versuchte Sachbeschädigung und versuchte Körperverletzung handele. Da diese Taten aber zu weit zurücklägen und der 17-Jährige nach den Angaben der Jugendgerichtshilfe auf einem guten Weg sei, habe sie sich entschlossen, das Verfahren einzustellen.

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