bedeckt München
vgwortpixel

Wolfratshausen:Anwohnerprotest gegen Bauplanung

Firma Krämmel weist Vorwürfe zu dichter Bebauung zurück

Anwohner der Gebhardtstraße in Wolfratshausen wehren sich gegen ein Bauvorhaben auf dem so genannten Kuetgens-Grundstück in ihrer Straße: Das Wolfratshauser Bauunternehmen Krämmel will dort drei Mehrfamilienhäuser errichten. "Die geplante Bebauungsdichte lässt jede Verhältnismäßigkeit vermissen und ist weder in der Grundfläche noch in der geplanten Ausbildung der obersten Geschosse der Umgebung angepasst", heißt es in einem Protestschreiben, das neun Haushalte aus der Nachbarschaft unterzeichnet haben.

Die dichte Bebauung verändere den Charakter des Quartiers, argumentieren sie. Die geplante Ausführung mit Laternengeschossen - Aufbauten am Dachfirst - passe nicht in das Umfeld. Zudem sei die bebaute Grundfläche bei jedem der drei Häuser größer als die der umliegenden Gebäude. Somit wäre deutlich weniger Grünfläche vorhanden. Die benötigten Zufahrt- und Rangierflächen versiegelten weiteren Grund. Auch sehe die geplante Tiefgarage zu wenige Stellplätze vor, heißt es in dem Schreiben. Noch mehr Autos seien in der bereits überlasteten Gebhardt- und in der Heiglstraße, von der die zweite Zufahrt erfolgen soll, nicht tragbar.

"Wir waren alle erstaunt", sagt Hermann Böcking, Sprecher der Anwohner. Die Firma Krämmel habe am 11. Juni allen Nachbarn eine "zwei Zentimeter dicke Mappe" mit den Plänen geschickt - mitsamt einer Einverständniserklärung zum Unterzeichnen, wohl um die Genehmigung voranzutreiben, glaubt Böcking. "Es kann nicht sein, dass man uns so ein Ding hinstellt", sagt er. Deshalb habe man die Protestnote an die Stadt geschickt.

Die hat in ihrer Stellungnahme das gemeindliche Einvernehmen bereits erteilt - "auf dem Büroweg", wie der städtische Bauamtsleiter Dieter Lejko sagt. Schließlich habe der Bauträger keinen Antrag auf Vorbescheid gestellt. Auch gebe es für das Gebiet keinen Bebauungsplan, und es liege auch keine Abweichung von einer Satzung vor, die einer Befreiung bedürfe. Deshalb müsse das Vorhaben nicht in den Bauausschuss, stattdessen habe Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) in Absprache mit der Verwaltung das Einvernehmen erteilt, wie es die Geschäftsordnung der Stadt in solchen Fällen vorsehe. Der Bauantrag liegt nun beim Landratsamt zur Genehmigung. Das Verfahren dauere noch an, sagt der zuständige Abteilungsleiter im Kreisbauamt Oliver Kellermann. Bei der Behörde seien auch einige Einwendungen von Nachbarn eingegangen, die man nun prüfe. "Wir nehmen das ernst und werden es uns genau anschauen", sagt Kellermann. Eine endgültige Entscheidung sei noch nicht gefallen.

Stadtrat Hans Schmidt (Grüne), der als Anwohner auch Unterzeichner der Protestnote ist, will das Thema aber auf jeden Fall im Bauausschuss behandeln. Er werde sich mit seiner Fraktion am Montag dafür einsetzen, dass es auf die Tagesordnung komme, sagt er. Schließlich handle es sich um ein großes, quartierbestimmendes Bauvorhaben. Die unübliche Dachform, die massive Versiegelung und die seiner Meinung nach überschrittene Grundflächenzahl sprächen dafür, das Thema im Ausschuss zu behandeln. "Ich werde mich dafür einsetzen, dass man das auf jeden Fall öffentlich diskutiert", sagt Schmidt.

Bei der Firma Krämmel weist man die Vorwürfe zurück. Natürlich sei die Bebauung dichter als das Einfamilienhaus, das derzeit noch auf dem Grundstück stehe. In der Planung habe man sich aber an der umliegenden Bebauung orientiert, sagt Geschäftsführer Korbinian Krämmel. Referenz seien die zwei Mehrfamilienhäuser schräg gegenüber in der Gebhardtstraße, nach deren Höhe und Gestaltung man sich gerichtet habe. Die geplanten Laternendächer wirkten modern, seien aber "an der klassischen bayerischen Form angelehnt", sagt Krämmel. "Wir haben ein großes Interesse daran, dass sich das Objekt einfügt und optisch nicht aufdrängt." Auch die Stellplatzsatzung werde eingehalten und mit 47 statt der geforderten 46 Tiefgaragenplätze sogar überschritten. Krämmel kann sich nicht erklären, wie die Nachbarn auf die Zahl von 48 Wohneinheiten kommen, die dort angeblich geplant seien. Laut Krämmel soll es insgesamt 24 Wohnungen geben: zehn in einem Haus, jeweils sieben in den anderen.