Süddeutsche Zeitung

Wolfratshausen:Blickdichte Schatzkammer

Das Stadtmuseum leidet unter Platzmangel

Von Wolfgang Schäl, Wolfratshausen

Die Tür des längst abgerissenen Vierjahreszeitenhauses, Gemälde von Felix Bockhorni und Karl Maldeck,Biedermeier-Möbel aus dem Nachlass des Klein-Anwesens an der Bahnhofstraße und allerlei Kuriosa wie ein Bettenfass oder ein Hut, der auch Napoleon gut zu Gesicht gestanden hätte: Es gibt eine Menge Kulturschätze in Wolfratshausen, die ein Dasein im Verborgenen fristen, weil die Stadt keinen Platz hat, sie zu zeigen. Unterm Dach des Heimatmuseums lagern wertvolle und originelle Zeugnisse der Ortsgeschichte, die gut und gern ausreichen würden, um ein zweites Museum zu füllen. Der Historische Verein hat anlässlich seiner Hauptversammlung noch einmal Gelegenheit bekommen, sich in dem zugigen Obergeschoss umzutun - noch einmal, weil Museumsleiter Hubert Lüttich sich die Mühe gemacht hat, seine Schränke zu öffnen. Ende Juni will er seine seit 20 Jahren geleistete ehrenamtliche Arbeit unwiderruflich beenden.

Dass er mit den aktuellen Gegebenheiten hadert, mag Lüttich nicht verhehlen. Seine lange gehegte Hoffnung war es, dass das Erdgeschoss, das jetzt den Bürgerladen aufnehmen soll, dem Museum zugeschlagen würde. Allein der Nachlass von Antonia Klein umfasse 400 bis 500 Gegenstände. Der Speicher, in dem jetzt alles aufbewahrt wird, sei für die wertvollen Exponate mangels Dachisolierung eigentlich nicht geeignet. Ändern wird sich daran in nächster Zeit nichts, wie Martin Melf, der fürs Museum zuständige Abteilungsleiter im Rathaus, feststellte. Derzeit liege das Interesse auf einer angemessenen Unterbringung des Stadtarchivs. Die Sachen, die im Dachgeschoss gelagert sind, versuche man jeweils in Sonderausstellungen zu zeigen. Dies freilich mache eine Menge Arbeit.

Was für die Stadt ein Mangel ist, könnte dem Badehausverein womöglich zum Vorteil gereichen. Diese Hoffnung hegt jedenfalls Sybille Krafft, die Vorsitzende des Historischen- und des Badehausvereins. Ihre Idee: Relikte aus der NS-Zeit könnten als Leihgabe einen würdigen Aufbewahrungsort in Waldram finden, sobald das Badehaus als Dokumentationsstätte eingerichtet ist. Viel an geeigneten Exponaten sei da leider nicht vorhanden, dämpfte Melf freilich derlei Erwartungen, einiges habe man auch schon nach Geretsried weggegeben.

Grundsätzlich stehe einer solchen Anregung aber nichts entgegen. Schließlich habe das Museum einen Bildungsauftrag zu erfüllen. Und wenn der Historische Verein auf eine Kooperation Wert lege, "dann lässt sich das sicher machen". Vorstellbar wäre für Melf beispielsweise, die düsteren Grafiken Karl Maldeks (1924-2004) auch in Waldram zu zeigen. Es sind Bilder, die vor zehn Jahren schon einmal im Kunstbunker ausgestellt waren, Werke eines traumatisierten Künstlers, der im Zweiten Weltkrieg mehrfach nur knapp dem Tode entkam.

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Quelle:
SZ vom 22.06.2015
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