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Wolfratshausen:Freies Denken für die Altstadt

Bei der Bestandsaufnahme in der Loisachhalle machen viele mit.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Die Bürgerbeteiligung zur Umgestaltung der Marktstraße beginnt vielversprechend: Beim Auftakt in der Loisachhalle ist der Andrang groß. Nun sollen die Wolfratshauser Lösungen finden.

Das Interesse der Wolfratshauser, sich bei der Umgestaltung der Altstadt einzubringen, ist groß: Zur Auftaktveranstaltung der Bürgerbeteiligung kamen am Donnerstagabend gut 200 Besucher in die Loisachhalle. Auf Stellwänden haben sie in einer ersten Bestandsaufnahme festgehalten, wo sie in der Marktstraße und Umgebung Handlungsbedarf sehen: Vor allem Verkehr, Parken und Einkaufsmöglichkeiten wurden genannt. Im weiteren Verlauf sollen die Bürger nun Lösungen entwickeln, die im April dem Stadtrat vorgelegt werden, der einen Auftrag für die Planung vergeben soll. "Uns ist es wichtig, unsere Stadt gemeinsam mit den Bürgern für die Bürger zu gestalten", sagte Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) zu den Teilnehmern im Saal. "Wir brauchen Sie und Ihre Mitarbeit."

Die Bürgerbeteiligung ist auch eine Voraussetzung für Mittel aus der Städtebauförderung aus dem Bundesprogramm, an dem die Stadt teilnimmt. Heilinglechner betonte aber, dass es um mehr gehe: "Es kommt definitiv zu tief greifenden Veränderungen", sagte er. Diese bräuchten die Akzeptanz der Bürger. Stadtmanager Stefan Werner, der den Beteiligungsprozess maßgeblich organisiert hat, erklärte noch einmal den Umgriff der Umgestaltung: mit der Marktstraße zwischen Musikschule und Johannisgasse als Kernbereich, der aber im "Funktionszusammenhang" zur gesamten Altstadt betrachtet werden soll. Wie die Bürgerbeteiligung abläuft, erklärte Moderatorin Stephanie Pettrich vom Büro "Identität & Image", die den gesamten Prozess begleiten wird: Bei einem Stadtspaziergang am 14. Dezember soll die Bestandsaufnahme fortgesetzt werden.

"Herzstück des gesamten Prozesses" sei dann ein "Kreativtag" am 26. Januar, bei dem die Bürger in Kleingruppen von 10 bis 16 Uhr konkrete Lösungen entwickeln sollen. Diese werden dann bei einem "Machbarkeits-Check" im Februar von Fachleuten auf ihre Realisierbarkeit untersucht. Bei der Abschlussveranstaltung im März sollen dann die Ergebnisse vorgestellt und diskutiert werden, bevor sie als Empfehlung an den Stadtrat gehen.

An der Bürgerbeteiligung kann man auch online mitwirken: Mit der Applikation "PUBin Plan", die die Technische Hochschule Deggendorf in einem Forschungsprojekt entwickelt hat. Von Montag, 26. November, bis Freitag, 7. Dezember, können Bürger in einem "Brainstorming-Projekt" im Internet Ideen und Hinweise auf Probleme einbringen. Wie die Doktorandin Melanie Piser erklärte, kann man sich auf dem Portal unter pubinplan.th-deg.de mit E-Mail und Passwort registrieren und auch einen Newsletter zur Wolfratshauser Bürgerbeteiligung abonnieren. Zudem findet man wichtige Dokumente, die Karte und einen Zeitstrahl.

Beratend begleitet wird der Prozess von der Architektin und Stadtplanerin Claudia Schreiber, die die Randbedingungen der Umgestaltung skizzierte: Die Marktstraße bleibe Bundesstraße mit Tempo 50, betonte sie. "Das heißt aber nicht, dass keine Spielräume vorhanden sind." Die gebe es etwa bei Verkehrsführung, Parkplätzen, Grünflächen und Beleuchtung. Hier könne "durchaus mal frei gedacht" werden.

Das taten die Teilnehmer dann, als sie auf hunderten gelben und grünen Zetteln an Stellwänden zu fünf Rubriken vermerkten, wo es Handlungsbedarf gebe und was sie jetzt schon gut finden. Heraus kam ein Sammelsurium großteils altbekannter Brennpunkte, das nun ausgewertet und dokumentiert werden soll. Mehrfach bemängelten die Wolfratshauser zu viel Verkehr, und zu wenig Einkaufsmöglichkeiten, vor allem ein Nahversorger in der Altstadt wurde vermisst. Auch fehlen vielen Teilnehmern Begegnungspunkte, Ruheorte und Spielplätze. Bergwald, Loisach und historische Bausubstanz wurden als positiv empfunden, verbunden mit dem Wunsch, diese Potenziale besser in Szene zu setzen. Beim Parken gingen die Meinungen auseinander - die einen forderten mehr, die anderen weniger Parkplätze in der Altstadt. Umstritten ist auch das geplante Parkhaus am Hatzplatz.

Dass die Bürger sich über ihre Beteiligung bei der Altstadtumgestaltung freuen, zeigte die abschließende Fragerunde, bei der viele das Projekt ausdrücklich lobten. Was daraus wird, hängt nun von den Bürgern und vom Stadtrat ab. Bis die Aufwertung sichtbar ist, werden sich jedoch alle gedulden müssen: Wie Schreiber sagte, ist laut Regelwerk nach dem Stadtratsbeschluss im April eine europaweite Ausschreibung nötig. Mindestens ein halbes Jahr dauere es, bis man einen Fachplaner beauftragen könne. Die Detailplanung mit Kostenrechnung und Förderanträgen nehme dann mindestens ein Jahr in Anspruch. Beginnen können die Arbeiten also frühestens Ende 2020.

Alle Informationen und Termine zur Bürgerbeteiligung samt Dokumentation und Links gibt es online unter wolfratshausen.de/beteiligung