Süddeutsche Zeitung

Wolfratshauser Immobilie:Schlummerndes Millionenprojekt

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Wie soll es mit der Happschen Apotheke in der Wolfratshauser Innenstadt weitergehen? Ein Vorschlag der Steuerungsgruppe Fairtrade findet zwar Gefallen, deckt aber Probleme auf.

Von Claudia Koestler, Wolfratshausen

Seit Jahren liegt die Happsche Apotheke in der Innenstadt von Wolfratshausen im Dornröschenschlaf. Allerdings rückt sie seit der Eröffnung des neuen Gebäudes anstelle des ehemaligen Isar-Kaufhauses wieder stärker in den Fokus, steht das Gebäude doch gleich neben dem inzwischen stark frequentierten Geschäftshaus. Den Antrag der Steuerungsgruppe Fairtrade an die Stadt, die ehemalige Apotheke zu sanieren und darin den Eine-Welt-Laden einziehen zu lassen, musste die Gruppe in der jüngsten Stadtratssitzung allerdings wieder zurückziehen.

Vorausgegangen war eine intensive Debatte. Vor knapp acht Jahren hatte die Kommune das schmucke Gebäude gekauft, immer wieder gab es Ideen, was damit anzufangen sei - doch jede Form der Nutzung hat sich bisher als nicht machbar erwiesen. Denn das Gebäude steht unter Denkmalschutz. Und nicht nur das, auch das historische Inventar "ist integraler Bestandteil des Denkmals", erklärte Sabine Trinkl, Leiterin des Rathausreferats Planen und Umwelt.

Dritte Bürgermeisterin Annette Heinloth (Grüne) verwies bei den Erläuterungen zum Antrag darauf, dass Wolfratshausen seit 2019 den Titel "Fairtrade Town" trage. Der Eine-Welt-Laden habe seit seinem Umzug vor einigen Jahren an die Peripherie der Altstadt stark an Zulauf verloren.

Die Happsche Apotheke aber habe "eine besondere Lage, Ausstattung und historische Bedeutung". Als Gewerbeobjekt sei es schwer auf dem normalen Mietmarkt vermittelbar. Für eine städtische, verwaltungsinterne Nutzung sei kein Bedarf zu erkennen. Die Stadt müsse aber endlich tätig werden: "Zum einen aus Verantwortung für die bauliche Substanz, zum anderen aufgrund der Verpflichtung der Stadt, sich gegen Leerstand und Verfall in der Innenstadt zu stellen."

"Gute Idee", so der Tenor im Rat. Aber die Kosten einer Sanierung seien nicht zu unterschätzen. Zweiter Bürgermeister Günther Eibl (CSU) nahm an, dass die Ertüchtigung "sicherlich zwei bis drei Millionen Euro" kosten könnte. Er forderte eine Bestandsaufnahme, um zu klären, ob die Stadt selbst sanieren könnte - oder ein Investor die bessere Wahl wäre. Patrick Lechner (FDP) fasste die Fragestellungen im Gremium zusammen: "Was wollen wir mit der Immobilie machen, können wir uns die Sanierung leisten, oder gibt es Alternativen?" Klar sei, dass die Stadt "erst einmal mit der Denkmalschutzbehörde sprechen" muss, wie Trinkl betonte.

Angesichts dieser notwendigen Schritte, um überhaupt eine Diskussionsgrundlage für Nutzungsideen zu schaffen, zog Heinloth den Antrag der Steuerungsgruppe zurück.

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