Das vergehende Jahr wird lange in Erinnerung bleiben, schließlich hat die Pandemie das Leben verändert, auch in Wolfratshausen. Rein äußerlich betrachtet aber hat sich 2020 in der Loisachstadt kaum etwas getan. Wer sie dieser Tage nach einem Jahr Abwesenheit betreten würde, müsste schon genau hinsehen, um Veränderungen zu erkennen. 2020 erscheint in der Rückschau nicht geeignet, um das Vorurteil von "Stillstandshausen" zu widerlegen. Und das liegt weniger am Coronavirus und seinen Auswirkungen als an politischen Kapriolen, die Aufbruchserklärungen in eine den Bürgern wohl nur allzu bekannte Stagnation münden lassen.
Der Status quo muss aber nicht immer eine schlechte Nachricht sein. Lässt man den fiktiven Rückkehrer etwa am Hatzplatz vorbeischlendern, dürfte er sich wohl freuen, dass die Sicht auf die Loisach dort nicht von einem zehn Meter hohen Parkhausungetüm verstellt ist. Laut Stadtratsbeschluss hätte es ein Tölzer Bauunternehmer dort errichten sollen, der Pächter aber zog die Pläne nach heftiger Kritik im März zurück. Zur Auflösung des Vertrags musste die Stadt die Kosten für Planungen und Gutachten erstatten, konnte sich aber in den Augen der meisten eine städteplanerische Bausünde ersparen. Weniger erfreulich ist die Stagnation am Paradiesweg. Dort hätte die Stadt längst mit dem Bau ihres eigenen Parkhauses beginnen können. Doch die Klage eines Nachbarn gegen die Baugenehmigung vom Landratsamt blockiert das Projekt.
Auch beim größten und wichtigsten Bauvorhaben der Stadt ist man nicht weiter gekommen: Für die seit fünf Jahren geplante Sanierung und Erweiterung der Grund- und Mittelschule am Hammerschmiedweg hätten eigentlich die zu verwirklichenden Module und Einsparungen festgelegt werden sollen. Stattdessen soll nun ein alternativer Entwurf geprüft werden, die der CSU-Stadtrat Alfred Fraas eigenmächtig erstellt hat. Ob sich das lohnt oder rächt, wird erst das kommende Jahr zeigen.
Als Mahnmal des Stillstands hat die Ruine des Isar-Kaufhauses ein weiteres volles Jahr geschafft. Immerhin gab es im November die Nachricht, dass der Abriss nach Einigung mit den Nachbarn weitergehen kann: In kleinen Schritten soll er bis zum kommenden Frühjahr erfolgen. Ein bisschen Aufbruch zeigt sich also doch. Am Untermarkt 10 hat die Stäwo mit der Sanierung begonnen, die Maro-Genossenschaft hat für ihr Mehrgenerationen-Wohnprojekt an der Sauerlacher Straße inzwischen beide Bauanträge gestellt: für den Neubau und die Sanierung des denkmalgeschützten Alten Krankenhauses. Und am Kraft-Areal wird eine Baugrube ausgehoben, für die 117 Wohnungen mit Supermarkt, die dort entstehen sollen. Am Ende des schwierigen Jahres 2020 bleibt den Wolfratshausern also auch in Sachen Stadtentwicklung die Hoffnung: Es kommen bessere Zeiten.
