Wolfratshauser Schlittschuhbahn "Eiszeit":Populär, aber defizitär

Eiszeit Wolfratshausen 2017

Mehr als 7000 Schlittschuhläufer zogen ihre Runden. Trotz Verlust stellt der Stadtrat die Kunsteisbahn nicht infrage - zumindest nicht fürs kommende Jahr.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Obwohl mehr Besucher als erwartet die Schlittschuhbahn nutzten, bleibt der Stadt ein Minus von 57 000 Euro.

Von Wolfgang Schäl

Mit der Wolfratshauser "Eiszeit" ist es ähnlich wie mit dem defizitären Flussfestival: Vom tollen Erfolg der Schlittschuhbahn an der Alten Floßlände sind alle begeistert, von den roten Zahlen dagegen deutlich weniger. Etwas mehr als 57 000 Euro musste die Stadt für die Wintersaison 2017/18 zuschießen, damit die Bürger ihre flotten Runden auf dem Eis drehen konnten. Das ist erkennbar mehr als gedacht, denn im vergangenen Jahr hatte der Stadtrat eine Finanzierungslücke von lediglich 38 000 Euro gebilligt.

Zumindest im kommenden Jahr soll die Veranstaltung trotzdem wieder stattfinden, darüber herrschte in der jüngsten Sitzung des Stadtrats Einigkeit. Allerdings musste Tourismusmanagerin Gisela Gleißl ausführlich erläutern, wie das fünfstellige Minus zustande kommen konnte. An den Besucherzahlen hat es nach Gleißls Bericht zumindest nicht gelegen. Denn statt der einkalkulierten 6000 Besucher haben mehr als 7000 Sportbegeisterte die Schlittschuhe geschnürt. Als problematisch hat sich hingegen einmal mehr der Veranstaltungsort im Herzen der Stadt erwiesen. Die Alte Floßlände neigt sich zur Loisach hin um rund einen Meter, das Gefälle muss für die Errichtung der Eisbahn deshalb kostenträchtig ausgeglichen werden. Allein für die Bauhofarbeiten hat die Stadt zusammengerechnet knapp 27 000 Euro aufgewendet.

Dazu kommt der schwierige Untergrund, der es bei zu warmem Winterwetter erforderlich macht, die morastige Veranstaltungsfläche mit Hackschnitzeln begehbar zu erhalten. Vor einigen Jahren wurde das Gelände zwar schon einmal nachhaltig befestigt, um Veranstaltungen wie das jährliche Sonnwendfest zu ermöglichen, ausreichend ist dies aber nach wie vor nicht. Weil die Fläche nicht der Stadt, sondern dem Freistaat gehört, müssten weitere Maßnahmen wie Drainagen erst mit dem Bauamt Weilheim abgeklärt werden. Helmut Forster (BVW) plädierte deshalb für Verhandlungen mit dieser Behörde, um zu ermöglichen, dass für die auf die Hanglage und die auf die schwierige Beschaffenheit des Untergrundes zurückzuführenden Kosten irgendwann "eine Deadline gezogen werden kann". Auch SPD-Sprecher Fritz Schnaller sprach sich dafür aus, die Fläche ein weiteres Mal aufzurüsten, denn die Alte Floßlände werde immer mehr "zum Eventplatz". Gerade deshalb sei "ein Unsicherheitsfaktor von plus/minus 30 Prozent bei den Kosten auf Dauer unbefriedigend". Eine Punktlandung sei da unmöglich, zumal gerade dieses eine Problem der Bodenbeschaffenheit "eine Unmenge an Feinarbeit" erfordere, so Gleißl.

Vor diesem Hintergrund stellte Günther Eibl im Namen der CSU die Frage, "welches Defizit wir bereit sind zu decken". Seine Fraktion sehe sich jedenfalls nicht in der Lage, "jetzt schon für zwei Eiszeiten zu planen". Grundsätzlich infrage stellen wollte die "Eiszeit" aber niemand, ganz im Gegenteil. Die Atmosphäre sei wunderbar gewesen, hieß es einmütig im Anschluss an eine Videovorführung, die in der Sitzung gezeigt wurde. Wolfratshausen sei überregional positiv dargestellt worden. Mit Blick auf die öffentliche Resonanz sprach sich der Stadtrat schließlich mit 21:0 Stimmen für eine Verlängerung des Projektes auf der Grundlage der jetzigen Zahlen aus, allerdings nur beschränkt auf die Wintersaison 2018/19.

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