Sicherheitswacht in Wolfratshausen "Bürgerlicher Zusammenhalt"

Die Polizei nimmt jetzt Bewerbungen für die ehrenamtliche Sicherheitswacht in der Loisachstadt entgegen. 40 Stunden Ausbildung und acht Euro pro Stunde als Entschädigung.

Von Claudia Koestler

Die Stadt Wolfratshausen führt als erste Kommune im Landkreis eine Sicherheitswacht ein - und sucht dafür ab sofort Bewerber. Den Beginn für Bürger, die sich für diese ehrenamtliche Tätigkeit interessieren, gaben Polizeipräsident Robert Kopp, Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) und der Wolfratshauser Polizeileiter Andreas Czerweny am Montag bei einer Pressekonferenz bekannt.

"Wir haben eine gute Sicherheitslage, auch in Wolfratshausen, das ist Fakt", sagte Kopp. Tatsache sei aber auch, dass sich die Bürger zunehmend verunsichert fühlten. Dagegen helfe eine effektive und sichtbare Polizei, "aber auch der zusätzliche Einsatz einer Sicherheitswacht", so der Polizeipräsident. Zwischen vier und acht Bewerber strebt Wolfratshausen zunächst an. "Wenn es zehn werden - super", sagte Czerweny. Die Ausbildung der künftigen Mitglieder der Wolfratshauser Sicherheitswacht übernehmen Polizeikommissar Nikolaus Hohenreiter und Polizeiobermeister Thomas Willibald; sie soll 40 Stunden umfassen. Bewerber müssen deutsche Staatsangehörige und zwischen 18 und 62 Jahre alt sein, eine abgeschlossene Schul- und Berufsausbildung und einen guten Leumund haben. Sie sollten aus Wolfratshausen kommen. Erscheinen sie nach einem Eignungstest den Anforderungen gewachsen, werden sie in vielerlei Hinsicht geschult: Sie erhalten Einführungen in die Zuständigkeiten von Polizei und Sicherheitsbehörden, erfahren, was strafrechtlich relevant ist und welche Stadtverordnungen es gibt. Sie lernen in Rollenspielen, wie man sich in bestimmten Situationen verhält und wie die Ausrüstung, die unter anderem Reizgas enthält, zu bedienen ist. Etwa fünf Stunden pro Monat soll dann ihre Einsatzzeit betragen. Dafür gibt es eine Aufwandsentschädigung von acht Euro pro Stunde, auch schon während der Ausbildung.

In 131 bayerischen Städten gibt es laut Kopp inzwischen 108 Sicherheitswachten, in denen sich mehr als 800 Ehrenamtliche engagieren. "Es ist ein Erfolgsmodell. Hier übernehmen Bürger Verantwortung", sagte Kopp. Damit erfüllten sie eine wichtige Vorbildfunktion und stellten ein Bindeglied dar zwischen Bürgerschaft und Polizei. Allerdings, so betonte er, seien sie kein Ersatz für die Polizei oder gar Hilfssheriffs, "sondern eine sinnvolle Ergänzung".

So sieht die Uniform der Sicherheitswacht in Schongau aus. Eine Ehrenamtliche von dort erklärt, sie verstehe sich als Gesprächspartnerin - das Reizgas, das zur Ausrüstung gehört, habe sie noch nie gebraucht.

(Foto: Claudia Koestler)

Vor der Wolfratshauser Entscheidung war die Einführung einer Sicherheitswacht nicht ohne Kritik gewesen. Ehrenamt im Sicherheitsbereich sei jedoch nicht unüblich, sagte Kopp: "Bei den Feuerwehren kommt ja auch niemand auf die Idee, die Freiwilligen abzuschaffen, nur weil es auch eine Berufsfeuerwehr gibt."

Dass damit personelle Lücken der Polizei geschlossen werden sollen, hält der Polizeipräsident für "Quatsch". Kopp sieht in ihr vielmehr "den Kitt für bürgerlichen Zusammenhalt", zumal in einer Gesellschaft, "die immer egoistischer wird", wie Heilinglechner ergänzte. Die Sicherheitswacht biete niederschwellig Ansprechpartner für die Bürger - "und wenn es Gesprächspartner sind, zum Beispiel für ältere Leute".

Das Reden sei eine der Hauptaufgaben der Sicherheitswacht, erklärte Czerweny. Heidemarie Schrödl aus Schongau ist seit sieben Jahren aktiv bei der dortigen Sicherheitswacht und hat genau diese Erfahrung gemacht. "Am Anfang dachte ich, das sei gefährlich. Aber das ist es nicht, man kann ganz viel durch das Reden erreichen. Das Reizgas habe ich noch nie gebraucht", erzählte Schrödl in der Pressekonferenz. Zu Beginn sei sie zwar immer wieder angepöbelt, gar als "Stasi" beschimpft worden. Das habe sich mittlerweile gelegt, die Schongauer seien längst erfreut, wenn sie vorbeischaue. "Und für die Jugendlichen ist sie inzwischen die Oma Schrödl", verriet Czerweny. Sie verstehe ihre Aufgabe präventiv: Manchmal begleite sie ältere oder angetrunkene Bürger nach Hause, melde es dem Ordnungsamt, wenn eine Straßenlampe kaputt ist, und weise Jugendliche freundlich darauf hin, dass sie keinen Müll hinterlassen sollen.

Polizeipräsident Robert Kopp, Bürgermeister Klaus Heilinglechner, Dienststellenleiter Andreas Czerweny und Heidemarie Schrödl aus Schongau (v.l.) erklärten die Aufgaben der Sicherheitswacht.

(Foto: Claudia Koestler)

Von ihr habe er zudem einen Schlüsselsatz erfahren, sagte Czerweny: "Wissen Sie, wir machen es nicht für die Polizei, wir machen es für Schongau." Und eine solche Einstellung wünscht sich der Dienststellenleiter auch für die Sicherheitswacht in Wolfratshausen.

Die Unterlagen für eine Bewerbung liegen ab sofort vier Wochen lang in der Wolfratshauser Polizei aus. Am Freitag und Samstag, 15. und 16. September, stehen Hohenreiter und Willibald zwischen 15 und 20 Uhr (samstags bis 18 Uhr) persönlich in der Dienststelle für Fragen bereit. Nähere Informationen erhalten Interessenten am Telefon, 08171/42110, oder im Internet unter www.polizei.bayern.de/wir/sicherheitswacht