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Wolfratshausen:Bürger wollen den Klinikpark retten

Unterschriftenübergabe unterm Haselnussbaum: Hermann Böcking, Hans Schmidt, Landrat Niedermaier.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Wolfratshauser übergeben dem Landrat 834 Unterschriften gegen den Ausbau der Einrichtung

Von Benjamin Engel, Wolfratshausen

Mit einer Unterschriftenaktion wollen Wolfratshauser Bürger den Park der Kreisklinik retten. Initiator Hermann Böcking übergab Landrat Josef Niedermaier (FW) am Dienstag eine Liste, die 834 Wolfratshauser unterschrieben haben. Sie fordern darin, die Pläne für den Bau einer psychiatrischen Tagesklinik auf dem Parkgelände fallen zu lassen, das ihrer Ansicht nach zerstört werde. Landrat Niedermaier verteidigte die Pläne an dieser Stelle.

Böcking bezweifelt, dass die ärztliche Grundversorgung in der Kreisklinik durch den Neubau erhalten werden kann. Der schönste Teil des Parks falle dadurch weg, sagte er. So müsse unter anderem ein über 150 Jahre alter Haselnussbaum gefällt werden. Um den Park als Naturfläche für Patienten, Bewohner des anliegenden Altenheims und Anlieger zu erhalten, forderte Böcking Alternativen. Es solle geprüft werden, ob sich nicht Räume im alten Krankenhaus nutzen ließen. Falle die Kfz-Zulassungsstelle weg, würden hier Räume leer. Auch nach Leerständen in der Kreisklinik müsse man sehen. Womöglich wäre dort Platz, sagte Böcking. Zudem fürchteten die Anwohner eine starke Verkehrszunahme.

Der bayerische Krankenhausplanungsausschuss hat dem Aufbau der psychiatrischen Tagesklinik des Bezirks Oberbayern bereits zugestimmt. Es gehe darum, den Gesundheitsstandort Wolfratshausen zu stärken, sagte Niedermaier. Für den Bezirk sei es wichtig, dass ein Krankenhaus in der unmittelbaren Nachbarschaft sei. Die Klinik des Bezirks lasse sich nicht in die Kreisklinik integrieren. Im bestehenden Gesundheitssystem mache der Bezirk nicht mit. Er kämpfe dafür, in einer überversorgten Region den Standort zu sichern. Vorteile würden auch die zusätzlichen Ärztepraxen bringen, die sich in dem Neubau ebenfalls niederlassen wollten, sagte Niedermaier. Allerdings musste der Landrat einräumen, dass er nicht garantieren könne, dass die Kreisklinik auf lange Sicht erhalten werden könne.

Der Baum müsse weichen, sagte Niedermaier. Das Gebäude anders zu situieren würde zu Kostensteigerungen führen. Das müsse gegen den Nutzen abgewogen werden. Eine Rolle spielten etwa auch die Abstandsflächen zum Hubschrauberlandeplatz, sagte Niedermaier. Die Idee, den bestehenden Parkplatz an der Klinik aufzustocken und sich so Parkplätze direkt am neuen Gebäude zu sparen, lehnte er ab. Die Stellplätze müssten direkt auf dem Grundstück für den Neubau bereitgestellt werden, sagte der Landrat. Der ehemalige Klinik-Chefarzt Matthias Richter-Turtur vermisste ein Gesamtkonzept und schlug vor, die Tagesklinik zu nächst in den Räumen der Kreisklinik unterzubringen, was der Landrat als "Wunschdenken" bezeichnete. Böcking und seine Unterstützer vermissten eine rechtzeitige Einbindung der Öffentlichkeit. Jetzt wollten sie prüfen, eine Stadtteilversammlung zum Thema abzuhalten, sagte Böcking.

© SZ vom 03.06.2015

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