Wolfratshausen:Ein Ort für das Gedächtnis der Stadt

Der Streit um den richtigen Standort für das Wolfratshauser Stadtarchiv verschärft sich. Der Historische Verein jetzt offen für das Badehaus in Waldram. Das Archiv soll unter ein Dach mit der Dokumentationsstätte für das Lager Föhrenwald.

Matthias Köpf

Der Historische Verein geht in der Debatte über das künftige Wolfratshauser Stadtarchiv in die Offensive: In einem Brief an Bürgermeister Helmut Forster (BVW) und alle Stadträte listet der Verein zahlreiche Argumente auf, die aus seiner Sicht für ein Archiv im früheren jüdischen Badehaus am Waldramer Kolpingplatz sprechen. Zugleich haben die Initiatoren des Bürgerantrags gegen den bereits beschlossenen Neubau am Loisachufer die Nachteile zusammengefasst, die sie bei dieser Lösung sehen.

Die Diskussion über das Archiv dauert an, seit der städtische Bauausschuss im Februar für viele Bürger überraschend einen Neubau neben dem bisherigen Archiv am Loisachufer beschlossen hat. Nach vielen Protesten und einem entsprechenden Bürgerantrag hat der Ausschuss am Mittwoch beschlossen, das Thema an den gesamten Stadtrat zu überweisen. Vor der Sitzung legt der Historische Verein den Stadträten nun ans Herz, das Archiv in das frühere Badehaus zu integrieren, das der Verein zu einem Dokumentationszentrum zur Waldramer Lager- und Ortsgeschichte machen will.

Demnach ist das Gebäude groß genug und eignet sich gut als Archiv - eine Einschätzung, die der zuletzt am Mittwoch bekräftigten Haltung von Bürgermeister und Stadtverwaltung widerspricht, die der Historische Verein aber mit einer Stellungnahme des staatlichen Archivdirektors für Oberbayern, Peter Fleischmann, untermauert. Fleischmann geht darin auch auf Sicherheitsanforderungen ein, die aus seiner Sicht im Badehaus durchaus erfüllbar sind. Die gern genannten strengeren Maßstäbe sind aus Sicht des Historischen Vereins nur Maximalforderungen für große Neubauten, die aber auch dann kaum finanzierbar seien.

Für die Stadt ist es nach Ansicht des Vereins dagegen nicht nur städtebaulich, sondern auch wirtschaftlich sinnvoller, ihr wertvolles Ufergrundstück zu behalten und stattdessen die ohnehin zugesagte Beteiligung am Dokumentationszentrum in Form des Stadtarchivs zu leisten und so die Mitte Waldrams zum "Gedächtnis der Stadt" aufzuwerten. Dies könne vielerlei Fördermittel einbringen und koste sicher weniger als die für den Neubau eingeplanten 1,45 Millionen Euro. Die von Forster stets geforderte Nähe des Archivs zum Rathaus ist in den Augen des Vereins nicht nötig, wie unter anderem das Beispiel München zeige.

Schon zuvor hatten sich auch die Initiatoren des Bürgerbegehrens mit einem Schreiben an die Stadträte gewandt. Darin äußern sie große Zweifel daran, dass das jetzige Archiv im ersten Stock des Pumpenhauses Teil eines neuen Archivkomplexes werden kann. Der Bau diene zuvorderst der Abwasserentsorgung und der Stromversorgung, die Anlagen samt ihrer regelmäßigen Wartung seien auf Dauer nicht mit den Sicherheitsanforderungen für ein Archiv sowie mit einem größeren Publikumsverkehr vereinbar.

Die in den Neubau-Plänen enthaltenen Schauräume für das nahe Heimatmuseum sind aus Sicht der Kritiker weder sinnvoll mit Exponaten zu bestücken noch mit vertretbarem Personaleinsatz zu überwachen. Dass ein solcher Archivkomplex mehr Menschen in die Altstadt lockt, bezweifeln die Verfasser ebenso wie der Historische Verein.

Der lädt die Stadträte an diesem Sonntag sowie am Montag ins Waldramer Badehaus ein, um sich selbst von den dortigen Möglichkeiten zu überzeugen. Der Stadtrat tritt am Dienstag zusammen.

© SZ vom 07.07.2012
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