Wolfratshausen:Wolfratshausen will sich öffnen

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Vorankündigung zum Wirtefest

Verlockende Aussicht: Würde Wolfratshausen zur Modellregion im Freistaat, könnte der Biergarten der Flößerei wieder aufmachen.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Stadt und Verbände bewerben sich als Corona-Modellregion mit einem Tagesticket nach Tübinger Vorbild. Referenz ist die 1500-fach erprobte Corona-Teststation am Schwankl-Eck.

Von Konstantin Kaip, Wolfratshausen

Die Stadt Wolfratshausen hat sich als eine Modellregion in Bayern beworben, um den Bürgern mit Hilfe einer erweiterten Testpflicht wieder einzelne Bereiche des öffentlichen Lebens zugänglich machen zu können. Mit Hilfe von kostenlosen tagesaktuellen Corona-Schnelltests sollen alle mit negativem Ergebnis ein "Tagesticket WOR" erhalten, das ihnen 24 Stunden lang Zugang zu Handel, Gastronomie und Kultur gewährt. Die Dritte Bürgermeisterin Annette Heinloth (Grüne), Stadträtin Ulrike Krischke (BVW), Ines Lobenstein (Caritas) und Robert Klingel von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) haben dazu ein Konzept entwickelt und einen Antrag an Ministerpräsident Markus Söder und die bayerische Staatsregierung geschickt. Unterstützt werden sie dabei von Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) und Landrat Josef Niedermeier (Freie Wähler).

Die Antragsteller, die inzwischen auch von zahlreichen Vereinen, Vertretern des Einzelhandels und der Gastronomie bestärkt werden, setzen auf die Erfahrungen, über die Wolfratshausen bereits mit der Teststation am Schwankl-Eck verfügt. Seit Dezember seien dort mehr als 1500 Tests vorgenommen worden, heißt es in dem Schreiben. "Diese Station ist zentral am Markteingang situiert, hat ein erfahrenes, professionelles Team aus Ärzten, der lokalen DLRG und geschultem Testpersonal", heißt es im Konzept. Die bewährte Infrastruktur könne "in kürzester Zeit erweitert" und "die Testkapazität vervielfacht werden". Eine "breite Unterstützung von Vereinen und Privatpersonen" lasse weitere Teststationen im Markt sowie in den Stadtteilen Farchet und Waldram zu.

Laut Konzept soll an den Teststationen geschultes Personal kostenlos sogenannte PoC-Antigen-Schnelltests anbieten. Bei negativem Ergebnis erhalten die Getesteten ein Tagesticket, das es ihnen für 24 Stunden erlaubt, Geschäfte, Außengastronomie oder Kulturveranstaltungen im gesamten Stadtgebiet zu besuchen. Im Gegenzug dürften die Betriebe und Einrichtungen, die normalerweise bei einer Inzidenz von mehr als 50 schließen müssten, unter der Verpflichtung, die Einhaltung der Schnelletestpflicht zu überprüfen, wieder öffnen.

Die Tagestickets sollen zunächst in gedruckter Form mit Unterschrift und QR-Code ausgegeben werden. Denkbar sind laut Konzept später auch elektronische Tickets, etwa mit der App "SchnelltestToGo", mit der die Tickets als Bändchen mit QR-Code am Handgelenk ausgegeben werden könnten. Die Testpflicht soll auch für Geimpfte gelten, Selbsttests sollen nicht gestattet sein. Tickets sollen jedoch auch mit von Ärzten bescheinigten aktuellen negative Testergebnissen ausgestellt werden.

Tagesticket Wolfratshausen

Fahrkarte zur Freiheit: Das "Tagesticket WOR" soll die Teilnahme am öffentlichen Leben ermöglichen.

(Foto: privat/oh)

Wie Ulrike Krischke berichtet, hat sie die Idee bereits in der vergangenen Woche in den Sozialen Netzwerken publik gemacht, nachdem sie über einen entsprechenden Modellversuch in Tübingen gelesen hatte. Heinloth, Lobenstein und Klingel hätten ihre Unterstützung zugesagt, am Samstag habe es die erste Videokonferenz gegeben. Durch die von Lobenstein, DLRG und Kulturverein Isar Loisach (KIL) betriebene Teststation habe man "eine unglaublich gute Erfahrungsgrundlage", sagt Krischke. "Es ging darum, das Ganze in ein Konzept zu fassen, das auch tragfähig ist."

Am Dienstag hat Ministerpräsident Söder in Aussicht gestellt, dass nach Ostern zunächst in vier Modellregionen in Bayern mit Tests Öffnungen möglich sein sollen, inzwischen sollen es acht sein. "Da war uns klar, dass wir sehr, sehr schnell sein müssen", sagt Krischke. Am Mittwoch hätten sie und ihre Mitstreiter Konzept und Anschreiben ausgearbeitet und parallel mit Vereinen und den Betreibern von Apps Kontakt aufgenommen. Bürgermeister Heilinglechner und Landrat Niedermaier hätten bereits zuvor beide ihr Okay gegeben. Mitgetragen werde der Antrag, dem auch eine Liste mit mehr als 100 Unterstützern beiliegt, zudem von allen Fraktionen im Stadtrat sowie vom Landtagsabgeordneten Martin Bachhuber (CSU).

Ob Wolfratshausen tatsächlich für das Modellprojekt in Frage kommt, bleibt indes ungewiss. Schließlich haben sich bereits viele Kommunen für das angekündigte Lockerungsprogramm beworben. "Wir haben den Vorteil, dass wir schon eine Teststation haben, die sehr gut läuft", sagt Heinloth. "Das wollten wir in die Waagschale werfen." Die Dritte Bürgermeisterin und ihre Mitstreiter sind aber jetzt schon überwältigt von der Unterstützung, die sie erfahren haben. Die Pandemie habe viel angestaut, sagt Lobenstein. "So ein Projekt könnte all die Energien in etwas Positives umwandeln."

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