AsylpolitikWolfratshausen lehnt Container für Geflüchtete ab

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Die Container, die an der Königsdorfer Strasse  gelagert sind, sollen hergerichtet werden und dort Platz für bis zu 48 Geflüchtete bieten.
Die Container, die an der Königsdorfer Strasse  gelagert sind, sollen hergerichtet werden und dort Platz für bis zu 48 Geflüchtete bieten. (Foto: Hartmut Pöstges)

Der Bauausschuss des Stadtrats stellt sich gegen den Plan des Landkreises, sechs Mobilhäuser am alten Lokschuppen an der Königsdorfer Straße aufzustellen. Damit könnte sich die Zahl der Asylsuchenden auf dem Grundstück auf 150 erhöhen.

Von Klaus Schieder, Wolfratshausen

Klaus Heilinglechner (BVW) vermochte seinen Unmut nur mühsam zu verbergen. Hinter dem alten Lokschuppen und neben einer früheren Werkstatt an der Königsdorfer Straße hatte der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen mehrere Wohncontainer deponiert. Als der Wolfratshauser Bürgermeister nachhakte, warum die Mobilhäuser dort stünden, erhielt er nach eigenem Bekunden zur Antwort, dass sie hergerichtet und dann nach Geretsried gebracht werden sollten.

Nun aber wurde er mit einem Antrag des Landkreises konfrontiert, der etwas ganz anderes vorsieht: Auf dem Grundstück sollen sechs Container für 48 weitere Asylsuchende aufgestellt werden. „Ich war, vorsichtig gesagt, überrascht“, erklärte Heilinglechner im Bauausschuss des Stadtrats. „Ich sage jetzt nichts dazu.“ Nur so viel: Vielleicht habe es ja ein Missverständnis gegeben.

Geplant ist, vier Mobilheime in der Mitte des Areals zu platzieren, die jeweils zehn Meter lang und sechs Meter breit sind. Hinzu kommen noch zwei im Süden des Grundstücks, die halb so lang sind. Die Nutzungsdauer ist auf drei Jahre befristet, sofern dies aus asylpolitischen Gründen notwendig ist. Die Gesamtzahl der Geflüchteten, die an der Königsdorfer Straße untergebracht sind, würde sich damit auf insgesamt 150 erhöhen.

Vor einem Jahr hatte der Stadtrat gebilligt, den alten Lokschuppen als Asylunterkunft zu nutzen. Die Nebenräume im Erd- und Obergeschoss sollen entsprechend umgebaut werden. Es soll eine Küche mit Essbereich geben, Gemeinschaftszimmer und Schlafräume im Erd- und Obergeschoss. Draußen sind ein Kinderspielplatz und vier Parkplätze geplant, obendrein eine neue Zufahrt von Nordosten.

„Wir sind nach Strich und Faden veräppelt worden“, sagt Stadtrat Michael Baindl

Dem folgte im März dieses Jahres ein weiterer Antrag. Demnach sollte auch die eingeschossige Werkstatt als Flüchtlingsquartier dienen. Außerdem wollte der Landkreis zwei Waschcontainer aufstellen. Das lehnte der Stadtrat ab. Das Ganze wurde umgeplant und ging im September abermals in den Bauausschuss, der sein Nein – knapp mit fünf zu fünf Stimmen – bekräftigte. Nun also der dritte Anlauf.

„Wir sind nach Strich und Faden veräppelt worden“, befand Stadtrat Michael Baindl (BVW) und kritisierte die „Salamitaktik“ des Landkreises. Ähnlich äußerte sich Richard Kugler (Liste WOR): „Es wird sich nicht an das gehalten, was beantragt wurde.“ Auch Hans-Georg Anders von den Grünen sprach sich gegen das Vorhaben aus. Zwischen den Bestandsgebäuden werde „ein Container-Riegel reingequetscht wie eine Sardinenbüchse“, sagte er. Das sei auch aus städtebaulicher Sicht nicht hinzunehmen.

Stadträtin Gerlinde Berchtold (SPD) stellte den Antrag, eine Veränderungssperre für das Grundstück an der Königsdorfer Straße zu erlassen.
Stadträtin Gerlinde Berchtold (SPD) stellte den Antrag, eine Veränderungssperre für das Grundstück an der Königsdorfer Straße zu erlassen. (Foto: Harry Wolfsbauer)

Gerlinde Berchtold (SPD) plädierte dafür, eine Veränderungssperre für das Areal an der Königsdorfer Straße zu erlassen. Dies sei das einzige Instrument für Wolfratshausen, um sich gegen zusätzliche Anträge mit immer neuen Ideen zu wehren, meinte sie. „Dass man einfach mal sagt: Jetzt ist gut.“ Auch Josef Praller (BVW) sieht keinen anderen Weg und verwies auf die Planungshoheit der Kommune.  Der Stadtrat soll in seiner Sitzung am 28. Oktober über die Veränderungssperre entscheiden, eine Zustimmung dürfte Formsache sein.

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