Wolfratshausen:Mehr Platz für Radler

Wolfratshausen: Auf der Sauerlacher Straße konnte ein einseitiger Schutzstreifen erprobt werden – mit Erfolg. Das Modellprojekt bescheinigt ihm hohe Wirksamkeit, nun soll es die Markierungen bald an mehreren Straßen geben.

Auf der Sauerlacher Straße konnte ein einseitiger Schutzstreifen erprobt werden – mit Erfolg. Das Modellprojekt bescheinigt ihm hohe Wirksamkeit, nun soll es die Markierungen bald an mehreren Straßen geben.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Mit Schutzstreifen auf Hauptstraßen und zusätzlichen Aufstellflächen an Ampeln soll das Fahrradfahren in Wolfratshausen sicherer werden. Auch den Weg entlang der Loisach will der Stadtrat asphaltieren lassen.

Von Konstantin Kaip

Den Radverkehr zu verbessern, ist ein Anliegen, das Wolfratshausen seit Jahren verfolgt. Im Stadtrat gibt es die Arbeitsgruppe "Radroutenkonzept", in der Verwaltung bemüht sich Susanne Leonhard, selbst passionierte Radlerin, beharrlich, die Möglichkeiten auszuschöpfen. Radwege lassen sich in der Loisachstadt kaum realisieren, da die meisten Straßen dafür nicht breit genug sind. Nun aber soll das Radfahren in der Stadt sicherer und komfortabler werden. Dafür hat der Stadtrat hat am Dienstag ein ganzes Paket an Maßnahmen beschlossen: Auf den Hauptverkehrsadern Sauerlacher Straße, Äußere Sauerlacher Straße und Königsdorfer Straße sollen einseitige Schutzstreifen für Radler entstehen. Zudem soll es an vier Kreuzungen weitere Aufstellflächen für Fahrradfahrer geben. Und der Loisachuferweg soll asphaltiert und beleuchtet werden.

Die einseitigen Schutzstreifen hatte der Stadtrat bereits 2018 als "bevorzugte Führungsform des Radverkehrs auf den Hauptverkehrsstraßen" definiert, jedoch waren sie nicht zugelassen. Die Stadt konnte aber an einem Modellprojekt der Technischen Hochschule Nürnberg teilnehmen und seit August 2020 einen Schutzstreifen auf der Sauerlacher Straße erproben. Wie Leonhard berichtete, ist das Projekt, an dem fünf Kommunen teilnahmen, nun abgeschlossen. Mit Erfolg: Den Schutzstreifen sei von allen untersuchten Maßnahmen die höchste Wirksamkeit bescheinigt worden, sie verringerten das Tempo der Autofahrer beim Überholen und verbesserten das Sicherheitsempfinden der Radler deutlich, um durchschnittlich 51 Prozent.

Auf dieser Grundlage sollen sie nun laut einstimmigem Beschluss auch auf der Sauerlacher und Äußeren Sauerlacher Straße Richtung Osten installiert werden, und zwar zwischen Wasen und Floßkanal und weiter bis zum Bahngleis. In der Gegenrichtung soll der Radverkehr über Flößer- und Steghiaslweg geleitet werden - sowie vom Bahngleis bis zur Isarstraße, mit einem gemeinsamen Rad- und Fußweg Richtung Westen. Auf der Königsdorfer Straße soll der Schutzstreifen die Radler zwischen Wasen und Bahngleis nach Süden führen, mit Fuß-und Radweg auf der gegenüberliegenden Seite. Über die Gleisbrücke soll beidseitig ein Fuß- und Radweg führen, zwischen Bahngleis und Schießstättstraße soll der Schutzstreifen dann Richtung Norden verlaufen, mit Fuß- und Radweg auf der anderen Seite. Die Regelungen dafür sollen bei den Verkehrsbehörden beantragt werden.

Zudem soll es weitere Aufstellflächen für Radler an Ampeln geben, wie schon am Moosbauerweg und an der Margeritenstraße. Die Grünen hatten diese in einem Antrag für fünf Kreuzungen gefordert. Die Radroutenkonzept-Gruppe hatte sich nach ausführlicher Diskussion darüber verständigt, die Aufstellflächen nur dort zu installieren, wo der Radverkehr "gewollt" auf der Fahrbahn geführt wird und ein Schutzstreifen zur Haltelinie möglich ist. Realisiert werden sollen diese nun an der sogenannten Roma-Kreuzung auf der Schießstättstraße in zwei Richtungen, auf der Tapsi-Kreuzung (B 11 in zwei und Schießstättstraße in einer Richtung), an der Friedhofskreuzung (Weidacher Hauptstraße und Sauerlacher Straße), sowie an der Kreuzung am Wasen (Königsdorfer Straße und Johannisgasse, je in eine Richtung). Nur Günther Eibl und Peter Plößl (beide CSU) stimmten gegen den Beschluss.

Komfortabler soll das Radeln auch auf dem Loisachuferweg werden, dessen Ausbau bereits 2014 beschlossen wurde. Die Stadt konnte seitdem zwar einen Grundstücksstreifen erwerben, allerdings haben sich laut Leonhard vier Eigentümer gegen einen Verkauf und eine Asphaltierung ausgesprochen, da sie "eine noch schlimmere Rennstrecke für Radler" befürchten. Der Weg, der am Fluss entlang vom Hatzplatz zum Gewerbegebiet und über den Walsersteg zum Geltinger Bahnweg führt, wird inzwischen im Alltagsroutennetz des Landkreises als "Regionale Hauptroute" gelistet. Das Staatliche Bauamt Weilheim übernimmt laut Beschlussvorlage die Kosten der Asphaltierung zwischen Brücke, Bahnweg und der Einmündung zum Paradiesweg. Die Kosten für den verbleibenden Kilometer, circa 400 000 Euro, muss die Stadt tragen. Eine Förderung ist laut Leonhard nicht möglich, da dafür der gesamte Weg gewidmet sein müsste.

Die Maßnahme war im Stadtrat jedoch umstritten. Zwar seien gute Radwege wichtig, sagte Dritte Bürgermeisterin Annette Heinloth (Grüne). Die Strecke werde aber auch von Familien, Senioren und Anwohnern als Fußweg genutzt und diene Kindern als Schulweg. Sie dürfe daher nicht asphaltiert werden. Dies führe nicht nur zu einer vermeidbaren Versiegelung, sondern schüre auch Konflikte unter den Verkehrsteilnehmern. Dem pflichtete Patrick Lechner (FDP) bei, der zudem eine "Lichtverschmutzung" durch die Beleuchtung befürchtete. Am Ende stimmten Grüne, SPD und Lechner gegen den Beschluss, unterlagen jedoch mit zehn zu 15 Stimmen.

Die Stadträte dankten Leonhard, die zuvor ihren elften und letzten Sachstandsbericht zum Radverkehr gegeben hatte. Sie habe ein Konzept "mit Leben erfüllt, weil es ihr eine Herzensangelegenheit ist", sagte Manfred Fleischer (Wolfratshauser Liste). Künftig soll sich eine Mobilitätsmanagerin um den Radverkehr in Wolfratshausen kümmern. Wie Leonhard sagte, soll diese im Oktober ihr Amt antreten.

© SZ vom 23.09.2021
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