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Wolfratshausen:Eine Million für die Muckis

Michael Denk in seinem Wolfratshauser Fitnessstudio. Die Corona-Auszeit hat der 52-Jährige für große Investitionen genutzt.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Am Montag dürfen Fitnessstudios nach langer Corona-Pause wieder öffnen. Das Studio "Smart Workout" hat viel Geld in den Neuanfang investiert

Von Marie Heßlinger, Wolfratshausen

- "Fitness wie früher wird es nie wieder geben", sagt Michael Denk. Der Betreiber des Fitnessklubs "Smart Workout" in Wolfratshausen spricht mit ruhiger Stimme. Man weiß nicht so recht, ob darin Bedauern oder Vorfreude mitschwingt. Hinter ihm herrscht Baustellenchaos. Am Montag wird sein Fitnessstudio nach langer Corona-Pause wieder öffnen.

"Wir haben das ganze Kursprogramm geändert", sagt Koordinatorin Tina Zantel. Nicht zu anstrengend darf es werden, wegen der Aerosole. Koordination, Stabilisation und "innere Mitte", das hat sich die Trainerin deshalb als Themen für ihre Kurse überlegt, bei denen künftig nur noch 15 statt 30 Teilnehmer mitmachen dürfen. Die Mitglieder dürfen außerdem nur noch eine Stunde pro Tag trainieren, sie müssen im Sportoutfit und mit eigenen Handtüchern erscheinen - und natürlich die Hygieneregeln beachten. Auch die Trainingsgeräte selbst werden darauf achten, dass die körperliche Belastung nicht zu groß wird: Das sei so programmiert, sagt Denk.

Der Studiochef hat die Corona-Auszeit genutzt, um sein Studio komplett umzurüsten und zu renovieren. Alle Fitnessgeräte hat er gegen neue getauscht. Diese sind nun miteinander vernetzt. Die Kosten für dieses System liegen im Millionenbereich. "Ein Gerät kostet so viel wie ein Auto", sagt Denk. "Aktuell sind es 16 Autos", bis September sollen es 22 sein. "In der Krise musst du investieren, das war schon immer so", sagt der 52-Jährige.

Als sein Studio schließen musste, sei das ein Schock gewesen. Zwar habe sein Team schon zwei Wochen vorher ein "mulmiges Gefühl" gehabt, doch vor allem die Unsicherheit, wann es wieder losgehen kann, sei schwierig gewesen. Zusammen mit seiner Frau, den drei Söhnen und anderen Mitarbeitern hat Denk dann die Renovierungsarbeiten angefangen: Neue Böden, neue Lampen, neue Wandfarben - selbst die Soundanlage wurde aufgerüstet. Alles in Etappen, man habe ja nie gewusst, wann die Wiedereröffnung komme. Eine Sammelklage seines Verbands vor drei Wochen, glaubt Denk, habe dazu beigetragen, dass er nun die Eröffnungserlaubnis habe.

Am Montag geht es auch für ihn wieder richtig los: Trainer Josef Forster an einem Beinstrecker.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Hinter Denk ertönt ein Staubsauger. An vielen Stellen steht noch Gerümpel. Doch die wichtigsten Fitnessbereiche seien nun fertig. Denk führt zum ersten Bereich, dem "Integrationsbereich": "Jeder Mensch, der eine dysbalancierte Muskulatur hat, kommt hier erst einmal rein für zwölf Wochen." Mit seinem Armband öffnet er eines der Geräte. Auf dem Display erscheinen Optionen wie "Abnehmen", "Figurtraining" oder "Muskelaufbau." Man könne sich für eines der Programme entscheiden, die eigene körperliche Leistung werde dabei analysiert, die umliegenden Geräte stimmten ihre Trainingsprogramme dann darauf ab.

Denk zeigt eine App auf dem Handy: "Konzentriere dich mehr auf deine vordere Schulter", zeige die ihm beispielsweise an. Das Training werde dadurch effizienter und mache mehr Freude, sagt er. Die Sauna hat sein Team zu einem Beautybereich umgebaut. Dort könne man an einem Gerät "Fett verbrennen, ohne Sport zu machen". An der Wand hinter Denk hängen neue Bilder mit Regenwald-Motiv - die Ziegelsteintapete ist ebenfalls neu.

Wie groß die Verluste durch die Corona-Krise für ihn seien, sagt Denk, "das ist schwer zu beziffern". Zwar sei ein Großteil der Mitglieder treu geblieben. Doch Zusatzeinnahmen durch Personaltraining, Beautystunden oder Geschenkgutscheine seien weggebrochen. "Du wirst 2020 definitiv mit keinem Gewinn rausgehen", so Denk. Andererseits sagt er aber auch: "Vielleicht kommen wir aber auch gestärkt heraus, das kann auch sein." Vielleicht würden sich viele nach den Corona-Erlebnissen sagen: "Hey, jetzt muss ich mehr für meine Gesundheit tun."

Fitness wie früher werde es trotzdem nicht mehr geben, wiederholt sich Denk. Denn: "Dieses lockere Klubleben ist jetzt eingeschränkt." Doch Denk sieht auch eine Chance in diesem Wandel: "Unser Status muss sich verändern", fordert er. Die Fitnessbranche sei momentan noch in der Freizeitbranche angesiedelt, aber da gehöre sie nicht hin. "Wir gehören in die Gesundheitsbranche."

© SZ vom 06.06.2020

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