bedeckt München 16°

Wolfratshausen:Bäderkrimi

Dass "mitanand mehr geht", haben die Bürger bewiesen.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Erst ein Bürgerbegehren bringt den Stadtrat zu seinem Ja

Das interkommunale Hallenbad bereitet im Jahr 2016 so manchem Politiker schlaflose Nächte. Im Februar ist alles noch offen: Die jährliche Kostenbeteiligung muss neu berechnet werden, was die Kommunen von den neuen Beträgen halten werden, weiß niemand; nur eine sagt für alle Fälle zu: Dietramszell. Doch ankommen wird es letztlich auf Wolfratshausen, das nach Geretsried den größten finanziellen Beitrag leisten soll. Fünf Jahre lang ist das interkommunale Hallenbad für den Nord-Landkreis mit Standort in Geretsried inzwischen in der Diskussion: Bürgermeister Michael Müller (CSU) will eine Entscheidung noch in diesem Jahr - auch falls die am Ende für Plan B, das kleinere und stadteigene Geretsrieder Hallenbad, fallen muss. Eine Bürgermeisterversammlung, bei der sich alle Rathaus-Chefs positiv zu dem Projekt äußern, lässt zunächst hoffen: Mit Ausnahme Ickings, das keinen Bedarf am interkommunalen Hallenbad sieht, stimmen im Jahresverlauf nach und nach alle kommunalen Gremien offiziell für eine Beteiligung an den Betriebskosten: Geretsried, Münsing, Egling, Dietramszell, Königsdorf, Eurasburg. Bis auf Wolfratshausen, das zwar den Bau mitfinanzieren, aber nichts für den Betrieb zahlen will.

Der Wolfratshauser Stadtrat lässt den Geretsrieder Bürgermeister und Landrat Josef Niedermaier (FW) im März und im Mai ins Rathaus kommen, um das Projekt noch einmal zu erläutern. Wolfratshausen müsste mit einem Anteil an den Betriebskosten von 105 000 Euro jährlich rechnen, heißt es. Man bleibt skeptisch. Als die Entscheidung im Juli erneut vertagt wird, stellt Bürgermeister Müller ein Ultimatum: Im September soll Wolfratshausen klare Kante zeigen, sonst baut die Stadt das kleine Hallenbad - mit der Konsequenz, dass die übrigen Nord-Kommunen bald ohne Schwimmunterricht dastünden. Der September kommt. Und der Wolfratshauser Stadtrat lehnt das interkommunale Hallenbad ab - mit einem Patt. Zwölf Befürworter stehen gegen zwölf Gegner.

Der Geretsrieder Stadtrat hält sich an sein Ultimatum und beschließt das eigene kleinere Hallenbad. Eine kleine interkommunale Chance gibt es noch: Wolfratshauser Hallenbad-Befürworter organisieren ein Bürgerbegehren, das in kurzer Zeit so viele Unterschriften erhält, dass der Stadtrat unter Druck gerät. Selbst der ehemalige Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) schaltet sich ein. Im November heißt es im Wolfratshauser Rat angesichts 4500 gültiger Unterschriften: "Bürgerwille verstanden." Mit 19 zu fünf Stimmen bekennt sich die Lokalpolitik zum interkommunalen Hallenbad. Eröffnen soll das Bad im Jahr 2020.