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Wolfratshausen:Eine Antwort auf Parteiengezänk

Starkbierfest 2015

BVW-Übervater Helmut Forster.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Die Bürgervereinigung Wolfratshausen wurde vor 20 Jahren gegründet. Das wird jetzt gefeiert

Von Matthias Köpf, Wolfratshausen

Die Bürgervereinigung Wolfratshausen macht Politik und hat mit den drei Buchstaben "BVW" auch ein angemessenes Kürzel. Eine Partei will die Bürgervereinigung, die am Samstag, 6. Juni, in der Loisachhalle mit geladenen Gästen ihr 20-jähriges Bestehen feiert, trotzdem nicht sein. Auch nicht als Teil der Freien Wähler, denen sie sich auf Kreisebene - und nur dort - zugehörig fühlt. In der Wolfratshauser Lokalpolitik ist die BVW mit ihren 20 Jahren zur erfolgreichsten Gruppe herangewachsen, mit acht Ratsmandaten wie die CSU, aber im Gegensatz zu dieser auch mit dem Amt des Bürgermeisters.

Diesen Erfolg darf die Bürgervereinigung sich selbst und ihrem politischen Personal auf die Fahnen schreiben. Zugleich verdankt sie ihn genau jenen, von denen sie sich so gerne unterscheiden will: den Wolfratshauser Parteien. Denn mit deren notorischem Gezänk waren eine Handvoll Wolfratshauser Bürger im Sommer 1995 so unzufrieden, dass sie sich zur BVW vereinigten und schon wenige Monate später im Frühjahr 1996 nach denkbar kurzem Wahlkampf zu ihrer ersten Stadtratswahl antraten. Der selbst durchaus streitbare Walter Ebner schaffte es auf Anhieb in den Rat, gab sein Mandat aber zum Jahresende 1998 aus gesundheitlichen Gründen zurück. Seither sitzt Helmut Forster ohne Unterbrechung im Wolfratshauser Stadtrat - und er erinnert sich noch gut, wie ihn CSU und SPD einmal ganz alleine im Saal sitzen ließen, um vor der Tür das Nötige auszuhandeln. Bei der nächsten Wahl 2002 gesellten die Wolfratshauser dem einsamen BVW-Rat Forster den heutigen Fraktionssprecher Josef Praller hinzu, Forster wurde Dritter Bürgermeister. Die SPD stellte mit Reiner Berchtold den Bürgermeister, und für die CSU füllte der Ex-Grüne Manfred Fleischer ein Amt aus, das in der Lokalpolitik zumindest in dieser Ausprägung eigentlich gar nicht vorgesehen ist, nämlich das des Oppositionsführers. Dazwischen absorbierte die bürgerlich-konservative BVW über die Jahre in all ihrem Pragmatismus Forsterscher Prägung die FDP, die Freien Wähler und die CSU-Abspaltung Union Wolfratshausen - und sie wurde zum Hoffnungsträger derjenigen Wolfratshauser, die ihre Stadt im Dauerstreit versinken sahen zwischen der SPD und einer CSU, die ihre Honoratioren an den Rand gedrängt und sich rein aufs Wadlbeißen verlegt hatte.

2008 wurde Forster schließlich Erster Bürgermeister, seine BVW errang acht Mandate, was unverhofft eine ganze Reihe von vermeintlichen Zählkandidaten von der BVW-Liste in die Stadtpolitik brachte - unter anderem Klaus Heilinglechner, der dem BVW-Übervater Forster 2014 als Bürgermeister nachfolgte, als dieser altersbedingt nicht mehr antreten durfte. Die BVW versammelt zu ihren monatlichen lokalpolitischen Abenden längst weit mehr Mitglieder und Gäste als alle anderen Gruppen. Beim Jubiläumsabend in der Loisachhalle soll aber weniger politisiert und mehr gefeiert werden, unter anderem mit Musik und einem Zauberer.

© SZ vom 29.05.2015

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