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Wolfratshausen:Förderer für das Nötigste

Gerhard Hasreiter bleibt Vorsitzender des Fördervereins. Er ist Mitglied des Kreisrats und sitzt für diesen auch im Aufsichtsrat der Kreisklinik.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Die Freunde der Kreisklinik haben seit ihrer Vereinsgründung schon mehr als eine halbe Million Euro beigetragen

Von Wolfgang Schäl, Wolfratshausen

Nackte Zahlen sind zwar dröge, aber unumgänglich, wenn es gilt, die Dimension von Hilfsbereitschaft eines Vereins über Jahre hinweg zu dokumentieren. Das haben die "Freunde der Kreisklinik Wolfratshausen" bei ihrer Jahresversammlung im Kasino des Krankenhauses getan, und sie sind auf erstaunliche Beträge gekommen. Seit Gründung des Fördervereins 1993 sind der Klinik 550 000 Euro für Anschaffungen zur Verfügung gestellt worden, für die das Krankenhaus sonst kein Geld gehabt hätte. Vorgeschlagen wurden die Förderprojekte jeweils von den Chefärzten und der Geschäftsleitung. Besonders beeindruckend ist die Bilanz seit 2009, die der Vereinsvorsitzende Gerhard Hasreiter präsentierte: Seither sind fast auf den Cent genau 200 000 Euro an Spendengeldern zusammen gekommen. 2014 war Hasreiters Bericht zufolge mit 56 000 Euro das zweiterfolgreichste in der Vereinsgeschichte.

Ein Schwerpunkt war seit 2009 die Palliativeinheit, die dank Mitgliedsbeiträgen und Spenden mit mehr als 67 000 Euro gefördert wurde. Die Anfangsfinanzierung in Höhe von 25 000 Euro hat der Verein allein übernommen, ein einziges Palliativbett kostet mehr als 5000 Euro. Weitere Förderschwerpunkte seit 2009 waren die Versorgung von Demenzpatienten, die in einer Akutklinik wie dem Kreiskrankenhaus immer schwierig ist, sowie die Schmerztherapie und die Geburtshilfe. Bei der Dementen-Betreuung müssen Ärzte und Pflegepersonal besonders geschult und die Ausstattung in den Krankenzimmern muss abgestimmt werden. Ferner übernimmt der Verein Aufwandsentschädigungen und Fortbildungskosten für ehrenamtliche Helfer in der Demenz- und der Palliativbetreuung. Namhafte Einzelspenden der Josef- und Maria-Kraft-Stiftung (11 000 Euro) sowie der Hans-Wolfgang-Tyczka-Stiftung wurden für zwei Niederflurbetten im Demenzzimmer und für eine ultraschallgesteuerte Schmerzkatheteranlage verwendet, mit der die Nerven der Patienten besser lokalisiert werden können.

Für die Aktivitäten des Vereins bedankte sich der Ärztliche Direktor Stefan Schmidbauer. Gerade in den vergangenen Jahren sei es den Mitarbeitern der Klinik verstärkt bewusst geworden, "wie gut es uns tut, sie als Freunde zu haben - nicht nur finanziell". Obwohl die Kreisklinik medizinisch große Fortschritte gemacht habe und den deutschlandweiten Standards in allen Therapiebereichen gerecht werde, gestalte sich die Ertragslage seit zwei Jahren höchst ungünstig. Es gelte wirtschaftlicher zu werden, sagte Schmidbauer. Dass so vieles auf Privatinitiative geschehen müsse, sei "beschämend".

Die gesellschaftlichen Prognosen für die Zukunft sind nach Schmidbauers Worten nicht rosig. Demnach sind bis 2050 etwa 3,1 Millionen Menschen dement, eine Zahl, die das Personal der Kliniken "vor eine Zerreißprobe stellen" werde. Unabhängig davon ist Schmidbauer "überrascht, wie viele unterernährte und einsame Patienten es gibt." Um all dem entgegen zu treten, habe man bereits eine "lokale Allianz" gebildet, ein Netzwerk, in dem man beispielsweise mit der Kreisbehörde, dem Verein "Lichtblicke" und dem AWO-Demenzheim zusammenarbeite. Dies alles sieht Schmidbauer unter dem Kostendruck der Krankenkassen. Die reagierten sofort mit Abzügen, wenn bei einzelnen Patienten der für die Behandlung vorgesehene Fixbetrag und die Verweildauer überschritten würden. So habe ein Kranker vor einigen Jahren im Schnitt noch 16,6 Tage in der Klinik verbracht, heute seien es 5,5 Tage. Dies sei "unbarmherzig für Menschen, die allein sind schlecht auf die Beine kommen".

Der neue gewählte Vorstand entspricht dem alten: Den Vorsitzenden Gerhard Hasreiter vertreten Dorit Rosnitschek-von Eicken und Helene Mendl, Schatzmeister bleibt Reinhard Bredtmann, Schriftführer Paul Brauner.

© SZ vom 29.06.2015

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